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Autor Diana M. am 17. März 2009
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Kinder und Jugend

Qualität von Kindergärten und Krippen

Sehr geehrte Frau von der Leyen,

ich finde Ihre Aktionen im Bereich des Ausbaus von Kindergärten und Krippen sehr gut, sowie die Unterstützung berufstätiger Frauen durch Kinderbetreuungsplätze.

Leider sehe ich erschreckend, gerade im Krippenausbau, dass hier von den Städten vorrangig auf die Quantität geachtet wird. Durch Vorgaben der Bundesregierung und um bei den Berichten gut darzustehen, liegt der Fokus und das Investment im Moment nur auf Anzahl der Plätze zwischen 1 und 3 Jahren.

Bereits bei den existierenden Kindergärten gibt es riesige Unterschiede. Wobei einige auf neue Konzepte setzten, auf Weiterbildung der Betreuuer, wissenschaftlicher Erkenntnisse und einem guten Betreuer-Kinder Verhältnis, kosten andere die Gesetzesgrundlage bis an das Minimum aus. Das Wohl des Kindes steht ebenfalls in den Jugendämtern namentlich im Vordergrund, doch werden hier die Erziehungsmethoden oder Fortbildungen in keinster Weise geprüft, lediglich Quadratmeter, bauliche Bedingungen, sanitär Einrichtungen, o.ä.

Gute Kindergärtenplätze sind stark umkämpft..ob staatlich oder privat geführt. Und aus den "schlechten" Kindergärten gibt immer wieder erschreckende Bilder: Kinder dürfen nicht in der ersten Zeit begleitet werden; Kinder kommen den ganzen Winter nicht nach draussen, da es den Betreuern zu kalt und nass ist; es wird ein "stiller Stuhl" a la Super Nanni eingeführt, um "bösen" Kindern Herr zu werden; es gibt absurde Regeln und Beschränkungen der Kreativität und des Freispiels; Betreuuern fällt nichts mehr ein was man mal "Neues" machen kann; Kinder werden nicht gehört; Kinder fallen wegen fehlender Bindung zu den Betreuuern in nicht altersgerechte Zustände (einnässen, Lustlosigkeit, Traurigkeit, Zurückhaltung), Betreuer versuchen sich die Arbeit so einfach wie möglich zu gestalten, auf Grund länger Öffnungszeiten wird im Schichtdienst betreut; auch Wechsel der Bezugspersonen durch hohe Fluktuation werden oft genannt ...

In Elterncafes, Internetforen und Müttertreffen gibt es eine Vielzahl dieser Beispiele.

Ich möchte betonen, dass ich es gut finde, dass verschiedene Erziehungsansätze und pädagogische Ansätze im Kindergarten gewählt werden können der Tagesablauf frei gestaltet werden kann und hier kein Druck durch Lehrpläne oder ähnliches entsteht. Trotzdem sollte eine Qualitätssicherung bestehen. In Studien (z.B. von Wolfgang Tietze) kann man nachlesen, dass meist nur 1/3 der Kindergärten eine gute Qualitätsstufe erreichten. Zudem kommen immer mehr Verwaltungsaufgaben auch auf die Betreuer zu (Elternberichte, Verbandsberichte,..) und bei einer Betreuung von 25 Kindern durch 2 Betreuer (standard) ist schnell nur noch 1 Betreuer für die Kinder da, da der andere Verwaltungsaufgaben erledigt.

Auf die Krippen zurück zu kommen, hier wird noch mehr Betreuung und Zuwendung für die Kinder benötigt, um diese altersgerecht zu begleiten. Städte drängen Kindergärten dazu Krippenplätze für Kinder zwischen 1 und 3 zu offerieren. Ich habe die Befürchtung, dass sich die Zustände hier zuspitzen werden. Die Wissenschaft hat belegt, dass Kindern denen es an notwendiger Zuwendung fehlt gesellschaftliche Problemfälle werden. Wie können die Betreuer heute noch diesem altersgerechten Bedürfnis gerecht werden, bei der Vielzahl der Kinder und im schlechtesten Fall einer Familiengruppe in der wenige Betreuer Kinder von 1 bis 5 Jahren betreuen müssen.

Was gedenken sie vom Familienministerium zu tun, um die Qualität in ALLEN Krippen/Kindergärten zu sichern und zu verbessern? Und somit auch den Kindern, die keinen ausreichenden Rückhalt in der Familie haben oder die Eltern das Konzept einer Kinderbetreuung nicht hinterfragen, eine Chance zu bieten, durch Zuwendung, vernünftigen Regeln und Freiheiten zu starken Kindern heranzuwachsen?

Das ist ein gutes Investment in Deutschlands Zukunft.

Vielen Dank

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