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Beantwortet
Autor Daniel Vater am 27. Mai 2009
5934 Leser · 134 Stimmen (-10 / +124)

Familie

Warum werden Familien mit mehreren Kindern beim Elterngeld bestraft

Sehr geehrte Frau von der Leyen,

ich möchte Ihnen folgenden Sachverhalt schildern.
Ich bin derzeit zweifacher Familienvater, meine Söhne wurden 2002 und 2004 geboren. Jetzt erwartet meine Frau das dritte Kind. Da es bei uns nicht anders möglich war ist meine Frau seit 2002 zuhause um die Kinder zu erziehen. Ich muss aber auch sagen, dass wir das nicht anders möchten denn schließlich sollen die Kleinen von dern Eltern aufgezogen werden und nicht in irgendwelchen Kinderhorten.
Es kann nicht sein dass man schon die Kleinsten nach nur wenigen Monaten weggibt und die Erziehung anderen überlässt. Das mag vielleicht in der Großstadt der Regelfall sein, aber nicht bei mir auf dem Land.
Leider wird meine Frau jetzt dafür bestraft, dass Sie in den letzten Jahren unsere Kinder erzogen hat. Wir bekommen nur den minimalen Sockelbetrag von 300,00 Euro Elterngeld. Die 75,00 Euro Zuschuss pro Kind fallen auch weg, weil meine Kinder um je ein Jahr zu alt sind. Eine Mutter die das erste Kind bekommt und vorher so ca. 1500 Euro netto verdient hat bekommt satte 1000,00 Euro Elterngeld. Die Arbeit die meine Frau mit der Kindererziehung investiert hat wird somit einfach ignoriert. Da heisst es Familien mit Kindern sollen unterstützt werden, aber das Gegenteil ist der Fall. Sagen Sie mir auch nicht dass ich ein Einzefall bin, da dies hier bei uns auf dem Lande häufig vorkommt. Man wird dafür bestraft dass man mehr Kinder möchte und Familien mit zwei Einkommen werden noch dafür belohnt wenn Sie das erste Kind bekommen. Kann dass im SInne Ihrer Familienförderung sein ??

Mit freundlichen Grüßen
Daniel Vater

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Antwort
von Ursula von der Leyen am 20. August 2009
Ursula von der Leyen

Sehr geehrter Herr Vater,

vorweg möchte ich Ihnen und Ihrer Familie alles Gute für die bevorstehende Geburt wünschen. Ich finde es toll, dass Sie sich mehrere Kinder wünschen und dass Ihr Betreuungsmodell für Sie gut funktioniert. Ich weiß sehr gut, dass das Erziehen mehrerer Kinder eine schöne Aufgabe, aber auch eine enorme Leistung ist. Zugleich bedauere ich, dass das voraussichtliche Elterngeld für Ihr jüngstes Kind nicht Ihren Erwartungen entspricht.

Ohne nähere Informationen kann ich nicht beurteilen, ob Sie mit dem alten Erziehungsgeld besser gefahren wären. Mir ist aber wichtig, Ihnen zu erläutern, warum wir das Elterngeld eingeführt haben. Vor dem Elterngeld fielen viele Familien nach der Geburt in ein finanzielles Loch. Wenn ein Elternteil – meist die Mutter – aus dem Beruf ausstieg, brach gleich ein ganzes Einkommen weg. Das Erziehungsgeld konnte dies oft nicht auffangen. Das Elterngeld ist unterschiedlich hoch, weil es wegfallendes Einkommen zu mindestens 67% ersetzt. Wo kein Einkommen wegfällt, gibt es den Sockelbetrag von 300 Euro zusätzlich.

Das Elterngeld soll allen Eltern die Möglichkeit geben, vor allem im ersten Jahr nach der Geburt für ihr Kind da zu sein, ohne finanzielle Achterbahn. Natürlich ist es Ihre persönliche Entscheidung, aber wenn Sie wie mittlerweile rund 18 Prozent aller Väter Vatermonate nehmen und Zeit mit dem Neugeborenen verbringen möchten, können Sie 67 Prozent Ihres Monatsnettos als Elterngeld beantragen. Das gab es vorher nicht. Viele junge Familien sehen das Elterngeld auch deswegen sehr positiv.

Mir liegen Familien wie die Ihre besonders am Herzen. Wer den Mut zu mehreren Kindern hat, verdient auch mehr Unterstützung der Gesellschaft. Deswegen habe ich mich in der vergangenen Legislatur nicht nur für eine weitere Erhöhung des Kindergeldes mit zusätzlicher Staffel ab dem dritten Kind eingesetzt, sondern plädiere auch für eine starke Kinderkomponente im Steuerrecht, die Familien, die Kinder erziehen mehr von ihrem selbstverdienten Einkommen lässt.

Einen guten und schnellen Überblick über heute schon verfügbare finanzielle Unterstützungen und Vergünstigungen für Familien bietet das Internetportal www.familien-wegweiser.de.

Mit freundlichen Grüßen