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Beantwortet
Autor matthias michall am 08. August 2011
6356 Leser · 0 Kommentare

Aktuelles

Flughafen Schönefeld

Sehr geehrter Herr Wolf,

ist es nicht auch für sie erstaunlich, mit welchen Interesse und persönlichen Einsatz alle Politiker egal welcher politischen Ausrichtung sich auf das Thema Schönefeld stürzen?

Vielleicht helfen Ihnen und ihren Mitstreitern ein paar Denkansätze eines betroffenen Müggelheimers, der sich in seiner Gesundheit und in seinem sozialen Umfeld gefährdet sieht, nur weil wirtschaftliche Überlegungen über das Gemeinwohl der Bürger gestellt wird.

Fakt ist, dass es nicht mehr zeitgemäß ist im Stadtgebiet einen Flughafen zu errichten. Mit genau diesem politischen Willen wurde Tempelhof geschlossen und soll Tegel geschlossen werden.

Warum dann Schönefeld, warum überhaupt diese unselige Flugroutendiskusssion, dass Flugzeuge den
Luftraum nutzen, dürften selbst Politiker wahrgenommen haben. Logisch das ein Flughafen am Stadtrand eine Vielzahl von Überflügen für das Stadtgebiet mit sich bringt. War das nicht zu erkennen?

Beim Konsensbeschluß 1996 wurden rein wirtschaftliche Überlegungen als Basis zur Entscheidungswahl herangezogen, sonst hätte es wohl Sperenberg werden müssen. Ich denke, dass ist unstrittig, alle anderen Ausführungen sind Geschwätz. Nun im Nachhinein nach Kompromissen zu suchen um seltene Tierarten wie z.B dieFledermaus zu schützen, ist doch etwas skurril.

Wo bleibt der Mensch?

Wieso werden zur Gesunderhaltung Millionen investiert, wenn Andere genau die Rahmenbedingungen schaffen , dass sich die Kosten zur Gesunderhaltung weiter erhöhen. LÄRM ist ein erhebliches Gesundheitsrisiko mit allen daraus resultierend mittelbaren und unmittelbaren Folgen. Stress , Herzinfarkt, Depressionen!

Sie gehören einer Partei an die sich sozialen Positionen verpflichtet sieht. Ich frage Sie, wer bitte schön entschädigt mich für den Wertverlust meines Grundstücks? Bei 360000 Flügen im Jahr kommt alle 2 Minuten ein Flugzeug über mein Grundstück. Ich habe somit einen Dauerschallpegel, kann also mein Grundstück nicht mehr so nutzen wie es sein sollte. Ich muß Ihnen doch sicher nicht erklären das Häuslebauer deshalb Häuslebauer sind weil sie sich nicht nur in 4 Wänden aufhalten wollen.

Mit freundlichen Grüßen

Matthias Michall

Antwort
von Harald Wolf am 23. August 2011
Harald Wolf

Sehr geehrter Herr Michall,

Ihre Sorge um die Flugroutenplanung insbesondere über den Müggelsee und die anliegenden Erholungsgebiete teile ich voll und ganz. Ich bin der Auffassung, dass die derzeitige Vorlage der Deutschen Flugsicherung (DFS) nicht das letzte Wort sein kann. Die am 4. Juli veröffentlichen Vorschläge der DFS treffen vor allem den Süd-Osten Berlins. Das ist für Politikerinnen und Politiker der LINKEN kein tragbarer Kompromiss.

Wir engagieren uns für eine erneute Überprüfung der Routengestaltung, die im Ergebnis den Überflug des Müggelsees ausschließt. Die Deutsche Flugsicherung hat dieses Grundprinzip jetzt aus wirtschaftlichen Erwägungen abgelehnt. Diese Prioritätensetzung ist heutzutage unhaltbar. DIE LINKE setzt darauf, dass der Lärm- und Gesundheitsschutz sowie ökologische Gesichtspunkte in den endgültigen Entscheidungen, die jetzt beim Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung, dem Luftfahrtbundesamt, liegen, nicht vernachlässigt oder hinter wirtschaftlichen Erwägungen als nachrangig deklariert werden dürfen. Unter anderen Prämissen ist eine moderne Metropolenpolitik undenkbar.

Ohne hier sofort gesellschaftliche Folgekosten für eine – auf wirtschaftliche Erwägungen reduzierte - Entscheidung beziffern zu können, dürfte klar sein, dass die gesundheitlichen und ökologischen Folgen einer solchen Fehlentscheidung nicht zu verantworten sind. Zum jetzigen Zeitpunkt sind die zerstörerischen Folgen nicht einmal umfassend abschätzbar. Neben dem wichtigen Erholungswert des Gebietes um den Müggelsee, der für urbane Großräume wie Berlin unverzichtbar und schützenswert ist, handelt es sich auch um ein Naturschutz- und Wasserschutzgebiet, welches das städtische Mikroklima dauerhaft positiv beeinflusst.

Wir erwarten, dass sich der Regierende Bürgermeister gegen die Vorschläge der DFS positioniert. Deshalb hat unsere Umweltsenatorin, Katrin Lompscher, bei Klaus Wowereit interveniert und sich an das Bundesumweltamt gewandt. Unser Engagement ist mit der Forderung verbunden, die Vorschläge des DFS unter Lärm- und Naturschutzgesichtspunkten zu prüfen.

In diesem Zusammenhang möchte ich auch daran erinnern, dass die eine der Vorgängerparteien DER LINKEN, die PDS, sich, wenn auch spät, in den 90er Jahren für Sperenberg als Flughafenstandort ausgesprochen hatte. Die Bundesregierung unter Helmut Kohl und die Landesregierungen Brandenburgs unter Manfred Stolpe und die Berlins unter Eberhard Diepgen haben die stadtnahe Entscheidung Schönefeld getroffen. Gerade deshalb – und so haben wir als Linke in Regierungsverantwortung bisher agiert - ist eine Prioritätensetzung bei der Entscheidung zu den Flugrouten mit besonderer Sorgfalt für Mensch und Natur in den Vordergrund zu stellen. Ein weltoffenes und buntes Berlin mit einem Großflughafen, muss zugleich für umfassende Lärmschutzmaßnahmen, gegen Gesundheitsschäden und für die Erhaltung von Naherholungsräumen, Natur- und Wasserschutz eintreten.

Wir lassen nicht locker, denn es muss jetzt um eine Überprüfung der Flugrouten unter Lärm- und Naturschutzkriterien – auf bundes- und landespolitischer Ebene - gehen, um Alternativen zu den derzeitigen Vorschlägen durchzusetzen. Mit Bürgerinitiativen, wie die fbi (Friedrichhagener Bürgerinitiative) sind wir gleichfalls im Gespräch und unterstützen ihr Anliegen. Gregor Gysi hat sich mit einem Schreiben direkt an die Bundeskanzlerin gewandt, die Antwort darauf steht aber noch aus.

Mit freundlichen Grüßen

Harald Wolf
Bürgermeister und Senator für Wirtschaft, Technologie und Frauen