Liebe Besucherinnen und Besucher,

seit 2006 beantwortete das Bundespresseamt Ihre Fragen auf dieser Plattform im Auftrag der deutschen Bundeskanzlerin. Im Zuge einer Neustrukturierung entwickelt das Bundespresseamt sein originäres Angebot weiter im Sinne eines Bürgerservices mit Dialogmöglichkeiten. Auf dieser Plattform wurden am Montag, den 30. April 2018, die letzten drei Fragen beantwortet. Neue Beiträge und Kommentare werden nicht mehr veröffentlicht.

Wir danken Ihnen für Ihre rege Teilnahme auf www.direktzurkanzlerin.de.

Ihr Moderationsteam

Abstimmungszeit beendet
Autor Gerd Salewski am 06. November 2007
9209 Leser · 6 Kommentare

Soziales

Angekratzte Menschenwürde

Sehr geehrte Frau Dr. Merkel,

möchte mich mit meiner Frage auf diesem Wege an Sie wenden.
Weshalb wird die Menschenwürde nicht mehr respektiert?

So unmenschlich wie man mit den arbeitslosen Menschen umgeht, schadet auf Dauer der gesamten Gesellschaft und erhält langsam den Tatsch einer ehemaligen DDR. Ich denke, dass man froh sein darf, dass viele Mitbürger gar nicht wissen wie Sie ihre Rechte umsetzen könnten.
Hat man sich nicht reichlich Gedanken zu der Disk, ALGII von Herrn Hartz gemacht?
Hier liegt doch vieles im ARGE[n]. Man darf doch nicht Bürger die jahrelang ihrer Arbeit nachgekommen sind, innerhalb eines Jahres auf die gleiche Stufe eines Sozialhilfe- empfängers stellen. Ist das Menschenwürdig, wenn einem a l l e s weggenommen wird und man sich total o f f e n l e g e n muss? Rentiert sich arbeiten bei diesen Abzügen und Bezahlungen [z.B. Bäcker, Fleischer, Frisösen, Wachdienste] noch? Wie sieht es für die ältere Generation aus, die keine Arbeit mehr bekommt, auch wenn Sie wollen? Wie sollen Sie das soziale Loch je wieder schließen? Warum nimmt man denen a l l e s weg und muss für jede Kleinigkeit Rechenschaft ablegen. Man hofft schon jeden Tag, dass einem die Eltern nicht wegsterben, denn dann bereichert sich ja unser Staat zum x- tenmal wieder an dem bereits schon x-mal versteuertem Geld.
Von welchem Geld soll man sich noch selbst absichern? Es gibt Personen, die durch eine Scheidung schon das meiste Ihrer späteren Absicherung [Rente] verloren haben.
Kennen Sie die finanzielle Aufgliederung für einen ALGII Empfänger? Z.B.: Friseur für 9,87€ [bei Frauen?], MVV 18,10€,[Einzelfahrt 2,20€] Essen, Trinken und Gaststättenbesuch 10,33 € und das monatlich. Ungewollter Krankenhausaufenthalt wird noch mit einem finanziellen Abzug der ARGE bestraft. Jugendliche die einer geregelten Tätigkeit (FSJ, AZUBI) nachkommen bestraft man auch noch mit Abzügen, statt Ihnen Ihr kleines Taschengeld nicht als „Einkommen“ abzuziehen. Das motiviert! Kindergeld wird nur noch auf dem Papier kostenmäßig verschoben und kostet dem ALGII Empfänger noch zusätzlich Geld für Papier, Porto und Telefon. Gern würde man auch seinen Anverwandten (Enkel, Kinder, Eltern] mal etwas schenken. Wie soll man seine Wohnungseinrichtung die teilweise über 25 Jahre auf dem Rücken hat erneuern? Auf dem Flohmarkt oder Trödel wäre das nur ein Austausch. Kennen Sie das Gefühl durch einen Supermarkt zu gehen und gerade noch das nötigste einkaufen zu können [gerade zu den Festtagen]. Brillengläser werden auch zum Luxus, denn wer kann sich das noch leisten? Krankenkassen beteiligen sich auch nicht mehr daran. Selbst sterben wird für die Nachkommen zum Problem, denn man kann sich selbst nicht mehr absichern.
Wer Eigentum besitz ist ja auch schon wieder im Vorteil (Eigentumswohnung/Haus bei Selbstnutzung).
Vorteil des geringfügigen arbeitenden Verdieners ist, dass er sich nicht dem Staat gegenüber total offen legen muss und seine Ersparnisse und Anlagen behalten darf.
Wie sieht es für „allein stehende“ Personen aus? Doppelbelastungen, komplette Familie, Haushalt und o h n e Wochenende und Feiertage.

Sie kommen doch aus einer „christlichen Familie“, wie stehen Sie dazu??
Können „Sie“ [nicht Ihre Pressestelle] diese Handlungen und Gesetze mit Ihrem anerzogenen Glauben vereinbaren?

Wir leben nach dem Glauben und den 10 Geboten, doch bei Ihrer heutigen eigenen Diätenerhöhung auf 7.700,-€ fällt es einem schon langsam schwer mit dieser ungerechten Verteilung zu leben.

Es gibt viele schwer arbeitende Menschen, die bei diesen Meldungen kein Verständnis mehr aufbringen können.

Freu mich schon jetzt auf Ihre Antwort

Mit freundlichen Grüßen
Gerd Salewski

Kommentare (6)Schließen

  1. Autor Waltraud Tüllmann
    am 07. November 2007
    1.

    Gerd bitte so mancher Sozialhilfeempfänger erträgt die Ungerechtigkeit schon über 30 Jahre. Kein Wunder das so mancher nie den Weg zur Arbeit fand. Es ist sehr billig auf die herabzusehen, denn wir befinden uns alle im selben Boot. Das Gefühl was Sie beschrieben haben kennen einige schon über 30 Jahre. Und ehrlich in der DDR war man ehrlicher mit den Bürger und hat sich nicht so viel in den Taschen gewirtschaftet. Diedie sich da Priviliegierter fühlten waren sogar deren Kinder und nicht die alte Garde, die man auch nur um ihre Träume brachte. manche Realatitäten sah man nicht auf den ersten Blick, denn auch die alte Garde waren nur ein haufen Marionetten. Wie heute unsere Politiker die Marionetten der Amis und deren Freunde sind.

  2. Autor Gerd Salewski
    am 07. November 2007
    2.

    Hallo Waltraud,
    der Vergleich des Sozialhilfeempfängers bezog sich auf frühere Zeiten vor Hartz IV in der BRD. Hier bestand oft nur ein geringer Preisunterschied zwischen einem Arbeitenden und einem Sozialhilfeempfänger. Ehepaar mit zwei Kinder im Vergleich ergaben 200,-DM Unterschied, wobei nicht mal alle sozialen Vergünstigungen beim Sozialhilfeempfänger berücksichtigt und angegeben wurden. Es erschienen auch Zeitungsartikel hinsichtlich dieser Lage: „Rentiert sich arbeiten noch“? Zu dieser Zeit hab ich mich als Arbeitender auch über diesen Missstand darüber geärgert. Wobei auch hier wieder Unterschiede über die Beurteilung und Hindergründe der einzelnen Schicksale gemacht werden müssen. So wie auch heute bei Hartz IV-Empfängern.
    Dass in der damaligen DDR auch nicht alles schlecht war weiß ich selbst (Verwandte). Hätte man von beiden Seite das Positive beibehalten, wären wir bestimmt alle zufriedener.

  3. Autor Manuela K.
    am 13. November 2007
    3.

    Zum Ende der DDR war ich alleinerziehend, zwei kleineKinder. Meinen Beruf gab es nicht mehr und durch das Babyjahr stand mir kein Arbeitslosengeld zu. Ich sollte Sozialhilfeempfänger werden. Mit einem ganz kleinen Kredit meiner Verwandten machte ich mich selbständig.Ich kenne also beide Seiten und wenn ich zurückschaue, außer Arbeit und Steuern nichts geblieben. 16 Jahre jeden Tag elf Stunden, auch am Wochenende, kein Urlaub. Viele Hartz IV und Sozialhilfeempfänger haben sich bei mir vorgestellt, keiner wollte arbeiten wie ich! Doch durch meine Steuern wird ihr Leben mitfinanziert ! Wie soll der Mittelstand das noch lange durchhalten?
    Ich hatte einen Unfall, acht Monate sagt das Krankenbild, nach zehn Tagen stand ich mit Op-Wunden im Geschäft, hallo Gerd, bring mir einen Angestellten oder Hartz IV Empfänger der das tut. Dann glaube ich auch wieder an Christen und Eigenverantwortung. Es können nicht die da ganz oben und die Armen dort unten von der Mitte leben, ohne uns vollständig zu ruinieren. Es müssen endlich alle ran. Fleiß muss belohnt werden, damit Arbeit Freude und Anreiz ist, für sich selbst zu sorgen. Natürlich verstehe ich, wenn man eh nichts bewirken kann, wenn man nicht mehr Geld am Monatsende in der Tasche hat, dann kann man für das gleiche auch liegen bleiben! Nur wo soll das Geld herkommen. Ich habe auch bald keine Lust mehr zu arbeiten und ausgewrungen zu werden. Wir werden überwacht und für jedes Vergehen sofort bestraft, unsere Politiker erhalten hohe Abfindungen wenn sie Mist bauen. Es stimmt doch gar nichts mehr!

  4. Autor Gerd Salewski
    am 13. November 2007
    4.

    Hallo Manuela,
    danke für Deinen Kommentar, möchte Dir darauf antworten.
    Wie schreibst Du selbst so schön: „ Fleiß muss belohnt werden, damit Arbeit Freude und Anreiz ist, für sich selbst zu sorgen“. Genau das ist es doch und da liegt ja auch
    der Hund begraben.
    Wer arbeitet denn gern für andere und nicht lieber für sich selbst, gerade wenn man
    n i c h t selbstständig ist. Das ist so ähnlich wie die angehenden Häuslebesitzer. Sie Jammern auch immer wie schlecht es Ihnen geht, aber dass sie im Prinzip für s i c h
    s e l b s t die Schulden abtragen, davon wollen Sie vorher nichts wissen. Hinterher ist dann ja alles in Ordnung. Die anderen müssen auch jeden Monat ihre Miete zahlen (aber für Fremde) und sehen später n i c h t s mehr davon.
    Es kommt eben darauf an was mir von meiner Arbeit bleibt und wie ich diesen Gewinn an meine Angestellten weitergeben kann. Stimmt dieses Verhältnis, kommt für beide Seiten auch was dabei heraus.
    Auch zu DDR Zeiten gab es große Unterschiede in der Bevölkerung und in der arbeitenden Gesellschaft. Dies war immer so und wird auch immer so bleiben, egal wo.

    Außerdem kommt es ja auch immer auf die einzelnen Fälle an, die bei jeder Person oder Familie grundverschieden ausfallen. Erst wenn man die ganzen Hintergründe und Zusammenhänge der Situationen und ihren Folgen kennt, kann man sich vielleicht ein sachliches und grobes Urteil bilden. Hier sind viele immer viel zu schnell in Ihren Beurteilungen. Dies kann man sehr oft in vielen Foren im Internet feststellen.

  5. Autor Lutz Rödiger
    am 14. November 2007
    5.

    Hallo Gerd,
    Deinem Beitrag stimme ich voll und ganz zu. Es ist schon sehr traurig, wie in unserem "Sozialstaat" die "Unterschicht" gedemütigt und schikaniert wird.
    Was Deine Hoffnung auf eine "persönliche" Antwort von der Kanzlerin betrifft, da kann ich Dir jetzt schon diese Illusion nehmen.
    Vor einigen Tagen hatte ich auch diese Hoffnung, weil meine Anfrage in der TOP-Wertung auf dem 2. Platz lag. Frau Merkel hat "natürlich" nicht persönlich geantwortet, sondern ich bekam "im Auftrag der Kanzlerin" diese vorgefertigte "0815-Antwort", die ich bereits zur Genüge kannte, und die lediglich wieder Hinweise auf die hinlänglich bekannten Gesetzestexte enthielt.
    Auch Gregor Hackmack von "abgeordnetenwatch.de" hatte in der letzten Sendung von Anne Will am 11.11.2007 bereits treffend bemerkt, daß unsere Kanzlerin bei der Beantwortung von Anfragen äußerst "zurückhaltend" ist und man kaum eine Antwort bekommt. Ich finde das irgendwie feige, wenn man sich nicht direkt mit dem Anfragesteller auseinandersetzt, sondern immer nur die Mitarbeiter "vor's Loch schiebt".
    Ich wünsche Dir, daß Du in den "TOP" auf dem 1. Platz landest, aber selbst dann wird sich Frau Merkel wieder in "vornehmes Schweigen" hüllen ...

  6. Autor Gerd Salewski
    am 14. November 2007
    6.

    Hallo Lutz,
    habe Deinen Bericht natürlich mitbekommen und völliges Verständnis dafür gehabt. Auch die tolle Antwort von der Presseabteilung gelesen. So wie Du es sagst 0815.

    Es ist uns doch sicherlich allen klar, dass unsere Berichte relativ wenig Sinn bei unserer Regierung ausmachen. Doch wenigstens befreien Sie unsere Seelen etwas von unseren täglichen Sorgen. Man fühlt sich nicht mehr so allein mit diesem Problem.

    Wir können nur hoffen, dass es uns allen ähnlich ergeht wie damals Euch vor der Öffnung der Grenze. An diese schnelle Änderung hat auch keiner mehr daran geglaubt, dass dieses Blatt sich so schnell wendet. Also leben wir wenigstens weiter in der Hoffnung auf Besserung.

    Man möchte zu gerne von diesem Unrecht unserer Gesetzgebung die Wut so richtig vom Stapel lassen, denn es strotzt schon zum Himmel mit dieser Ungerechtigkeit im eigenen Lande. Es ist schon traurig geworden, wenn heute den eigenen Bürgern weniger Vertrauen geschenkt wird, als einem auswärtigen Bürger. Habe nichts gegen Ausländer und finde auch einiges an ihrer Mentalität positiv, doch sollten die eigenen Bürger an erster Stelle stehen.

  7. Um einen Kommentar schreiben zu können, müssen Sie angemeldet sein.