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Abstimmungszeit beendet
Autor Anna Fabregat am 23. Oktober 2017
4529 Leser · 2 Kommentare

Außenpolitik

Eine Katalanin in Deutschland

Sehr geehrte Fr. Bundeskanzlerin,
Als Katalanin die in Deutschland lebt und arbeitet, fühle ich mich zum jetzigen Zeitpunkt verpflichtet etwas zu tun, denn das Wort und der Dialog ist die Lösung von Konflikten. Außerdem habe ich es meiner Mutter, welche in Katalonien lebt, versprochen. Das Leid, die Verzweiflung nichts bewirken zu können und das Ungerechtigkeitsgefühl ist für viele Menschen unerträglich geworden.
Es wird in Katalonien martialische Gewalt gegen friedliche wählende Bürger eingesetzt, führende Befürworter der Unabhängigkeitsbewegung werden mit fadenscheinigen Anschuldigungen verhaftet nur wegen Ihrer Meinung und Gesinnung, eine legitim gewählte Regionalregierung wird entmachtet, Medien werden kontrolliert und zensiert, Unternehmen werden unter Druck gesetzt damit Sie Ihren Firmensitz in andere Regionen von Spanien verlagern um die Wirtschaft in Katalonien bewusst zu schwächen.
Wie lange noch, kann man mit einer Verfassung argumentieren, die mit den Menschen die sie schützen soll und muss so umgeht und dabei Menschenrechte verletzt, aber gleichzeitig bekannte Korruptionsfälle öffentlich amnestiert werden?
Ich war bisher stets davon überzeugt, dass Europa und auch Deutschland, insbesondere Sie, die Leute nicht allein lassen würden, aber mit dem Schweigen fühlt sich die spanische Zentralregierung nur bestätigt und bestärkt. Die Konsequenzen sind, dass die Politiker der Zentralregierung bereits diskutieren darüber, bei Neuwahlen, Parteien die eine Unabhängigkeit unterstützen, zu verbieten. Wer wird diesen Missbrauch der Macht stoppen? Ist es nicht Wert auch in Katalonien die Menschenrechte und die Freiheit der dortigen Bürger zu schützen? Je länger Europa wegschaut und nichts tut, desto grösser wird das Problem, und schmerzhafter die Lösung.
Anna Fabregat
Blaubeuren, Baden-Württemberg

Kommentare (2)Schließen

  1. Autor Johannes Bührle
    am 23. Oktober 2017
    1.

    Ziviler Ungehorsam
    …ist offenbar das einzige, was den Katalanen bleibt. Ich habe lange genug in Spanien gelebt und gearbeitet um diese Entwicklung und Unterdrückung selbst zu beobachten. Allein gelassen von Europa haben sie der Polizeimacht bzw. Militärpolizei (Guardia Civil) aus Madrid nichts entgegen zu setzen. Das Besondere und bemerkenswerte ist: Weder die katalanische Bevölkerung noch die Regionalregierung wehrt sich gewaltsam. Wie schon beim Referendum werden wohl leider knüppelnde Militärpolizisten, die das Parlament u.a. Institutionen stürmen, das mediale Bild bestimmen. Bilder, die niemand in Europa sehen will.
    Spanien hat durch Rajoys sture und überhebliche Art schon viel verloren. Traurig nur, dass ausgerechnet Rajoy als einer der wenigen von der nationalistischen Politik profitiert: Sie lenkt von seinen Korruptionsskandalen und der miserablen Wirtschaftspolitik ab.
    Johannes Bührle

  2. Autor Klaus Fink
    am 24. Oktober 2017
    2.

    Das Recht eines Volkes auf Selbstbestimmung ist ein nicht abzuerkennendes Grund- und Menschenrecht.

    So betrachtet sind die Separationsbestrebungen der Kalalanen völlig gerechtfertigt und nachvollziehbar.

    Neben Spanien hat aber auch die EU ein gesteigertes Interesse an der Verhinderung von Unabhängigkeitsbestrebungen, vor allem um keine Nachahmungen loszutreten.

    Die EU vor allem in der Person des Jean-Claude Junker träumt von einem zentralistischen Europa mit einem Präsidenten und einem Finanzminister und einem zentralen Finanzsystem. Dazu wird es aber mit Sicherheit nicht kommen, weil dies eine Ende jedweder Nationalstaatlichkeit bedeuten würde. Manche meine, diese Sicht sei ein Stück weit auch dem König Alkohol zuzuschreiben.

    Nichtsdestotrotz hat Katalonien bei ihren Unabhängigkeitsvorhaben mit harten Widerständen nicht nur von Spanien sondern auch der EU zu rechnen. Der Euro wird weg sein, viele Firmen werden den Standort wechseln usw. .

    Ob es unter diesen Rahmenbedingungen dann je gelingen kann, ist sehr fraglich. Ich würde mir es aber wünschen, weil jedes Volk ein legitimes Recht auf Selbstbestimmung hat.

    Die EU ist bekanntlich sowieso ein gekünstelter Zusammenschluss ohne erkennbare Solidarität der Staaten untereinander. Was soll es dann ?

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