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Beantwortet
Autor E. Bröker-Heise am 23. September 2012
3229 Leser · 18 Stimmen (-2 / +16)

Gesellschaft und Soziales

Armut und Gewalt

Sehr geehrter Herr Lewe,
was tun Sie, um Jugendlichen vor allem mit Migrationshintergrund in ein Arbeitsverhältnis zu bringen, sie in der Stadt zu verwurzeln, ihnen die Entwickling eine Selbstvertrauens zu ermöglichen?
Grund meiner Frage ist eine Erlebnis am 21.09.2012.
Nach dem Besuch der Premiere im Wolfgang-Borchert-Theater ttranken wir noch ein Bier im Pier-House am Hafen. Ich stellte nach einiger Zeit fest, dass mit meine Handtasche mit allen Papieren, Schlüsseln, Geld usw. am Tisch gestohlen worden war. Schreck, Anruf bei der Polizei und zu Hause, da mögliche Einbruchgefahr, Suchen der Tasche usw. Die Tache fand sich nicht , so musste ich den Nachtvbus mit geliehenem Geld meiner Freundin nehmen. Tandalierende, betrunkene und gewaltbereite Jugendliche, gößtenteils südländischer Herfkunft ließen ein großes Unwohlseine bei mir aufkommen. Einer erbrach sich, der andere urinierte an den Postkasten, ein anderer stieß jemanden mit lauter Fäkalsprache auf die Straße. Betrunkene Jugendliche torkelten zwischen Taxen auf dem Albersloher Weg rum. Ich traute mich, irgendjemandem in die Augen zu sehen. Das hätte schone eine Provokation sein können. All diese jungen Menschen fuhren nach Coerde. Im Bus setzte ich mich neben ein junges Mädchen, die die Situation genauso empfand wie ich. Beklemmend - exlplosiv! Ein Junge wurde mit lauten, deutschen Flüchen aus der sich öffnenden Bustür getreten. Luft anhalten! Der Busfahrer war sehr couragiert und griff ein so gut er konnte. Mein Fazit: 20% dieser jungen Migranten zeigten sich offen gewaltbereit, ohne Scheu.
Ich finde, dass dies kein Zustand ist.
Ich finde, dass dies kein Einzelfall ist oder eine Ausnahmeerscheinung - Es ist ein politisches Problem!
Junge Menschen mit eingeschränkten Deutschkenntnissen, ohne Unterstützung aus dem familiären Hintergrund, mit wenig Leistungvermögen, mit wenig Selbstvertrauen, mit mangelnder schulischer Bildung trotz Schulbesuchs (Ich bin selbst Lehrerin, weiß wovon ich rede, eine Lehrerin unterrichtet 27 Schüler) haben in unserem Land keine Chance auf einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz.
Die Arbeitswelt will nur die "guten" Schüler. Wer viele Ecken und Kanten hat, wer in dieser Leistungsgesellschaft nicht punkten kann, fällt durch.... Vielleicht lebenslang!
Man müsste Werkstätten oder Einrichtungen schaffen, in denen junge Menschen arbeiten, lernen können und Geld verdienen, sich entwickeln dürfen. Wir müssen uns auf diese Jungen einstellen, denn sie können sich nicht auf uns einstellen. Sie brauchen Unterstützung und positive Erfahrungen, sie brauchen auch eine zweite Chance. Schaffen wir es nicht, ihnen eine Perspkektive und auch Erfolg für ihr Leben hier in Deutschland zu geben, verharren sie in einer radikalen "Scheißegal" - Haltung, weil sie nicht viel zu verlieren haben. Diese Negativ-Karrieren sind eben keine Einzelfall, wir lassen einen Teil unserer Jugendlichen einfach zurück. Wir können uns das nicht leisten.
Übrigens, um 3 Uhr morgens bekam ich von einer sehr netten jungen Dame einen Anruf. Sie teilte mir mit, meine Tasche gefunden zu haben und sie wollte mich beruhigen.
Es war noch alles vorhanden, nur das Geld war bis auf den letzten Kupfercent weg.
Diese Leute wollten nur Geld.
Der Geldmangel in Teilen unserer Bevölkerung ist das nächste Problem. Die Schere zwischen zu wenig Geld und saturiert Lebenden klafft weiterhin auseinander und befördert Sozialneid. Es ist schwer, in einem wohlhabenden Land wie Deutschland sehr wenig Geld zu haben. Auf Dauer stört dieses Nicht-Teilhaben-Können den sozialen Frieden.
Gerechte Löhne, Eigentum verpflichtet sind Werte, die in unserer Zeit verloren gehen. Wie soll unsere Zukunft in Münster aussehen, wenn jetzt schon Kleinkriminelle und gewaltbereite jugendliche Migranten das Klima in der Stadt deutlich prägen, unübersehbar. Eine gestohlene Handtasche ist absolut nichts Besonderes, erklärte mit der Polizist in aller Ruhe, Ich glaube es ihm nach dem gestrigen Abend.
Zum Schluss noch meine Bitte an Sie Herr Lewe.
Sorgen Sie für die schwachen, lauten, betrunkenen und gewaltbereiten jungen Menschen.

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Antwort
von Markus Lewe am 09. November 2012
Markus Lewe

Sehr geehrte Frau Bröker-Heise,

vielen Dank für Ihren Beitrag. Es tut mir leid, dass Sie in Münster so negative Erfahrungen gemacht haben. Gleichzeitig kann ich Ihnen versichern, dass die Stadt Münster junge Menschen mit und ohne Migrationsvorgeschichte bei der Integration in Schule, Ausbildung und Arbeitsmarkt bestmöglich unterstützt.

Das geschieht auf der einen Seite über verschiedene Maßnahmen und Einrichtungen, die die Stadt alleine oder mit ihren Kooperationspartnern anbietet und fördert. Dazu gehören unter anderem die Jugendwerkstatt im Jugendinformations- und –bildungszentrum (JIB), der Lernort Süd des Vereins Lernen fördern e.V., die erweiterte vertiefte Berufsorientierung an den vier Förderschulen mit Schwerpunkt Lernen, das Projekt 14plus des Bildungs- zentrums der Handwerkkammer oder die Stadtteilwerkstatt Nord. Letztere ermöglicht jungen Menschen beispielsweise, in circa sechs Monaten verschiedene Handwerksbereiche kennenzulernen und sich nötige Strukturen für die Arbeitswelt anzueignen.

Auf der anderen Seite berät die städtische Bildungsberatung bzw. die Bildungsberatung International Schülerinnen und Schüler sowie junge Erwachsene.
In persönlichen Gesprächen wird – unter Berücksichtigung des bisherigen Bildungsweges – die für die Ratsuchenden beste Lösung gesucht. Darüber hinaus kümmert sich das Beratungsteam bei Schülerinnen und Schülern aus dem Ausland darum, dass eventuell vorhandene Schulabschlüsse anerkannt werden. Die Kolleginnen und Kollegen vermitteln die Ratsuchenden an Schulen, die ihren Leistungen und ihrem Potential entsprechen. Als Ergänzung des schulischen Angebots wird außerdem in manchen Fällen eine qualifizierte Unterstützung beim Erlernen der deutschen Sprache durch Ehrenamtliche organisiert. Die Schülerinnen und Schüler, die sich an die Bildungsberatung bzw. die Bildungsberatung International gewendet haben, werden auf ihrem gesamten Bildungsweg begleitet.

Die Erfahrungen, die das Team der Bildungsberatung besonders auch mit jungen Zuwanderern und ihren Familien gesammelt hat, sind dabei durchweg positiv. Die Kolleginnen und Kollegen staunen, wie motiviert die Jugendlichen sind und welchen Herausforderungen sie sich stellen, um in Deutschland Fuß zu fassen. Obwohl sie ihre Heimat, Freunde, Schule, kurz ihre komplette vertraute Umgebung verlassen mussten (und das zum Teil unter schwierigen Umständen), geben sie nicht auf, sondern bemühen sich schnell unsere Sprache zu lernen und in der Schule mitzukommen. Die meisten von ihnen haben klare Vorstellungen über ihren zukünftigen Beruf und arbeiten systematisch daran, den bestmöglichen Abschluss zu erlangen und den Anforderungen zu entsprechen. Viele Jugendliche jobben nebenbei, um ihre Familien zu unterstützen oder um Kurse an der Volkshochschule (VHS) zu belegen, in denen sie das nachholen, was das heimatliche Schul- und Bildungssystem nicht bieten konnte.

Die Eltern sind in der Regel sehr an der Bildung ihrer Kinder interessiert und unterstützen diese so gut sie können. Auch sie können sich in der Bildungs- beratung über das für sie zumeist fremde Schulsystem informieren. In einzelnen Fällen vermittelt das Beratungsteam auch zwischen Schule und Elternhaus. Darüber hinaus werden den Eltern Wege aufgezeigt, über die sie zusätzliche Hilfe und Unterstützung bekommen können.

Mir ist bewusst, dass wir als Stadtverwaltung nicht alle jungen Menschen mit unserem Angebot erreichen können. Ich hoffe jedoch, Ihnen mit meinen Ausführungen deutlich machen zu können, dass die Stadt Münster verschiedenste Angebote bereit hält, um junge Menschen – egal, welcher Herkunft – in Sachen Schule, Ausbildung und Beruf zu unterstützen.

Mit freundlichen Grüßen