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Beantwortet
Autor Ariane Rüdiger am 29. November 2010
6080 Leser · 1 Stimme (-0 / +1)

Umwelt

Ecuadorianischen Regenwald schützen und zahlen!

Sehr geehrter Herr Niebel,

warum unterstützen Sie nicht den überaus vernünftigen Vorschlag, das ecuadorianische Erdöl im Boden zu lassen und das Land für dieses Opfer zugunsten der Umwelt zu entschädigen?
Es ist meines Wissens das erste Mal, das ein Land bereit ist, eine Ressource ungenutzt zu lassen, deren Nutzung wir aus Gründen des Klimaschutzes übrigens sowieso reduzieren und langfristig einstellen müssen. Niemand kann verlangen, dass Ecuador das entschädigungslos tut, und natürlich werden die Kosten dieser Maßnahme diejenigen tragen müssen, die überhaupt Geld haben.
Es ist auch kein Argument zu sagen, dass wenige oder keine anderen Länder bisher zugestimmt haben, denn einer muss und sollte den Anfang machen.
Ich bin entsetzt über die Politik Ihrer Regierung: Erst brechen Sie den Atomkonsens, und nun vergeben Sie die erste Chance auf eine wirklich innovative Vorgehensweise im Bereich Entwicklungszusammenarbeit und Umweltschutz.

Ariane Rüdiger,
München

+1

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Antwort
von Dirk Niebel am 27. Januar 2011
Dirk Niebel

Sehr geehrte Frau Rüdiger,

vielen Dank für Ihre Frage. Sowohl in Deutschland als auch in Ecuador gibt es eine intensive und engagierte Diskussion über die Yasuní-Initiative und die Möglichkeiten, innovative Wege im Kampf gegen den Klimawandel und den Verlust der Biodiversität zu wählen.

Die Yasuní-Initiative basiert auf der Idee, ein großes Erdölvorkommen unter dem Nationalpark Yasuní nicht zu erschließen und nicht zu nutzen. Dadurch würde ein bedeutendes Waldgebiet mit großer biologischer Vielfalt erhalten, das zudem auch Lebensraum verschiedener indigener Völker ist. Als Gegenleistung für den Verzicht auf die Erdölförderung wünscht sich die Regierung Ecuadors einen internationalen Treuhandfonds, der dem Land zugute kommen und mindestens die Hälfte des entgangenen Gewinns ersetzen soll.

Der deutsche Bundestag und die Bundesregierung haben die Yasuní-Initiative seit ihrer Vorstellung im Juni 2007 mit großem Interesse verfolgt, ohne sich jedoch auf einen Beitrag zu dem Fonds festzulegen. Die von Bundesregierung und Bundestag gestellten Fragen, speziell zur Effektivität und Nachhaltigkeit dieser Initiative, die wiederholt an die ecuadorianische Regierung herangetragen wurden, konnten bislang noch nicht zufriedenstellend beantwortet werden.

Ich habe deshalb nun vorgeschlagen, den Schutz des Yasuní-Nationalparks lieber im Rahmen des REDD-Programms zur Verminderung von Emissionen aus Entwaldung und Schädigung von Wäldern aufzugreifen. Die Idee dahinter ist der Yasuní-Initiative sehr ähnlich: Wer Wälder schützt, soll für diese Leistung Geld bekommen.

REDD steht als Kürzel für die Reduktion von Emissionen durch Entwaldung und Schädigung von Wäldern (englisch: Reducing Emissions from Deforestation and Degradation). Das REDD-Konzept wurde 2008 ins Leben gerufen, um die Treibhausgasemissionen durch Waldzerstörung in Entwicklungsländern zu vermindern und für den Verzicht auf Abholzungen Ausgleichszahlungen bereitzustellen. Dafür gibt es bereits erfolgreiche Modellprojekte.

Auf der Klimakonferenz im vergangenen Dezember in Cancún wurde das Programm ausgeweitet (REDD+). Künftig soll ein noch größeres Gewicht auf nachhaltiges Waldmanagement gelegt werden. Die wichtige Frage, wie die Milliardenbeträge aufgebracht werden sollen, die als Ausgleich für die Erhaltung von Waldgebieten und die Wiederaufforstung gezahlt werden sollen, konnte in Cancún noch nicht abschließend geklärt werden.

Wenn man den Schutz des Yasuní-Nationalparks im Rahmen des REDD-Programms berücksichtigen würde, würde das Projekt in einen größeren internationalen Kontext gestellt. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) hat seine Bereitschaft signalisiert, bei der Klärung dieser Frage mitzuwirken.

Als Entwicklungsminister trage ich, gemeinsam mit meinem Ministerium, die Verantwortung dafür, das uns vom Steuerzahler für Entwicklungsvorhaben anvertraute Geld so einzusetzen, dass es eine optimale Wirkung erzielen kann. Ich sehe in REDD+ den derzeit vielversprechendsten Ansatz, um dem Schutz der weltweiten Tropenwälder und ihrer biologischen Vielfalt neue Impulse zu verleihen und um mit unserem Geld die besten Ergebnisse zu erzielen.

Als einer der weltweit größten Geber für Tropenwaldschutz und REDD+ ist Deutschland auf verschiedenen Ebenen und in wichtigen Foren engagiert, zum Beispiel in der Waldkohlenstoffpartnerschaft (FCPF) der Weltbank sowie in der Interim REDD+-Partnerschaft, einem in diesem Jahr ins Leben gerufenen freiwilligen Zusammenschlusses von über 70 Staaten.

Ich hoffe diese Erläuterungen zeigen Ihnen, wie intensiv sich mein Ministerium für innovative Modelle im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit und des Umweltschutzes engagiert – davon, dass wir auf diesem Gebiet Chancen vergeben, kann nach meiner Meinung nicht die Rede sein!

Wir werden uns auf jeden Fall weiter um eine konstruktive Zusammenarbeit mit Ecuador bemühen, die dem Schutz der außergewöhnlichen Biodiversität und der indigenen Bevölkerung des Landes dient. Wissen Sie übrigens, dass das BMZ – ganz unabhängig von der Yasuní-Initiative – im Bereich Klimawandel und Waldschutz bereits heute intensiv mit Ecuador zusammenarbeitet? Ein Beispiel dafür ist das Programm „Socio Bosque“, über das Sie auf der Seite der KfW Entwicklungsbank nähre Informationen finden können
(--> http://www.kfw-entwicklungsbank.de/DE_Home/Laender_Progra...).