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Beantwortet
Autor Frank Leprich am 18. März 2010
9009 Leser · 0 Kommentare

Soziales

2030 reicht die Rente kaum zum Leben

Hallo Frau Bundeskanzlerin,

eine aktuelle Pressemitteilung:

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Wird Ostdeutschland zum Land der bettelarmen Rentner? Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat errechnet, wie viel Geld Rentner im Jahr 2030 zur Verfügung haben werden. Das Ergebnis ist ein Schock: In 20 Jahren reicht die Rente kaum zum Leben!

Die größten Verlierer sind die Rentner im Osten Deutschlands. Die meisten Menschen, die dort etwa im Jahr 2030 in Ruhestand gehen, werden laut der Studie mit ihrer gesetzlichen Rente kaum über die Grundsicherung von 600 Euro im Monat hinaus kommen.

Gründe: die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit in Ostdeutschland, die Absenkung des Rentenniveaus.
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Wird also davon ausgegangen, dass 2030 immer noch ein Gefälle West-Ost existiert?

Vor ein paar Jahren hieß es noch, die Rente ist stabil. Wer hat das geglaubt?

Man soll Jahre länger arbeiten gehen, um weniger Rente zu erhalten? Dann lieber gleich Hartz IV.

Mit freundlichen Grüßen

Antwort
im Auftrag der Bundeskanzlerin am 16. April 2010
Angela Merkel

Sehr geehrter Herr Leprich,

vielen Dank für Ihre Zuschrift, die wir im Auftrag der Bundeskanzlerin beantworten.

Zur DIW-Studie ist zunächst zu sagen, dass sie sich allein mit den Ansprüchen aus der Gesetzlichen Rentenversicherung befasst. Künftige Zahlungen aus anderen Alterssicherungsbausteinen wie etwa Pensionen, betrieblichen Zusatzrenten oder der Riester-Rente sind nicht in die Berechnungen mit einbezogen.

Die beste Vorsorge zur Vermeidung von Armut im Alter, und auch das zeigt die Studie klar auf, ist die Verringerung der Arbeitslosigkeit. Aus Sicht der Bundesregierung kommt deshalb der weiteren Verbesserung der Chancen auf dem Arbeitsmarkt eine besondere Priorität zu. Notwendig ist zudem die Verlängerung der Lebensarbeitszeit. Daher ist die Rente mit 67 richtig und notwendig.

Gegenwärtig ist Altersarmut kein akutes Problem. Nur 2,5 Prozent der über 64-Jährigen in Deutschland bezogen Ende 2008 Leistungen der Grundsicherung im Alter. Und: In den neuen Bundesländern gibt es sogar weniger Grundsicherungsempfänger als in den alten Bundesländern. Das deutsche Alterssicherungssystem hat sich bislang bewährt, gerade auch im Zusammenhang mit der Vermeidung von Altersarmut.

Die Bundesregierung verschließt vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung nicht die Augen davor, dass das Risiko von Altersarmut steigen könnte. Wir nehmen das Thema sehr ernst. Dies unterstreicht auch der Beschluss im Koalitionsvertrag, eine Regierungskommission hierzu einzusetzen.

Es gilt, die sozialen Sicherungssysteme und die öffentlichen Haushalte zukunftsfest zu gestalten. Das muss generationengerecht stattfinden. Alle, egal ob jung oder alt, müssen dazu ihren Beitrag leisten. Nur so können die Lasten fair verteilt und als gerecht empfunden werden. Für die Alterssicherung ist und bleibt die gesetzliche Rentenversicherung die wichtigste Säule. Die Bundesregierung sagt aber auch deutlich, dass jeder rechtzeitig prüfen sollte, wie viel Geld er für seinen Ruhestand braucht. Sinnvoll und notwendig ist es daher, zusätzlich privat vorzusorgen und/oder eine betriebliche Altersvorsorge abzuschließen. Weitere Informationen dazu zum Beispiel unter www.altersvorsorge-macht-schule.de.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr
Presse- und Informationsamt der Bundesregierung