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seit 2006 beantwortete das Bundespresseamt Ihre Fragen auf dieser Plattform im Auftrag der deutschen Bundeskanzlerin. Im Zuge einer Neustrukturierung entwickelt das Bundespresseamt sein originäres Angebot weiter im Sinne eines Bürgerservices mit Dialogmöglichkeiten. Auf dieser Plattform wurden am Montag, den 30. April 2018, die letzten drei Fragen beantwortet. Neue Beiträge und Kommentare werden nicht mehr veröffentlicht.

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Ihr Moderationsteam

Beantwortet
Autor Daniela Kempen am 19. Mai 2014
7033 Leser · 8 Kommentare

Die Kanzlerin direkt

2500 getötete Kinder in Deutschland

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,
die Initiative www.schutzlos-wehrlos.de hat am 11. Mai 2014 vor dem Brandenburger Tor erstmals öffentlich den 2500 Kinder gedacht, die durch Misshandlung und Vernachlässigung seit dem Jahr 2000 ihr Leben verloren haben, weil sie durch staatliche Stellen nicht geschützt worden sind. Für jedes dieser Kinder ist ein Luftballon aufgestiegen.

Frau Bundeskanzlerin, im Jahr 2012, also dem Jahr, in dem das neue Bundeskinderschutzgesetz in Kraft getreten ist, sind 167 Kinder gestorben. Ihr Kinderschutzgesetz ist also bereits im ersten Jahr nach in Kraft treten gescheitert.

Von vielen Stellen wurden Sie aber schon im Vorfeld darauf hingewiesen, dass dieses Bundeskinderschutzgesetz nicht geeignet ist, die Defizite im deutschen Kinderschutzsystem zu beheben und das grundlegende Reformen fehlen.

Wenn Eltern überfordert sind, dann muss der Staat eingreifen aber warum…

...arbeiten die rund 600 Jugendämter und freie Träger in Deutschland immer noch nicht nach einheitlichen Standards? Warum gibt es keine allgemein gültigen Handlungsleitlinien und Qualitätskriterien? Warum heißt es im Anschluss, dass alles richtig gemacht worden ist, wenn doch so viele Kinder sterben?

...gibt es seitens der Jugendämter und der freien Träger keine Verpflichtung durch Durchführung von Hausbesuchen? Wobei doch gerade dies unabdingbar für die Einschätzung einer Kindeswohlgefährdung ist?

….sind die Vorsorgeuntersuchungen immer noch freiwillig und nicht gesetzlich verpflichtend? Das sogenannte verbindliche Einlade- und Meldewesen hat sich nicht bewährt.

Sie sprechen davon, dass sich eine „Kultur des Hinsehens“ entwickeln muss, dabei sollten Sie doch als bestes Beispiel voran gehen.

Was werden Sie nun tun? Wann werden Sie etwas tun?

Mit freundlichen Grüssen
Daniela Kempen

Antwort
im Auftrag der Bundeskanzlerin am 02. Juni 2014
Angela Merkel

Sehr geehrter Frau Kempen,

vielen Dank für Ihre Frage, die wir im Auftrag der Bundeskanzlerin beantworten.

Der Bundesregierung ist es außerordentlich wichtig, Kinder und Jugendliche umfassend vor Gewalt und Missbrauch zu schützen. Denn Sie haben Recht: Jeder Fall von Kindesmisshandlung und Vernachlässigung ist einer zu viel.

Bund, Länder und Kommunen haben schon große Anstrengungen unternommen, um Lücken im Kinderschutz festzustellen und zu schließen. Einzelheiten finden Sie in unserer Antwort an Frau Wagener vom 16. Dezember 2013: http://www.direktzu.de/kanzlerin/messages/kinderschutz-50...

Durch das Bundeskinderschutzgesetz ist der Kinderschutz in Deutschland bereits erheblich verbessert. Und die Bundesregierung wird ihn kontinuierlich weiterentwickeln. Das haben die Regierungsparteien im Koalitionsvertrag vereinbart. So wird die Bundesregierung die Erkenntnisse aus der Evaluation des Bundeskinderschutzgesetzes und der Bundesinitiative Frühe Hilfen in sämtlichen Bereichen des Kinderschutzes umsetzen. Sie wird auch die Voraussetzungen weiter verbessern, damit Kinder- und Jugendhilfe und das Gesundheitswesen in Zukunft enger zusammenarbeiten.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Kommentare (8)Schließen

  1. Autor Erhard Jakob
    am 20. Mai 2014
    1.

    Daniela,
    im Prinzip könntes du auch fragen:
    .
    *Warum ist die Gesellschaft so
    korrupt und gewaltätig
    geworden?*
    .
    Die kleinste Zelle unserer Gesellschaft ist die Familie
    und die schwächsten sind nun mal die Kinder.
    .
    Die trifft es als erstes und dann
    die Frauen und dann die Armen.
    .
    Daniela;
    welchen Vorschlag hast du, damit die Gesellschaft
    etwas gesünder (menschlicher) wird?

  2. Autor Bea Schmidt
    am 20. Mai 2014
    2.

    Hallo Erhard,
    Man kann nicht ganze Gesellschaft ändern, man könnte aber durchaus härter durchgreifen, so wie in Großbritannien. Dort müssen überforderte Eltern Kurse besuchen, ob sie wollen oder nicht - das ist da keine "Kann-Sache", sondern auferlegte Pflicht, der man nachzukommen hat. Kommen die Eltern dieser Pflicht nicht nach, so werden die Kinder in Obhut genommen. Deutschland tut sich da sehr schwer, da die freie Entfaltung der Eltern mehr Wert zu haben scheint, als das unversehrte Leben der Kinder - zumindest scheint es mir so. Da werden auffällige Eltern zu sehr mit Samthandschuhen angefaßt, obwohl man mit ihnen eigentlich Klartext reden sollte/müsste. Was man tun könnte? Kostet aber wieder Geld: Man könnte auffälligen Familien Familienhelferinnen zuordnen, welche den Eltern zeigen, wie man einen Tag organisiert, wie man mit dem Kind richtig umgeht - aber bitte auch fordernd und etwas resoluter, Grenzen setzend. In Drogen- oder Alkoholfamilien sollten Kinder schon gar nicht bleiben müssen. Wird weiter geschlampt und das Kind vernachlässigt, so kommt es zu Pflegeeltern, das Kindergeld wird gestrichen. Man müsste einfach resoluter durchgreifen und die Sache genauso hart verfolgen, als hätte man es mit Schulschwänzern zu tun. Da wird komischerweise immer eingegriffen, wieso nicht auch bei jüngeren Kindern? Es kann und soll sich jeder frei entfalten können, wenn aber Dritte - in diesem Falle Kinder - darunter leiden müssen, ist es eben vorbei mit freier Entfaltung, die Kinder haben sich ihre Existenz nicht selbst ausgesucht. Die Freiheit des einzelnen endet in dem Falle da, wo sie für den anderen beginnt - und in diesem Falle heißt diese Freiheit: Das Recht auf körperliche Unversehrtheit und Würde. Ist im Grundgesetz verbrieft und muss immer und jederzeit auch für Kinder gelten - zu jeder Zeit. Auch in der Schule, aber das ist ein anderes Kapitel.

  3. Autor Daniela Kempen
    am 21. Mai 2014
    3.

    Gab es jemals einen Zeitpunkt, an dem es keine Gewalt und keine Korruption in der Gesellschaft gegeben hat? Allerdings wollen wir mit unserem Brief diese Frage auch nicht klären.

    Wir wollen klären, warum die kleinsten Bürger unter uns nicht ausreichend geschützt werden.

    Wir haben keinen Vorschlag, wie wir die Gesellschaft im Allgemeinen „gesünder“ und menschlicher machen können. Wir haben nur Vorschläge, wie wir die Schwächsten unter uns, die Kinder, besser schützen können.

    http://schutzlos-wehrlos.de/was-soll-erreicht-werden/

  4. Autor Daniela Kempen
    am 21. Mai 2014
    4.

    Hallo Bea, ein sehr guter Beitrag. Leider hört man auch heute noch viel zu oft, dass Kinder zu ihren Eltern gehören. Unter welchen Umständen manche Kinder aber hier in unserem Land bei ihren Eltern leben müssen, ist mit dem Grundgesetz schon nicht mehr in Einklang zu bringen. Man könnte meinen, das Grundgesetz gilt nicht für Kinder.

  5. Autor Erhard Jakob
    am 23. Mai 2014
    5.

    Den Schwächsten unserer Gesellschaft (das sind nun mal die Kinder)
    unseren besonderen Schutz angedeihen zu lassen, ist richtig!
    .
    Das sollte uns aber nicht davon abhalten, auch an den Schutz
    der anderen Schwachen (armen und ohnmächtigen Frau
    und Männern, H4-ler, Geringverdiener, Rentner mit
    wenig Rente usw.) zu denken und zu unterstützen.
    .
    Niemand weiß von uns, wieviele davon ermodert wurden
    und wieviel diesbezüglich Mörder noch
    frei herum laufen.

  6. Autor Erhard Jakob
    am 25. Mai 2014
    6.

    Wir sollten auch die vielen Erwachsenen gedenken, welche
    durch Prozeßbetrug ihre Ehre verloren haben.
    .
    Wenn Richter den Angeklagten *A* für schuldig sprechen,
    obwohl es der >Golfclub-Freund< *B* war der die Tat
    begangen hat, ist das ein schlimmes Verbrechen.
    .

  7. Autor Erhard Jakob
    am 26. Mai 2014
    7.

    *Totschweigen ist Mord
    ohne Blutvergießen!*
    St. Spender
    .
    Aus diesem Blickwinkel betrachtet, sollten wir
    bei den Medien mal nachschauen, wieviel
    schlimme Hochverratsverbrechen sie
    totgeschwiegen und folglich die
    betroffenen Opfer ermordet
    haben?

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