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seit 2006 beantwortete das Bundespresseamt Ihre Fragen auf dieser Plattform im Auftrag der deutschen Bundeskanzlerin. Im Zuge einer Neustrukturierung entwickelt das Bundespresseamt sein originäres Angebot weiter im Sinne eines Bürgerservices mit Dialogmöglichkeiten. Auf dieser Plattform wurden am Montag, den 30. April 2018, die letzten drei Fragen beantwortet. Neue Beiträge und Kommentare werden nicht mehr veröffentlicht.

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Beantwortet
Autor Claudia Löffler am 28. Januar 2013
6352 Leser · 1 Kommentar

Kultur, Gesellschaft und Medien

Alkohol als tolerierte Wohlstandsdroge

Sehr geehrte Frau Kanzlerin,
es ist sehr löblich viel dafür zu tun, den Tabakkonsum der Bevölkerung einzuschränken, um gesundheitliche Gefahren zu minimieren.
Aber ich frage mich, wie Sie und die zuständigen Stellen in Brüssel zum Thema Alkohol stehen. Wie nachzulesen ist, wurde eine entsprechende Kampagne in Brüssel von einer mächtigen "Alkohol-Lobby" verhindert. Hierbei wären künftig auch Bier-, Wein- und Spirituosen-Verpackungen mit ähnlich schockierenden Warnungen und Bildern versehen worden wie Zigarettenschachteln.
Ist man wirklich so ohnmächtig gegenüber einer einzelnen Interessengruppe? Sind die Gefahren des übermäßigen Alkoholkonsums nicht sogar noch schlimmer als durch Rauchen? Es geschehen Unfälle, Körperverletzungen, Sachschäden, Menschen die unter Alkoholeinfluss straffällig werden erhalten Strafmilderung. Und sicherlich sind die verursachten Kosten im Gesundheits- und Versicherungswesen sowie auch die leider häufig nötigen Einsätze unserer Polizei ebenfalls enorm.
Wieso also wird Alkohol von der Politik immer noch völlig toleriert, ist relativ günstig und unkompliziert erhältlich, ja darf sogar großangelegt dafür geworben werden? Und haben Sie die Absicht, an dieser Situation etwas zu ändern?
Auf Ihre Antwort bin ich sehr gespannt.

Mit freundlichen Grüßen
Claudia Löffler

Antwort
im Auftrag der Bundeskanzlerin am 11. März 2013
Angela Merkel

Sehr geehrte Frau Löffler,

vielen Dank für Ihre Frage, die wir im Auftrag der Bundeskanzlerin beantworten.

Die gesundheitlichen und sozialen Risiken von Alkoholmissbrauch und Alkoholsucht sind der Bundesregierung sehr wohl bewusst. In ihrer Strategie setzt die Bundesregierung allerdings weniger auf Verbote als auf Prävention und Beratung. Bei der Prävention geht es besonders darum, Kinder und Jugendliche über die Folgen des Alkoholkonsums aufzuklären.

Im Vordergrund stehen eine konsequente Kontrolle der Einhaltung des Jugendschutzgesetzes sowie die Förderung der Alkoholprävention in den Schulen. Präventionsangebote für Eltern sollen ihnen helfen, ihre Kinder stark gegen Verlockungen des Alkohols zu machen.

Angebote wie www.kinderstarkmachen.de, das Internetangebot www.kenn-dein-limit.info und www.bist-du-staerker-als-alkohol.de bieten Jugendlichen Informationen über die gefährliche Wirkung von Alkohol.

Im Bereich der Alkoholwerbung setzt die Bundesregierung auf eine funktionierende Selbstkontrolle der Wirtschaft. Werbende Firmen, Medien, Handel und Agenturen müssen die Verhaltensregeln des Deutschen Werberats beachten. Danach ist alles zu unterlassen, was als Aufforderung zum Missbrauch alkoholhaltiger Getränke gedeutet werden könnte.

Frankreich ist derzeit das einzige Land in Europa, das verpflichtend Warnhinweise zu "Kein Alkohol in der Schwangerschaft" eingeführt hat. Einige Alkoholproduzenten drucken auch in Deutschland freiwillig diese Warnhinweise auf ihre Produkte. Allgemeine Warnhinweise sind derzeit von der EU-Kommission nicht geplant.

Die EU unterstützt bereits seit 2006 Mitgliedsstaaten bei ihren Bemühungen gegen die Folgen von Alkoholmissbrauch. Eine Säule der EU-Alkoholstrategie ist das Europäische Forum Alkohol und Gesundheit. Alle EU-Mitglieder haben sich zu Aktionen zur Alkoholprävention verpflichtet.

In der EU-Alkoholstrategie geht es um den Schutz von Kindern, Jugendlichen und ungeborenem Leben. Außerdem darum, Unfälle und Todesfälle durch Alkohol im Straßenverkehr zu vermeiden. Ein weiterer Schwerpunkt ist der Schutz vor alkoholbedingten Unfällen am Arbeitsplatz.

Mit freundlichen Grüßen Ihr Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Kommentare (1)Schließen

  1. Autor Helmut Krüger
    am 04. Februar 2013
    1.

    Irgendwann lag mir mal auf der Zunge, dass wenn die Altvorderen nicht in jeder kleinsten Kleinstadt eine Brauerei errichtet hätten und viele Hänge sich für den Weinbau eignen würden, sondern anders Opium wie im Goldenen Dreieck seit jeher angebaut würde, das dann ggf. der Bundeswirtschaftsminister sich auf internationalen Konferenz sich dann für diesen Wirtschaftszweig stark machen würde.

    Das mag makaber klingen versinnbildlicht aber m. E. oftmals die Funktionsweise von Politik, womit ich freilich niemandem etwas nachsagen will.

    Mit den Gefahren des Alkohols haben Sie m. E. vollkommen recht: Die Gefahren durch massenhaften Tabakkonsum sind mittlerweile unbestritten, selbst die größten Unternehmen sind da in die Schranken gewiesen worden, gegenüber anderen Drogen, die dadurch Drogen sind, dass Menschen nicht von ihnen lassen können, fehlt dieser Mut immer noch.

    Das muss ja nicht unbedingt auf Enthaltsammkeit hinauslaufen. Ganz ernsthaft: Die Tabaksgesellschaft zur Philosophiererei ist ja sprichwörtlich, der Smoking, der oftmals zu diesen Anlässen angezogen wurde, auch und damit war der Wohlgeruch des Tabaks gemeint, nicht aber, dass die Lulle in Kette geraucht wird.

    Vielleicht wäre es mit eine Aufgabe von Politik, eine Kultur des jeweils Einmaligen zu befördern, sprich: dass in der unablässigen Wiederholung von etwas, im Extremsten: der Kette, im Prinzip der Abbruch von etwas liegt.

    Das betrifft Tabak ebenso wie Alkohol, Alkohol ebenso wie Fernsehkonsum und glücklicherweise sind wir über den Umstand, dass da, wo ein Auto ist, es auch unabdingbar für alle Zwecke benutzt werden muss, hinausgekommen. Da haben wir gesellschaftlich DIE FREINHEIT DER WAHL gewonnen.

    Eine Flasche Bier oder ein Glas sein ist zweifellos Genuss, für den, der es nicht zur Gewohnheit werden lässt. Dass die 5. Flasche und das 5. Glas einen höheren oder mindestens gleich großen Genuss verspricht, kann mir keiner erzählen.

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