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Beantwortet
Autor Jutta Schulze am 27. Oktober 2008
11128 Leser · 0 Kommentare

Soziales

Armut in Deutschland

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

Armut in Deutschland nimmt zu - jeder 8. Deutsche lebt bereits heute in Armut; 6 Mio. Kinder in Haushalten mit einem nicht-existenzsicherenden Einkommen von weniger als 15 T€/Jahr.

Die aktuelle Finanzkrise wird zu Null-Wachstum oder sogar Rezession führen und damit das Problem noch verschärfen. Welche Programme wird die Regierung dagegen aufstellen?

Freundliche Grüße,
Jutta Schulze

Antwort
im Auftrag der Bundeskanzlerin am 27. November 2008
Angela Merkel

Sehr geehrte Frau Schulze,

vielen Dank für Ihre Zuschrift, die wir im Auftrag der Bundeskanzlerin beantworten.

Die Bundesregierung nimmt das Thema Armut und insbesondere auch die Existenzsicherung von Kindern sehr ernst. Die Bundesregierung stärkt Leistungsfähigkeit und Eigenverantwortung der Familien nachhaltig. Dazu gehören gezielte finanzielle Hilfen, mehr Familienorientierung in der Arbeitswelt sowie eine gute Betreuung und Förderung für Kinder aller Alterssgruppen.

Es gibt vor allem drei Gründe, weshalb Kinder in Deutschland in Armut leben:

- Wenn ihre Eltern keine Arbeit haben,
- wenn sie in kinderreichen Familien aufwachsen, in denen die Eltern Mühe haben, genügend Einkommen für mehrere Kinder zu erarbeiten,
- und wenn Kinder keine Chance auf Bildung und Entfaltung ihrer eigenen Fähigkeiten bekommen.

Deshalb richtet sich das Augenmerk besonders auf Kinder von Alleinerziehenden (rund 800.000 Kinder), Kinder aus kinderreichen Familien (400.000) und Kinder mit Migrationshintergrund (520.000). Die Lebenssituation von Kindern können wir nachhaltig verbessern, wenn wir in erster Linie ihren Eltern helfen, den Lebensunterhalt für sich und ihre Kinder zu verdienen.

In diesem Bereich hat die Bundesregierung vieles auf den Weg gebracht:

- Durch gezielte finanzielle Hilfen wie das Elterngeld, den Kinderzuschlag und die Erhöhung des Kindergeldes und des Kinderfreibetrages zum 1. Januar 2009 erhalten Familien mit Kindern mehr Geld.
- Der Ausbau der Kinderbetreuung hilft, dass Eltern, gerade auch Alleinerziehende, erwerbstätig sein können.
- Frühkindliche Bildung verbessert nachweislich die Bildungschancen von Kindern. Deshalb ist es uns wichtig, dass auch Kinder aus Familien mit Einwanderungsgeschichte früh den Kindergarten besuchen, um gefördert zu werden und die deutsche Sprache zu lernen.

Der deutsche Sozialstaat funktioniert und zeigt seine Wirkung. Transferleistungen wie das Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe, Grundsicherung für Ältere und Erwerbsgeminderte, aber auch das Wohngeld sowie die genannten familienpolitische Leistungen, haben die Armutsrisikoquote seit 2005 im europäischen Vergleich von 26 auf 13 Prozent halbiert.

Mehr Informationen zu den ausgeweiteten Leistungen für Familien finden Sie auch auf der Seite des Bundesfamilienministeriums unter http://www.bmfsfj.de , Stichwort: Familie

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

Presse- und Informationsamt der Bundesregierung