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Ihr Moderationsteam

Beantwortet
Autor Gunther G. am 04. April 2011
6804 Leser · 2 Kommentare

Gesundheit

Atomstrom ist sauberer Strom?

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

für Sie ist der Atomstrom ein sauberer Strom, belastet die Umwelt nicht und ist für die Abnehmer bezahlbar? Das war in der Vergangenheit Ihre volle Überzeugung.

Sie wussten von Erdbeben, Flugzeugabstürzen, Wasser, Trockenheit, Stromausfällen, Terroranschlägen und andern Gewalten. Dazu brauchten wir keine unheilvolle Katastrophe in Japan. Es wird jede Statistik ausgehebelt.

Dieser Strom, den wir aus der Steckdose ziehen, wird von den Steuerzahlern noch auf Jahrhunderte mit Millionen von Euro bezahlt.

Und was sind Ihnen die Menschenleben wert, die beim Abbau des Uranes an Spätfolgen durch Krebs sterben?

Was sagen Sie zu den Umweltschäden, die der Uranabbau in den Förderländern mit sich bringt? Was sagen Sie zu den Krebstoden in diesen Ländern oder ist uns fremdes Leid egal?

Wichtige Uranproduzenten sind Kasachstan, Niger, Russland, Namibia und Usbekistan. In den afrikanischen Staaten gibt es keine Strahlenschutzgesetze. Für uns ist aber der Atomstrom sauber und billig.

Bild.de, schreibt am 31.3.2011 folgendes:

Eine der weltweit größten Studien zum Thema Lungenkrebs hat erschreckende Zahlen hervorgebracht: Über 2000 Uran-Bergarbeiter aus dem ehemaligen deutsch-sowjetischen Tagebau starben bereits an Lungenkrebs – eine Spätfolge der radioaktiven Strahlung.

Mit weiteren 5000 Toten wird in den kommenden Jahren gerechnet.

Wissenschaftler bezeichnen diesen „Schadensfall“ als die drittgrößte Katastrophe durch radioaktive Strahlung nach Hiroschima und Tschernobyl.

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin ist der Atomstrom unter diesen Aspekten für Sie immer noch ein sauberer Strom?

Vielen Dank für die Beantwortung der Frage.

Mit freundlichen Grüßen

Gunther Gräfe

Antwort
im Auftrag der Bundeskanzlerin am 13. Mai 2011
Angela Merkel

Sehr geehrter Herr Gräfe,

vielen Dank für Ihre E-Mail, die wir im Auftrag der Bundeskanzlerin beantworten.

Die Ereignisse von Fukushima waren Anlass für die Bundesregierung, die Risiken der Kernkraft für Deutschland neu bewerten zu lassen und die deutschen Kernkraftwerke erneut einer Sicherheitsüberprüfung zu unterziehen.

Die Reaktor-Sicherheitskommission (RSK) erarbeitet derzeit einen neuen Anforderungskatalog für die Sicherheitsüberprüfung der deutschen Kernkraftwerke. Die RSK besteht aus unabhängigen Experten. Zusätzlich diskutiert eine Ethikkommission die Energiewende vor dem gesamtgesellschaftlichen Hintergrund.

Das Ziel ist, den Ausbau der erneuerbaren Energien zu beschleunigen und schneller aus der Kernenergie auszusteigen. Dabei ist jedoch Augenmaß gefragt. Die drei Eckpfeiler der Energieversorgung – Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit der Energie und Umweltfreundlichkeit – gilt es weiter zu beachten.

In Kürze soll die RSK einen ersten Bericht vorlegen. Auf seiner Grundlage kann die Ethikkommission ein Votum abgeben. Im Juni wird die Bundesregierung ihre energiepolitischen Pläne im Detail vorstellen und dem Parlament Gesetzesänderungen vorschlagen.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Presse- und Informatio c nsamt der Bundesregierung

Kommentare (2)Schließen

  1. Autor Erhard Jakob
    am 07. April 2011
    1.

    Die Reaktion der Bundeskanzlerin auf das schlimme Unglück
    in Japan war aus meiner Sicht richtig. Falsch war, dass vor
    kurzem der Laufzeitverlängerung zugestimmt wurde.
    .
    Doch es hilft nichts, wenn Deutschland aussteigt
    und die Nachbarländer Atom-Strom
    an uns verkaufen.

    Die Sache muss global -zumindest in der EU-
    angegangen werden.

  2. Autor Erhard Jakob
    am 02. Mai 2011
    2.

    In Hinblick auf Tschernobyl, Japan und anderen Orten
    kann man wohl bei Atom-Strom nun wirklich
    nicht von sauberen Strom sprechen.
    .
    Und in Hinblick auf die immens Kosten
    kann man wohl auch nicht von
    billigen oder preiswerten
    Strom sprechen.

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