Liebe Besucherinnen und Besucher,

seit 2006 beantwortete das Bundespresseamt Ihre Fragen auf dieser Plattform im Auftrag der deutschen Bundeskanzlerin. Im Zuge einer Neustrukturierung entwickelt das Bundespresseamt sein originäres Angebot weiter im Sinne eines Bürgerservices mit Dialogmöglichkeiten. Auf dieser Plattform wurden am Montag, den 30. April 2018, die letzten drei Fragen beantwortet. Neue Beiträge und Kommentare werden nicht mehr veröffentlicht.

Wir danken Ihnen für Ihre rege Teilnahme auf www.direktzurkanzlerin.de.

Ihr Moderationsteam

Abstimmungszeit beendet
Autor Gerhard Herres am 30. Oktober 2009
29427 Leser · 0 Kommentare

Umwelt und Tierschutz

CO2-Reduktion in der Atmosphäre durch Ölpflanzenanbau in der Wüste

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

seit vielen Jahren setzen Sie sich schon intensiv für den Umwelt- und Klimaschutz ein. Wäre es möglich, das die EU, oder zumindest Deutschland, eine Förderung des Ölpflanzenanbaus in der Wüste durch Auszahlung der CO2-Zertifikate an die Betreiber von Ölpflanzenplantagen auf heutigen Wüstenflächen durchführt?

Angesichts von steigenden Preisen für Mineralöl wegen der ständigen Verknappung und der gleichzeitigen Zunahme des CO2-Gehaltes in der Luft ist ein Anbau von Energiepflanzen auf heutigen Wüstenflächen eine Lösung für beide Probleme. Die Pflanzen würden zusätzlich zu dem im Öl gebundenen CO2 etwa 12 kg CO2/Liter Öl in den Wurzeln, im Stamm und den Ästen binden und für Jahrzehnte festlegen. Ein Anbau auf 10% der weltweiten Wüstenflächen könnte genau so viel Öl erzeugen, wie derzeit an Mineralöl verbraucht wird. Damit würde nicht nur der Preisanstieg des Erdöls gebremst, sondern auch der Anstieg des CO2-Gehaltes in der Atmosphäre umgekehrt. Eine Verbrennung des Pflanzenöls setzt nur einen Bruchteil der von den Pflanzen zuvor aufgenommenen CO2-Menge wieder frei. Das gilt nicht für den Anbau von Energiepflanzen auf Flächen, die heute Urwald sind, oder für Nahrungsmittel benötigt werden. Diese beiden Produktionsweisen werden leider heute in zunehmend größerem Umfang betrieben. Auch Deutschland importiert Palmöl aus Urwaldanbau. Dabei ist die CO2-Bilanz für die Rodung von Urwald zum Ölpflanzenanbau so, dass die Plantage über 80 Jahre betrieben werden muß, bis das beim Roden freigewordene CO2 wieder eingesammelt ist. Der Anbau auf Flächen, die heute zur Nahrungsmittelproduktion gebraucht werden, verbietet sich eigentlich von selbst, wird aber dennoch durchgeführt, weil offenbar niemand kontrolliert, wo der Biotreibstoff produziert wird.

Der Pflanzenanbau in der Wüste ist nicht so utopisch, wie er auf den ersten Blick vielleicht aussieht, denn in Kombination mit solarthermischen Kraftwerken, wie sie von der DESERTEC-Initiative schon geplant werden, kann man mit thermischen Meerwasserentsalzungsanlagen, die die Abwärme der Kraftwerke nutzen pro 50MW-Kraftwerk gleichzeitig 50.000 m^3/Tag Süßwasser erzeugen. Damit lassen sich ca. 45 km^2 bewässern, wovon 1/7 für die Nahrungsmittelproduktion der Arbeiter gebraucht wird. Wenn man die gesamte heutige Mineralölproduktion in 40 Jahren durch Pflanzenöl ersetzen will braucht man nur ca. 10% der weltweiten Wüstenflächen begrünen mit geeigneten Energiepflanzen, diese würden soviel CO2 aus der Luft holen, dass ein CO2-Pegel von 300 ppm bis 2100 zu erreichen ist. Damit wären alle Diskussionen um den Klimawandel und die befürchteten Umweltschäden hinfällig. Eine Reduktion des CO2-Ausstoßes der Industriestaaten um 50% würde den CO2-Gehalt ja immer noch ansteigen lassen. Wir müssen aber zu unserem Schutz und dem Schutz der kommenden Generationen den CO2-Gehalt wieder senken. Das geht am einfachsten durch eine CO2-Bindung in Pflanzen.

Verglichen mit einem heutigen Ölpreis von ca. 75US$, also ca. 50€ pro 159 Liter, das sind 0,314€/Liter ist das Pflanzenöl ohne Förderung durch CO2-Zertifikate noch zu teuer. Es würde 0,43€/Liter kosten. Setzt man aber 15€/tonne CO2 für die Zertifikate an, und berücksichtigt, dass die Pflanzen 12kg CO2/Liter Öl zusätzlich binden, so ergibt sich eine Kostenreduktion um 0,18€/Liter, also Erzeugungskosten von 0,25€/Liter.
Damit wäre das Pflanzenöl aus der Wüste heute schon günstiger als das Erdöl.
Ein weiterer Vorteil liegt in der Beschäftigung von einigen hundert Millionen Arbeitern zur Produktion des Pflanzenöls, die auf den Plantagen leben, dort auch ihre Nahrung anbauen und gleichzeitig einen Jahreslohn von ca. 7000€ pro Arbeiter erhalten. Diese Arbeiter würden dann nicht nach Europa strömen und hier nach Arbeit suchen. Die eingesparten Ausgaben der EU wären beträchtlich.

Sehr geehrte Frau Merkel, werden Sie sich auf der Klimatagung in Kopenhagen für ein solches Projekt einsetzen?

Bitte erwägen Sie alle Vorteile und die relativ geringen Kosten.

Mit freundlichen Grüßen,
Gerhard Herres