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seit 2006 beantwortete das Bundespresseamt Ihre Fragen auf dieser Plattform im Auftrag der deutschen Bundeskanzlerin. Im Zuge einer Neustrukturierung entwickelt das Bundespresseamt sein originäres Angebot weiter im Sinne eines Bürgerservices mit Dialogmöglichkeiten. Auf dieser Plattform wurden am Montag, den 30. April 2018, die letzten drei Fragen beantwortet. Neue Beiträge und Kommentare werden nicht mehr veröffentlicht.

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Ihr Moderationsteam

Beantwortet
Autor Matthias Wilke am 16. September 2013
3102 Leser · 0 Kommentare

Gesundheit

Ernsthafte gesundheitliche Prävention

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

in Deutschland gehen die Raten der sog. Zivilisationskrankheiten steil nach oben. Die Gründe dafür sind bekannt: Neben Stress, psychischer Belastung z.B. durch prekäre Beschäftigung und zu wenig Bewegung liegt der Hauptgrund dieser Krankheiten in der immer schlechteren Qualität unserer Nahrungsmittel. Zu viel Zucker, zu viel Getreide, unreif geerntetes und mit Pestiziden qualitativ abgewertetes Obst und Gemüse, Kuhmilch in hochverarbeiteter Form, und Fleisch aus Massentierhaltung, Transfettsäuren, denaturierte Fette, chemische Zusätze und technische Hilfsmittel in nahezu allen verarbeiteten Produkten.

Für all diese Produkte ist mittlerweile bekannt, dass sie die Gesundheit gefährden. In Summe führen diese Punkte zur massiven Verbreitung koronarer Herzkrankheiten, Krebs, Adipositas, Diabetes, Alzheimer, Demenz etc. Es sind damit Luxusprodukte, die wir uns als Gesellschaft -in Anbetracht steigender Folgekosten im Gesundheitswesen- nicht leisten können.

Von politischer Seite höre ich immer wieder die Mär vom mündigen Bürger, angesichts der Milliarden die Konzerne in Werbung und Produktentwicklung investieren ist der Bürger jedoch unumstritten ein Opfer des Angebots - das politisch kaum reglementiert wird. Durch die neue LMIV wird der Bürger gar noch schlechter über potentiell gefährliche Substanzen informiert. Empfehlungen an die Deutschen werden größtenteils privaten Gesellschaften wie der DGE oder der Lobbyvereinigung WVZ überlassen, die mit Ihren wissenschaftlich überholten Empfehlungen die Gesundheit unseres Volkes weiter gefährden.

Warum unternehmen sie nichts konkretes zum Schutz der Verbraucher vor diesen krankmachenden Lebensmitteln? Z.B. mit wissenschaftlich haltbarer Aufklärung und Steuern (wie z.B. auf Tabakwaren oder Alkohol - deren Folgen das System weniger kosten als die der genannten Lebensmittel)?

Mit freundlichen Grüßen
Matthias Wilke

Antwort
im Auftrag der Bundeskanzlerin am 18. Oktober 2013
Angela Merkel

Sehr geehrter Herr Wilke,

vielen Dank für Ihre Frage, die wir im Auftrag der Bundeskanzlerin beantworten.

Einen kritischen Blick auf die Qualität von Lebensmitteln zu werfen, ist immer sinnvoll. Ihre pauschale Kritik hingegen teilen wir nicht.

Wir haben heute in Deutschland und Europa bei der Lebensmittelsicherheit ein hohes Niveau erreicht. Die zunehmende Globalisierung – auch der Märkte für Nahrungsmittel – stellt dabei alle Beteiligten vor neue Herausforderungen.

Für sichere Lebensmittel sind viele verantwortlich: die Landwirtschaft selbst, die verarbeitenden Betriebe, der Handel sowie Wissenschaft und Politik. Aufgabe der Bundesregierung ist es, die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Überwachung der Lebensmittel vom „Acker bis zum Teller“ zu schaffen.

Über das Zusammenwirken der verschiedenen Stellen und die staatlichen Kontrollen gibt die Broschüre „Strategien der Lebensmittelsicherheit“ Auskunft: http://www.bmelv.de/SharedDocs/Downloads/Broschueren/Stra...

Zu Ihren Kritikpunkten nehmen wir gerne Stellung:

Bei der sogenannten „Massentierhaltung“ wird die Mehrzahl der Tiere in modernen und hygienischen Ställen gehalten. Ausschlaggebend ist, dass der Landwirt jedes Tier gut versorgt und die Tierschutzbestimmungen einhält. Sie zählen europa- und weltweit mit zu den höchsten. Mit dem neuen Tierschutzgesetz hat die Bundesregierung die Haltungsbedingungen und -kontrollen für Nutztiere weiter verbessert. Der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung wird auf das therapeutisch absolut notwendige Maß eingeschränkt.

Die Pasteurisierung von Kuhmilch trug wesentlich dazu bei, dass zwei schwerwiegende lebensmittelmitbedingte Infektionskrankheiten, nämlich Tuberkulose und Brucellose, verschwanden.

Die Zulassung und Anwendung von Pflanzenschutzmitteln ist umfassend und streng geregelt. Mit dem Aktionsplan zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln werden die Risiken noch weiter reduziert.

Mit einer gemeinsamen Initiative wollen Bundesverbraucherministerium und Lebensmittelwirtschaft Transfettsäuren in Lebensmitteln vermindern.

Die Bundesregierung setzt auf eine transparente Nährwertkennzeichnung. Die neue Lebensmittel-Informationsverordnung enthält deutliche Verbesserungen für die Verbraucher: http://www.bmelv.de/DE/Ernaehrung/Kennzeichnung/kennzeich...

Das Portal www.lebensmittelklarheit.de bietet weitere Informationen zur Lebensmittelkennzeichnung. Es ermöglicht den Austausch mit Verbraucherexperten und der Lebensmittelwirtschaft. Darüber hinaus kann jeder auf www.vig-wirkt.de bei den zuständigen Behörden Informationen zu Lebensmitteln und Futtermitteln abfragen.

Die Ursachen für die Entstehung von Übergewicht sind komplex und lassen sich nicht auf einzelne Inhaltsstoffe von Lebensmitteln reduzieren. Fest steht aber: Eine gesunde Ernährung und Bewegung beugt Krankheiten vor. Die Bundesregierung unterstützt deshalb über die Initiative "IN FORM - Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung" zahlreiche Projekte zur ausgewogenen Ernährung: http://www.in-form.de/

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Presse- und Informationsamt der Bundesregierung