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Beantwortet
Autor David Forstner am 21. April 2010
6963 Leser · 0 Kommentare

Wirtschaft

EURO WÄHRUNGSSTABILITÄT LEICHT GEMACHT, INFLATIONS KILLER.

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

ich würde Ihnen gern eine Frage stellen.

- WARUM?
..... wurde bei der Einführung des EURO 2001 nicht die DMark in eine Währung getauscht, die vom Materialwert, 1DM entspricht?

... dann hätten wir jetzt 5-10 Jahre danach nicht eine Enteignung der Bürger um 50% gehabt. (vorher sprit 99Pfennig, jezt 1.XX EURO)

... im Gegenteil, die Kaufkrauft der BRD wäre um über 40% gestiegen (Goldkurs 2006 c.a. 500euro jetzt 800euro)

Warum bezahlen wir nicht mit Währungen welche vom Material wert (Gold, Silber, Palladium Anteil) dem entspricht was an Wert "drauf steht"?

Nach dem Motto: Wo was drauf steht, muss auch was drin sein.

Das hätte mehrere Vorteile für die Bürger:
+ Währung so stabil wie der Gold/Silber Preis
+ Krisensicheres Zahlungsmittel
+ in 1000 Jahren immernoch was Wert.
+ wird NIEMALS NICHTS wert sein.
+ ist nicht beliebig nachmachbar / fälschbar / druckbar.

Bestimmt auch machbar:
+ eine faltbare Banknote mit einem Gold / Silberanteil.
(in den Euro scheinen ist ja schon ein Streifen Metall eingearbeitet)

Nachteile für die Banken: (vorallem Notenbanken)
- es dürfen nur soviel Währungen produziert werden, wie Gold/Silber vorrätig ist.

Die Lockerung der Bindung des USDollar an den Goldpreis zur Zeit des Vietnamkrieges (schnell mehr geld -> drucken einfacher als physisches Gold einlagern) hat massiv zum Vertrauensverlust in die Währung beigetragen.

Und jetzt steht der USD sogar schlechter da als der EURO.

Natürlich muss es möglich sein, den Gold/Silber Anteil LEICHT aus der Währung/Münze zu lösen.

Ich bitte Darum das bei der nächsten Währungsreform zu bedenken.

Über eine baldige Antwort würde ich mich freuen.

Mit freundlichen Grüßen

Antwort
im Auftrag der Bundeskanzlerin am 19. Mai 2010
Angela Merkel

Sehr geehrter Herr Forstner,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die wir im Auftrag von Bundeskanzlerin Angela Merkel beantworten.

Im 19. Jahrhundert kauften die Notenbanken in ganz Europa Gold und Silber, aber auch sichere Wechselbriefe der Kaufleute. Im Gegenzug gaben sie sogenannte Banknoten aus. Wer bei der Bank eine solche Note einlösen wollte, bekam ihren Nennwert in Edelmetall ausgezahlt. Banknoten liefen so leicht wie Münzen um, erleichterten aber den Umgang mit großen Geldbeträgen. Heute geben staatliche Zentralbanken Banknoten aus und bürgen für deren Wert.

Neben dem Papiergeld bildete sich in den großen Handelsstädten Norditaliens, aber auch in Amsterdam, Hamburg oder Nürnberg das Buchgeld bzw. Giralgeld heraus: Geld also, das nur in den Kontobüchern der Banken steht. Bei den „Girobanken“ eröffneten Kaufleute Konten, um dann Guthaben von Konto zu Konto zu bewegen.

Mit dem Übergang vom Warengeld zum stofflosen Buch- bzw. Giralgeld änderte sich die Anschauung über Wesen und Wert des Geldes. Der Geldwert von „vollwertigen“ Münzen lag in ihrem Warenwert. Bei stofflosem Geld gewann dessen Knappheit an Bedeutung. Ist Geld nicht mehr knapp, also bei einem Missverhältnis zwischen umlaufender Geldmenge und vorhandener Gütermenge, steigen die Preise. Das Geld verliert Kaufkraft (Inflation) und wird schließlich im Wirtschaftsverkehr nicht mehr allgemein akzeptiert.

Das kann bei dem einfach herstellbaren Papier- und Buchgeld, leichter auftreten als bei Warengeld. Bei diesem wirkten die beschränkten Edelmetallvorräte als „Geldschöpfungsbremse“. Doch gab es auch in Zeiten der Gold- und Silberwährungen Phasen, in denen das Geld seinen Wert verlor. Z.B. kam es nach der Entdeckung Amerikas in Spanien zu einer starken Inflation, weil die Eroberer große Mengen an Gold und Silber ins Mutterland brachten.

Heute wissen wir, dass nur die Knappheit des Geldes Grundlage für seinen Wert, also seine Kaufkraft, ist. Deshalb muss eine Instanz mit hoher Autorität für Knappheit sorgen. Das sind in modernen Volkswirtschaften die Zentralbanken. In Deutschland war dies bis Ende 1998 die Deutsche Bundesbank. Anfang 1999 hat im Euro-Währungsgebiet das Eurosystem die Zentralbankfunktion übernommen. Es besteht aus der Europäischen Zentralbank (EZB) und den nationalen Zentralbanken der Euro-Länder, darunter die Bundesbank. Vorrangige Aufgabe des Eurosystems ist, Preisstabilität zu sichern, d. h. den Wert des Euro stabil zu halten.

>> Weitere Informationen zum Thema Geld
http://www.bundesbank.de/index.php

Wie die Finanzkrise gezeigt hat, funktioniert die finanz- und wirtschaftspolitische Überwachung in der Eurozone nicht ausreichend. Gemeinsames Ziel der Euro-Länder ist, die Währungsunion für die Zukunft robuster und krisenfest zu machen. Denn der Euro soll seine Erfolgsgeschichte fortsetzen. Der Stabilitäts- und Wachstumspakt muss verschärft werden. Wichtig ist, finanzpolitische Fehlentwicklungen in Mitgliedstaaten künftig frühzeitig zu erkennen bzw. zu verhindern. Hierzu wird die Bundesregierung eigene Vorschläge einbringen. Dazu gehören auch nationale Regeln wie unsere Schuldenbremse.

>> Weitere Maßnahmen zum Schutz des Euro
http://www.bundesregierung.de/nn_1264/Content/DE/Artikel/...

Eine Währungsreform, wie Sie zu vermuten scheinen, steht aber momentan in keiner Weise an.
Mit freundlichen Grüßen

Ihr
Presse- und Informationsamt der Bundesregierung