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Beantwortet
Autor Christina Romani am 05. Mai 2015
9234 Leser · 7 Kommentare

Die Kanzlerin direkt

Frankreich will Deutschunterricht einschränken und gibt das Gegenteil vor

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

Ich schreibe Ihnen heute da ich über die Zukunft der deutsch-französischen Beziehungen und über den Deutschunterricht in Frankreich besorgt bin.

Eine Reform sieht vor, den Deutschunterricht drastisch einzuschränken. Die Schüler verlieren mindestens 1 Stunde pro Woche und Lernjahr und 3 Stunden pro Woche in der 6e, da die Stunden gestrichen werden. Das ist natürlich nicht förderlich für die Sprachkenntnisse. Der französische Präsident und die Unterrichtsministerin wollen das nicht zugeben. Sie geben vor, die Unterrichtsstunden würden zunehmen.
Bitte lassen Sie sich keinen Sand in die Augen streuen.
Werden Sie Francois Holländer auf diese Situation ansprechen und ihm erklären wie wichtig Deutschland und somit die gute Kenntnis der Sprache für Frankreich ist ? Warum will er etwas abschaffen, das gut funktioniert und für alle Schüler zugänglich ist ?

Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie ihn auf unsere berechtigten Sorgen hinweisen könnten.

Mit freundlichen Grüßen
C. Romani

Antwort
im Auftrag der Bundeskanzlerin am 18. Mai 2015
Angela Merkel

Sehr geehrte Frau Romani,

vielen Dank für Ihre Frage, die wir im Auftrag der Bundeskanzlerin beantworten.

Der Erwerb der Partnersprache ist der beste Weg, den anderen zu verstehen. Er hat deshalb schon immer große Bedeutung für die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich. Auch für den grenzüberschreitenden Verkehr, sei es für den Tourismus, den Handel oder auch den Arbeitsmarkt, ist die Kenntnis der Partnersprache sehr wichtig.

Nach einem Jahrzehnt des Rückgangs haben die classes bilangues (zweisprachigen Klassen) und die sections européennes (der europäische Zweig) an den französischen Collèges seit 2004 dazu geführt, dass sich die Zahl der Deutschlernenden an den französischen Schulen stabilisiert hat.

Die Bundesregierung hat daher in ihren Gesprächen mit der französischen Regierung darauf hingewiesen, dass der Erhalt der classes bilangues und sections européennes in beiderseitigem Interesse liegt.

Die Kenntnis der Partnersprache ist die Basis für die zahlreichen deutsch-französischen Bildungs- und Begegnungsprojekte, die allen Schülerinnen und Schülern offenstehen. Die Bundesregierung möchte, dass die besondere deutsch-französische Freundschaft auch künftig von der Breite und Vielfalt dieser Begegnungen geprägt bleibt. Sie wird das auch weiterhin gegenüber ihren französischen Partnern zum Ausdruck bringen.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Kommentare (7)Schließen

  1. Autor Christian Adrion
    am 07. Mai 2015
    1.

    Es ist die Bildungsministerin, die es abschaffen will. Eben weil der Deutschunterricht in Frankreich gerne von fortgeschrittenen Schülern genutzt wird. Es ist ihr zu elitär, was immer sie auch damit meinen mag. Anpassung nach unten nennt man das.

  2. Autor Jürgen Krameyer
    am 08. Mai 2015
    2.

    Am 6. Mai habe ich an einer Podiumsdiskussion zu diesem Thema im Goethe-Institut Paris teilgenommen, und klar gemacht, dass mit der Schließung der „Bi-lingualen-“ und der „Europazweige“ an der französischen Mittelschule Jahrzehnte gemeinsamer Sprachpolitik zunichte gemacht werden. Nur mit diesen verstärkten Unterrichtsangeboten war es möglich, französische Schüler aus allen Schichten auf ein Niveau B1/B2 zu bringen und sie auf ein Studium an deutsch-französischen Universitäten vorzubereiten. Die Deutschlehrer, die wie ich seit über 35 Jahren für ein breiteres Fremdsprachenangebot an französischen Schulen kämpfen, sind nicht reformscheu – im Gegenteil: wir würden es begrüßen, wenn von deutscher wie französischer Seite neue Angebote gemacht werden könnten, um die Zahl der deutschlernenden Franzosen und der französischsprechenden Deutschen zu stabilisieren bzw. zu erhöhen. Dabei brauchen wir auch Ihren Zuspruch, Frau Bundeskanzlerin.

  3. Autor Madeleine Dr. Claus
    am 08. Mai 2015
    3.

    Das französische Collège hätte eine Reform dringend nötig. In dem Reformvorschlag der Erziehungsministerin gibt es interessante Ansätze. Doch - wie oft in Frankreich - gibt es absolut keinen Dialog im Vorfeld einer solchen Reform, weder mit den Eltern noch mit den Lehrern. Diese stoßen auf eine Wand bei ihren Versuchen, die Ministerin auf die problematischen Seiten ihrer Reform hinzuweisen. Darunter die geplante Abschaffung der bilingualen Klassen. Dank der Möglichkeit, ab der sechsten Klasse Englisch und eine andere Fremdsprache gleichzeitig zu lernen, konnte seit gut zehn Jahren die Zahl der Deutsch lernenden Schüler stabilisiert werden. Die Argumentation der Ministerin zeugt von ihrer Unkenntnis der fragilen Situation der deutschen Sprache in Frankreich und ihr Versprechen, die Zahl der Deutschlehrer zu erhöhen, während sie ihnen gleichzeitig die Stundenzahl radikal kürzt, grenzt an Provokation. Sehr geehrte Frau Dr. Merkel, die deutsche Sprache in Frankreich und damit die deutsch-französische Verständigung braucht Ihre Unterstützung!

  4. Autor Christina Romani
    am 09. Mai 2015
    4.

    Die Autokorrektur des iPads war im Einsatz, ich bitte um Entschuldigung. Lesen Sie bitte Hollande statt Holländer.

  5. Autor Franziska Beyer-Lallauret
    am 09. Mai 2015
    5.

    Die Ministerin sagt, dass die Deutschlehrer Frankreichs sich unnötig aufregen, denn die Schüler könnten Deutsch auch als erste Fremdsprache in der Grundschule beginnen. Ausserdem würden neue Deutschlehrerstellen geschaffen.
    Faktisch ist es im Moment aber gar nicht machbar, Deutsch in der Grundschule flächendeckend anzubieten. Die Grundschullehrer sind kaum dafür ausgebildet, wenn doch, wurde ihnen oft verwehrt, es zu unterrichten, da die meisten Grundschulen vor allem Englisch anbieten müssen / sollen. Ausgebildete Lehrer aus der Mittelstufe können nicht einfach in die Grundschule geschickt werden, denn das Bezahlsystem ist ein anderes. Und schliesslich wählen die Schüler als erste Fremdsprache mehrheitlich Englisch ... genau deshalb wurden die bilingualen Klassen eingeführt. Sie laufen sehr gut, auch in ländlichen und sozial schwachen Gebieten, das heisst, dass Deutsch dadurch sogar - grosses Paradox! - aus der "Eliteecke" herausgeholt wurde!
    Was die neuen Stellen betrifft, so sind sie sowieso nötig, denn es gehen in den nächsten Jahren massenhaft Lehrer in den Ruhestand.
    Ich selbst unterrichte im deutsch-französischen Abi-Bac-Zweig und mache mir natürlich Sorgen um die Zukunft dieses deutsch-französischen Diploms. In ein paar Jahren werden wir kaum Kandidaten haben, wenn die Reform so durchkommt. Dann wird es auch weniger Kandidaten für die deutsch-französischen Universitäten geben.
    Frankreichs Deutschlehrer bangen zu Recht - dazu kommt noch, dass die meisten von ihnen dann an drei verschiedenen Schulen unterrichten, und zum Teil lange Fahrzeiten auf sich nehmen müssen, was ihnen keine Zeit mehr für ein Engagement bei Schüleraustausch etc. lassen wird.
    Bitte unterstützen Sie uns, indem Sie bei François Hollande intervenieren ...
    es ist sehr wichtig für die deutsch-französischen Beziehungen, dass viele Franzosen Deutsch lernen - und umgekehrt natürlich auch!

  6. Autor Christine MARTIN
    am 10. Mai 2015
    6.

    Was auf dem Spiel steht, ist letzten Endes nichts anderes als die so hoch gepriesene deutsch-französische Freundschaft, denn wie soll man sich verstehen und gar mögen, wenn man die Sprache des Anderen gar nicht spricht? Deshalb gehen insbesondere die Deutsch-Lehrer auf die Barrikaden: nicht weil sie um ihre Stellen fürchten (auch wenn das ein echtes Problem ist), sondern weil sie die Folgen dieser Reform für die deutsch-französischen Beziehungen voraussehen.
    Die französischen Schüler sind immer begeistert, wenn sie an einem Austausch teilnehmen, aber wenn Deutsch zum Orchideenfach wird, dann werden leider Klischees und Vorurteile wieder aufleben!
    Adenauer und De Gaulle wussten, wie wichtig und zukunftsweisend es für Europa ist, Freundschaftsbande zwischen den beiden Völkern zu knüpfen... Frau Najat Vallaud-Belkacem scheint es nicht einsehen zu wollen...
    Sehr geehrte Frau Doktor Merkel, helfen Sie bitte allen Franzosen, die sich für die deutsche Sprache, die deutsche Kultur in Frankreich und die deutsch-französische Freundschaft einsetzen, sich bei der Ministerin, Frau N. Vallaud Belkacem und bei dem Präsidenten Hollande Gehör zu verschaffen, wir brauchen Ihre Unterstützung !

  7. Autor Susan Le Bigot-Maercker
    am 11. Mai 2015
    7.

    Mit der Begründung, diese seien zu elitär, will die Bildungsministerin Frankreichs, Najat Vallaud-Belkacem, ab September 2016 die bilingualen Klassen und die europäischen Sektionen abschaffen. Die Folge wäre, dass die französischen Schüler zukünftig Deutsch nur noch als zweite Fremdsprache, also 2 Jahre später als bisher lernen können - deutlich schlechtere Deutschkenntnisse der in den kommenden Jahren ausgebildeten Schüler sind die logische Konsequenz. Da das Erlernen einer Fremdsprache nicht nur den Erwerb eines Sprachsystems, sondern auch ein Kennenlernen der jeweiligen Kultur(en) und des zugrundeliegenden Denksystems bedeutet, steht zu befürchten, dass neben der Verständigung auch das Verständnis und die Toleranz zwischen den deutschsprachigen Ländern und Frankreich unter den geplanten Maβnahmen leiden werden. Und nicht zuletzt läuft auch der eine oder andere Austausch mit einer Schule in Deutschland (Österreich oder der Schweiz) Gefahr, wegen zu geringer Schülerzahl abgebrochen zu werden. Und ohne solche direkten und zumeist überaus positiven Erfahrungen kann gegenseitiges Kennen-, Akzeptieren- und Schätzenlernen kaum nachhaltig gelingen.

    Wir bitten Sie daher, Frau Bundeskanzlerin, sich für dieses, das französische Schulsystem betreffende, Problem zu interessieren, weil es auf kurz oder lang auch Auswirkungen auf die deutsch-französischen Beziehungen haben könnte.

    Susan Le Bigot-Maercker

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