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seit 2006 beantwortete das Bundespresseamt Ihre Fragen auf dieser Plattform im Auftrag der deutschen Bundeskanzlerin. Im Zuge einer Neustrukturierung entwickelt das Bundespresseamt sein originäres Angebot weiter im Sinne eines Bürgerservices mit Dialogmöglichkeiten. Auf dieser Plattform wurden am Montag, den 30. April 2018, die letzten drei Fragen beantwortet. Neue Beiträge und Kommentare werden nicht mehr veröffentlicht.

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Ihr Moderationsteam

Beantwortet
Autor Benjamin Wolf am 24. November 2011
9597 Leser · 4 Kommentare

Die Kanzlerin direkt

Geldschöpfung zurück in staatliche Hand

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

jeder, der sich mit der Volkswirtschaftslehre näher beschäftigt hat, weiß, dass eine steigende Staatsverschuldung in dem vorherrschenden Geldsystem (Staat leiht sich Geld bei privaten Institutionen gegen Zinsen) systemimmanent ist.

Nur durch Wirtschaftswachstum und dem Ausstechen anderer Länder in Geschäften kann die Verschuldung zurückgeführt werden. Da wir uns die Welt mit anderen teilen und die Ressourcen nicht unendlich sind, muss dieses System zwangsweise scheitern.

Da die Banken zum Zeitpunkt der Kreditgewährung das Geld selbst gar nicht besitzen, ist dieser Vorgang mehr als fragwürdig.

Dieses System zu beenden ist der wichtigste Knackpunkt für eine gerechtere Gesellschaft. Denn die Zinslasten für die private Geldschöpfung zahlt letztenendes immer der Bürger. Der Staat verschuldet sich in seinem Namen, die Wirtschaft wälzt die Kosten über die Preise ebenfalls auf den Bürger ab.

Der Nebeneffekt dieses Systems, ist eine parasitäre Finanzoligarchie, die sich an die Spitze der Zinsrückflüsse gesetzt hat. Weitere Folgen sind Verwerfungen in der Wirtschaft, der Gesellschaft. Also genau das, was wir derzeit erleben.

Wieso wird die Geldschöpfung nicht zurück in staatliche Hände gebracht und ein Vollgeldsystem* eingeführt?

Bitte antworten Sie nicht, dass nur durch private Institutionen die Geldwertstabilität erhalten werden kann, denn das ist nicht wahr.

*(Anm. Moderation: "Vollgeld" (engl. plain money bzw. seigniorage reform), oder anders gesagt, die vollständige Umwandlung von Giroguthaben in Zentralbankgeld, um so die Geldschöpfung durch Banken zu unterbinden (Wikipedia))

Antwort
im Auftrag der Bundeskanzlerin am 09. Januar 2012
Angela Merkel

Sehr geehrter Herr Wolf,

besten Dank für Ihr Schreiben, das wir im Auftrag der Bundeskanzlerin beantworten.

Sie plädieren für die Einrichtung eines "Vollgeld-Systems". Ihrem Gerechtigkeitsempfinden in Ehren, aber die Grundannahme, dass Wirtschaftswachstum nur zu Lasten und nicht auch zum Wohle der Handelspartner möglich sei, teilen wir nicht. Konsequent zu Ende gedacht, bedeutet der von Ihnen favorisierte Weg die Rückkehr zu Edelmetallen als Zahlungsmittel und Einführung der Tauschwirtschaft.

Nur die Knappheit des Geldes ist Grundlage für seinen Wert, also seine Kaufkraft. Deshalb muss eine Instanz mit hoher Autorität für Knappheit sorgen. Das sind in modernen Volkswirtschaften die Zentralbanken. In Deutschland war das bis Ende 1998 die Deutsche Bundesbank. Anfang 1999 hat im Euro-Währungsgebiet das Eurosystem die Zentralbankfunktion übernommen. Es besteht aus der Europäischen Zentralbank (EZB) und den nationalen Zentralbanken der Euro-Länder, darunter die Bundesbank. Vorrangige Aufgabe des Eurosystems ist es, die Preisstabilität zu sichern, d. h. den Wert des Euro stabil zu halten.

Neben diesem vorrangigen Ziel der Preisstabilität soll die Geldpolitik auch die allgemeinen wirtschaftspolitischen Ziele (zum Beispiel Vollbeschäftigung, Wirtschaftswachstum) im Blick haben.

Die sozioökonomische Entwicklung in Deutschland ist der beste Beweis dafür, dass die Soziale Marktwirtschaft eben nicht statisch ist. Der „zu verteilende Kuchen“ kann durchaus wachsen. „Wohlstand für alle" war seinerzeit die Maxime und hat sich auch in Deutschland im Grundsatz bewahrheitet.

>> Weitere Informationen zur Geldpolitik:

http://www.bundesfinanzministerium.de/nn_39824/DE/BMF__St...

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Kommentare (4)Schließen

  1. Autor Martin Baumgardt
    am 24. November 2011
    1.
  2. Autor Jan Peter
    am 01. Dezember 2011
    2.

    Kaum jemand weiß, dass Geld heutzutage immer nur dann entsteht, wenn jemand Schulden macht. Jedem Euro steht 1 Euro Schuld gegenüber. Würden die Staaten ihre gigantischen Schulden tatsächlich zurückzahlen, hätten wir auch gigantisch weniger Geld und die Wirtschaft bräche zusammen.

    Jedes Sparprogramm einer Regierung ist daher zum Scheitern verurteilt, es sei denn, eine andere Regierung oder die Unternehmen oder die Bürger machen massiv Mehr-Schulden.

    Die politisch Verantwortlichen, die Sparprogramme fordern und durchsetzen, haben von diesen Zusammenhängern entweder keine Ahnung oder verschleiern sie bewusst.

  3. Autor Ortlieb Mueller
    am 15. Dezember 2011
    3.

    Und auch die Antwort ist nicht wirklich "erhellend" http://www.direktzu.at/oenb/messages/vollgeld-eine-loesun...

  4. Autor Rainer Sanne
    am 16. Dezember 2011
    4.

    Bundestag will keine staatliche Geldschöpfung: http://www.sein.de/gesellschaft/neue-wirtschaft/2011/bund...

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