Liebe Besucherinnen und Besucher,

seit 2006 beantwortete das Bundespresseamt Ihre Fragen auf dieser Plattform im Auftrag der deutschen Bundeskanzlerin. Im Zuge einer Neustrukturierung entwickelt das Bundespresseamt sein originäres Angebot weiter im Sinne eines Bürgerservices mit Dialogmöglichkeiten. Auf dieser Plattform wurden am Montag, den 30. April 2018, die letzten drei Fragen beantwortet. Neue Beiträge und Kommentare werden nicht mehr veröffentlicht.

Wir danken Ihnen für Ihre rege Teilnahme auf www.direktzurkanzlerin.de.

Ihr Moderationsteam

Beantwortet
Autor Christian Jacob am 05. November 2007
11979 Leser · 4 Kommentare

Umwelt und Tierschutz

Gewaltverherrlichende und bewusst realitätsverzerrende Produktwerbung

Sehr geehrte Frau Merkel,

seit einiger Zeit laufen im TV und Rundfunk Werbespots des Franchise Unternehmens Burgerking. In diesen Werbespots werden glückliche Rinder dargestellt, die in einer harmonischen Umgebung und unter verantwortungsvollen Bedingungen gehalten werden. In einer der Spots werden die "drei hübschen" gefragt, ob sie "zum Essen eingeladen" werden dürften. In einem weiteren Spot gibt ein freundlicher Bauer nach einem Gute-Nach-Gruß einem der Tiere einen Klapps, woraufhin alle drei wie die Dominosteine umfallen. Es findet hier eine Anspielung statt auf den neuen X-tra Long Chili Cheese Whopper mit drei Lagen Rindfleisch.

Diese Werbesports sind in höchstem Maße unmoralisch, unethisch, verantwortungslos, realitätsverzerrend und von der Basis her bereits geschmacklos. Unglücklicherweise denken die wenigsten Menschen darüber nach, was für ein unglaubliches Leid hinter den Kulissen ertragen werden werden muss, welche Grausamkeiten Tieren gegenüber stattfinden.

Es kann meiner Meinung nach nicht sein, dass derartige Werbespots ausgestrahlt werden. Produkte, die offensichtlich dem Menschen schaden, dürfen z.T. nicht mehr beworben werden. Bei Zigaretten wird sogar bereits ANTI-Werbung direkt auf den Produkten abgedruckt.

Doch weiterhin werden in der Massenvernichtung von Tieren in der Fleischwirtschaft Gesetze missachtet, Tiere unnötig gequält, Leid verursacht in einem Maße, das zuletzt in Form des Antisemitismus weltweit zu einem Aufschrei geführt hat und die Politik unternimmt scheinbar nichts dagegen.

Die Wirtschaft selbst ist leider nicht in der Lage zu einer Selbstregulierung (aktuelle Skandale in Bezug auf sogenanntes Gammelfleisch machen dies deutlich). Daher wird es aus meiner Sicht Zeit - und eigentlich hätte dies schon längst geschehen müssen - dass Ihre Regierung eingreift und Derartiges verhindert.

Den Anfang machen sollte die Verhinderung der Austrahlung von Werbespots, wie Burgerking sie zurzeit produziert. Aufklärungskampagnen wären der logische zweite Schritt. Es gibt bereits Organisationen wie z.B. Peta, die sich diesem Thema widmen. Wo Ihre Regierung nicht in der Lage ist oder rein rechtlich nicht befugt, selbst derartige Kampagnen zu führen, verfügen Sie meiner Meinung nach über Möglichkeiten, Organisationen wie Peta den nötigen Rückhalt, bzw. die Plattform zu bieten, um stärker in der Öffentlichkeit agieren zu können.

Es sind beispielsweise Videos bekannt, die o.g. Grausamkeiten dokumentieren, von TV-Anstalten aber nicht ausgestrahlt werden, da der Druck aus der Fleischlobby einfach zu groß ist. Dieses gilt es, von Ihrer Regierung zu prüfen und wenn möglich zu unterbinden!

Frau Merkel, ich frage Sie hiermit persönlich, was Sie gegen die kontinuierliche Verletzung von Tierrechten zu unternehmen gedenken und wie künftig mit Unternehmen umgegangen wird, die der Meinung sind, sich den Gesetzen der Bundesrepublik Deutschland straffrei widersetzen zu können.

Mit freundlichen Grüßen,
Christian Jacob.

Antwort
im Auftrag der Bundeskanzlerin am 19. November 2007
Angela Merkel

Sehr geehrter Herr Jacob,

vielen Dank für Ihre Zuschrift, die wir im Auftrag der Bundeskanzlerin beantworten.

Der Tierschutz ist in Deutschland in einer Weise geregelt, die international als vorbildlich gilt. Gegen Verletzungen des Tierschutzrechts müssen Polizei und Justiz vorgehen. Es kann deshalb keine Rede davon sein, dass man sich den entsprechenden Gesetzen „straffrei widersetzen" kann.

Allerdings darf der Tierschutzgedanke nicht dazu führen, dass Darstellungen, die dieses Thema berühren, in Kunst, Presse, Funk oder auch Werbung unterdrückt werden. Hier kollidiert das gewiss wichtige Rechtsgut des Tierschutzes mit den Grundrechten auf Meinungsfreiheit und auf Freiheit der wirtschaftlichen Betätigung, die auch der Nahrungsmittelindustrie und den Werbeagenturen zustehen.

Die Abwägung kann im Einzelfall schwierig sein. Grundsätzlich gilt zunächst: Für Beschwerden, die die Werbung betreffen, ist in Deutschland der Deutsche Werberat zuständig: www.werberat.de.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr
Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Kommentare (4)Schließen

  1. Autor Wolfgang Sperber
    am 21. November 2007
    1.

    Vegetarier fressen meinem Essen das Essen weg!

  2. Autor Christian Jacob
    am 21. November 2007
    2.

    Mir schoss geade folgender Gedanke durch den Kopf:

    Tiere werden speziell für's Schlachten gezüchtet: Hybridhühner sollen Fleisch liefern und gleichzeitig viele Eier legen (der rest wird vergast). Kühe sollen überdurchschnittlich viel Milch liefern dafür wird genetisch auch mal der Euter den Melkmaschinen angepasst (gibts einen Stromausfall, erkranken auch schonmal Kühe und sterben, weil sie "manuell" nicht mehr gemolken werden können), Kälber bekommen eben selbe Milch nicht zu trinken, weil das Eisen darin das Fleisch rot macht (und erkranken an dann halt an einer Anämie aus Eisenmangel)... und dann kommt jemand und sagt "Vegetarier fressen meinem Essen das Essen weg!".

    Wolfgang, SO ein Spruch ist in etwa so fehl am Platze, wie Witze über die Judenvernichtung.

  3. Autor Christian Jacob
    Kommentar zu Kommentar 1 am 21. November 2007
    3.

    Ach eins noch:

    Dir ist schon bewusst, dass DEIN Essen mit Medikamenten vollgepumpt, Eiweißen künstlich hochgemästet und u.a. auch mit Mehl aus anderen TIEREN gefüttert wird? Das wäre in etwa so, wie als wenn Du einen behinderten Bruder hättest, der - weil unwirtschaftlich und für die Gesellschaft ein Hindernis - geschlachtet und - nachdem seine Organe verwertet wurden - der Rest zu Eiweisspulver gemahlen wird, mit dem Du dann Dein gesundes Baby zufütterst, damit es schön schnell groß und kräftig wird.

    Bon Appetit.

  4. Autor Miriam Bayer
    Kommentar zu Kommentar 1 am 21. November 2007
    4.

    Sowas kann echt nur einer schreiben, der noch nie auch nur EINEN EINZIGEN Gedanken daran verschwendet hat WAS genau er dort zu sich nimmt.
    Niemand verlangt, dass du aufhörst Fleisch zu essen, aber denk nach bevor du soetwas schreibst.
    Tiere leiden ungemein, nur damit Nicht-Vegetarier etwas zu essen auf dem Teller liegen haben und sich dann über jemanden lustig zu machen, der genau das nicht unterstützt ist armseelig.
    Und stell dir vor, es gibt auch Nicht-Vegetarier, die meine Meinung teilen.

  5. Um einen Kommentar schreiben zu können, müssen Sie angemeldet sein.