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Ihr Moderationsteam

Beantwortet
Autor Kathrin Katzschke am 09. März 2008
7114 Leser · 0 Kommentare

Familienpolitik

Großfamilien

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,
sehr engagiert setzen Sie sich in der Familienpolitik ein. Man spürt, daß Sie echte nachhaltig verbesserte Lebensverhältnisse für Familien anstreben.

Leider muß ich feststellen, daß Ihre Förderungen vor allem für kleine und Kleinstfamilien (1-2 Kinder) von Vorteil ist. Bei Großfamilien ändert sich hingegen gar nichts. Kinderbetreuung ist steuerlich absetzbar - für diejenigen, die überhaupt Steuern zahlen. Elterngeld für diejenigen, die nach 12 Monaten wieder arbeiten gehen wollen usw.

Ich bin seit 12 Jahren im Erziehungsurlaub und ziehe mittlerweile sieben eigene Kinder groß. Wie sollte ich da noch meinem Beruf nachgehen? Unweigerlich müßte ich dafür meine Kinder sträflich vernachlässigen. Ich möchte ihnen aber einen guten Start ins Leben geben und immer für sie da sein, wenn es Probleme gibt (und die gibt es!). Da wir mit nur einem (mageren) Einkommen auskommen müssen, leben wir wirklich sehr eingeschränkt. (Schulessen, Kindergarten, Hort - gibt es alles bei uns nicht - dafür dürfen die Kinder die Musikschule besuchen!)

Meine Frage lautet: Ist es nicht erstrebenswert und demographisch gesehen sinnvoll bzw. absolut notwendig, Familien mit mehreren Kindern in besonderer Weise zu fördern und in größerem Umfang als bisher?

Hören Sie doch endlich damit auf, den Akademikerinnen wenigstens ein Kind abzuringen. Das ist aus meiner Sicht völlig uneffektiv. Kümmern Sie sich doch zur Abwechslung einmal um die, die wirklich mit Enthusiasmus und Überzeugung mehre Kinder aufziehen, obwohl das vielleicht unweigerlich den Karriereknick (nach unten) bedeutet. Etwas mehr finanzielle Unterstützung (meinetwegen in Gutscheinform) würde uns z. B. etwas den finanziellen Stress nehmen. Etwas breitere Anerkennung in der Gesellschaft den gesellschaftlichen Stress.

Mit freundlichem Gruß aus Radebeul

Kathrin Katzschke

Antwort
im Auftrag der Bundeskanzlerin am 04. April 2008
Angela Merkel

Sehr geehrte Frau Katzschke,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die wir im Auftrag der Bundeskanzlerin beantworten.

Wer Kinder hat, verdient die Unterstützung des Staates. Daher will die Bundesregierung sicherstellen, dass die umfangreiche staatliche Unterstützung den Familien noch gezielter zugute kommt. Derzeit werden dafür alle staatlichen Familienleistungen in Deutschland umfassend analysiert. Das Ergebnis wird aufzeigen, wie gerade auch Familien mit mehreren Kindern besser gefördert werden können.

Dazu soll auch der Kinderzuschlag zum 1. Oktober 2008 weiter ausgebaut werden. Ziel ist es, den Berechtigtenkreis auszuweiten und das Antragsverfahren zu vereinfachen. Die bisherige Mindesteinkommensgrenze wird daher vereinheitlicht. Damit können Eltern einfacher als bisher erkennen, ob für sie der Kinderzuschlag in Betracht kommt. Für Alleinerziehende wird diese Grenze auf 600 Euro und für Paare auf 900 Euro gesenkt. Somit werden deutlich mehr Eltern ein Anrecht auf den Kinderzuschlag haben.

Beim Wohngeld ist geplant, bis zum 1. Januar 2009 eine Heizkostenkomponente einzuführen. Damit wird die Bundesregierung den erheblich gestiegenen Heiz- und Energiekosten Rechnung tragen. Außerdem werden die Wohngeld-Tabellenwerte und die Miethöchstbeträge um jeweils ca. 10 Prozent erhöht, um die Mietentwicklung seit der letzten Wohngeldanpassung nachzuzeichnen.

Über eine Erhöhung des Kinderfreibetrags und gegebenenfalls des Kindergeldes entscheidet die Bundesregierung erst im Herbst 2008. Grundlage für die Entscheidung ist der Bericht zum Existenzminimum, der die Höhe des Betrages, der von der Einkommenssteuer freizustellen ist, neu festlegt.

In diesem Zusammenhang wird auch geprüft, ob eine mögliche Erhöhung des Kindergeldes stärker auf Familien mit drei und mehr Kindern akzentuiert werden kann.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

Presse- und Informationsamt der Bundesregierung