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Abstimmungszeit beendet
Autor Andreas Sikau am 09. August 2013
4763 Leser · 2 Kommentare

Wirtschaft

Innerdeutsche Problematik 08/2013

Sehr geehrte Bundeskanzlerin Frau Dr.Angela Merkel,

ich erlaube mir, als Bürger der Bundesrepublik Deutschland, folgende Zeilen an Sie zu richten:
Es steht mir in keiner Weise zu, Ihnen Empfehlungen zu geben, jedoch appelliere ich an Sie, meine Anregungen gegebenenfalls zu überdenken. Mir ist bekannt, dass Sie aus Mecklenburg-Vorpommern kommen. Sie sind mit der Vertretung der europäisch-deutschen Interessen viel ausserhalb Deutschlands, in Europa und der Welt beschäftigt. In Hinblick auf die Bundestagswahlen, in Vertretung Ihrer Person und Partei, ist es sicherlich ein gern gesehener Weg, die innerdeutschen Interessen in Zukunft wieder stärker zu vertreten. Eventuell ist es Ihnen entgangen, dass in Ihrem Ursprungsbundesland sich die Lebensverhältnisse für die Bevölkerung kontinuierlich verschlechtert haben. Mittlerweile gibt es Landstriche, Städte, Dörfer,wo die Jugend fast nicht mehr vertreten ist (Schulen, Betriebe, Poststellen, öffentliche Gebäude wurden geschlossen, reihenweise verfallen Häuser,…). Als Folgen ist das Leben weniger attraktiv und die nächste Generation verliess das Land. Somit verwundert ein stark anwachsender Leerstand bei den Häusern (vielfach über 30%) sowie ein drohendes Aussterben von ganzen Landstrichen nicht. Arbeit fehlte seit Jahren, gut ausgebildete Fachkräfte sind geflüchtet, Familien wurden getrennt, Neuinvestitionen gab es lange nicht mehr, die Gemeinden leiden unter zunehmender Verschuldung, aufgrund ausgebliebener Steuereinnahmen und einem eigentlich kaum noch bestehenden Investitionsbedarf, da die Betriebe und Arbeitsplätze wegrationalisiert wurden.
In Hinblick auf die anstehenden Bundestagswahlen, würden deutsche Bürger sicherlich gerne sehen, dass die Bundesregierung+Sie persönlich als Kanzlerin sich dieser Thematik wieder annehmen, so wie Sie es versprochen hatten, im Sinne des deutschen Volkes zu handeln und zu entscheiden.

Hochachtungsvoll,
A.Sikau

Kommentare (2)Schließen

  1. Autor Helmut Krüger
    am 10. August 2013
    1.

    Sehr geehrter Herr Sikau,

    ich empfinde die "Bilanz" hinsichtlich so verstandener deutscher Einheit als ausgesprochen gemischt, wenn nicht gar sehr auseinander fallend und gespalten.

    Auf der einen Seite - nicht nur durch Farbe, sondern auch durch Restaurierung und Rekonstruktion historischer Bauten - aufblühende Orte, wie sie selten genug in ihrer Geschichte ausgesehen haben.
    Wahre Augenweiden sind entstanden. Anstelle eines grau gefallenen Landes, bei dem nach jedem mittleren Regenschauer die Pfützen quadratmeterweit standen und wer Fahrrad fuhr, aufpassen musste, nicht in eines der knöcheltiefen Löcher hineinzufahren, die die bloße Überasphaltierung der Überasphaltierung hinterlassen hatte.

    Auf der andere Seite - da stimme ich Ihnen zu - leergezogene Orte, die teils wie eine Puppenstube aussehen, doch wiederum unwirtlich wirken, weil Menschen den Arbeitsplätzen hinterhergezogen sind, auf den neuen Transitwegen nach Westen, Orte, wo von denen, die dort noch wohnen, auf der grünen Wiese eingekauft wird, wo mehr als die Hälfte des Umsatzes gemacht wird.

    Schwerin, Dresden, Potsdam und Jena blühen auf, Demmin, Cottbus und Plauen im Vogtland verlieren bis zu 40 % ihrer Einwohner bzw. bilden das Armenhaus der Republik. Wenn der Profifußball der Männer so etwas wie ein Abbild des Zustandes dieses Landes ist, dann ist es um diese Art Einheit immer noch schlecht bestellt, wenn ich mal Hertha BSC außen vor lasse, die auch schon vorher die Möglichkeiten hatten, Teil der Bundesliga zu werden. Werden die erstklassigen Mannschaften auf einer Karte verortet, sieht sie genau so aus wie vor der Wende, so, als hätte die Einheit nie stattgefunden.

  2. Autor Helmut Krüger
    am 10. August 2013
    2.

    Vielleicht noch als Ergänzung, wobei ich Ihren Aspekt des negativen Kreislaufs mit aufgreifen möchte, auf den zu achten wäre und mit positiver Perspektive, wenn die erstmal angestrebt ist, kriegen "wir" das auch hin:

    Schließt der Kaufmannsladen - gleich wie er heißt, ob Konsum, EDEKA oder wie immer er einen Namen trägt -, geht das Kommunikationszentrum zumindest der Älteren verloren. Schließt das Jugendzentrum, weil der Ort und der Kreis und das Land die Mittel nicht mehr aufbringt, geht das Kommunikationszentrum der Jugendlichen verloren, dass sie zumindest noch einbindet und beschäftigt, außerhalb der Berufstätigkeit, soweit dies spärlich genug gesät, überhaupt noch da ist. 20, 30 oder 50 km wird gefahren bis zur Disco und nächtlich und oft genug alkoholisiert wieder zurück.

    Der Schaden, der gerade durch Gewalt angerichtet wird: Ist er nicht um ein Mehrfaches höher als die Kosten gewesen wären, das Zentrum noch zu halten? Die Gefahr ist groß, das Problem nur leidlich gerade eben bis zum Rand zu halten, dass es nicht sichtlich und vor aller Augen überschwappt.

    Die Möglichkeit, sich mit dem Ort außer über das bloße Vorhandensein von Arbeit zu identifizieren, ist nach der Wende geschaffen worden, eben durch Wiederherstellung ortsbildprägender Bauten und ortsbildprägender Plätze. Kann das "abgerufen" werden, wenn die materielle Seite - die bezahlte Arbeit - "sich" in alle Winde verflüchtigt hat, wohingegen die Umbrüche im Ruhrgebiet, weg von der Kohle, hin zu Dienstleistungszentren, geradezu wie auf samtenen Teppich verlaufen sind? Was nicht Kritik sein soll, allenfalls Beispiel, es in dieser Abfederung und "Überleitung" nachzumachen.

    Ich wünsche mir, dass Zarrenthin und Wittenburg nicht nur als hochtechnisierter, wenig Arbeitsplätze bietender Ausläufer von Hamburg begriffen wird und dass Görlitz gemeinsam mit Zgorzlec zu einer auch wirtschaftlich aufblühenden Stadt an der Neiße werden kann. Alle Grenzen in den Köpfen gefallen.

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