Liebe Besucherinnen und Besucher,

seit 2006 beantwortete das Bundespresseamt Ihre Fragen auf dieser Plattform im Auftrag der deutschen Bundeskanzlerin. Im Zuge einer Neustrukturierung entwickelt das Bundespresseamt sein originäres Angebot weiter im Sinne eines Bürgerservices mit Dialogmöglichkeiten. Auf dieser Plattform wurden am Montag, den 30. April 2018, die letzten drei Fragen beantwortet. Neue Beiträge und Kommentare werden nicht mehr veröffentlicht.

Wir danken Ihnen für Ihre rege Teilnahme auf www.direktzurkanzlerin.de.

Ihr Moderationsteam

Beantwortet
Autor Lucian Priebs am 18. März 2010
5384 Leser · 0 Kommentare

Wirtschaft

Innovationen in Deutschland – Vermarkter in Übersee

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

nicht allein die Klimapolitik setzt auf neue Technologien, auch für Entwicklungsziele vieler Länder können sie der Schlüssel sein. Entwicklungshilfe und Klimapolitik sollen zusammengehen, meinte der Bundespräsident.

„Ohne eine stabile Elektrizitäts- und Wasserversorgung ist die Entwicklung des verarbeitenden Gewerbes nicht möglich.“ befindet die ARGE Entwicklungspolitik der deutschen Wirtschaft. ´Wie sollen wir uns denn entwickeln, wenn wir keinen Strom haben?! Seit dreißig Jahren verspricht uns die Regierung Strom!´ ruft in einer TV-Doku des ORF ein afrikanischer Dorfbewohner treffend aus. Im subsaharischen Afrika werden nur 5% der Landbevölkerung von der Stromversorgung erreicht. Kein Wunder, wo die Kostenrelation Netz/Kraftwerke 4:1 und höher ist. Der überall tuckernde Dieselgenerator - als einzige Stromquelle sowohl dezentral als auch 24h präsent - ist der unwirtschaftliche Notbehelf. Da steht Armutsbekämpfung letztlich auf verlorenem Posten. Rund 40 Länder und zwei Milliarden Menschen sind von der Problematik betroffen. Die propagierten Solar-Home-Moduln können keine Maschinen antreiben und sorgen nur für abendliche Beleuchtung und Fernsehen - das sehen wir ja im Demselben auch immer in Berichten aus diesen Regionen.

Das Klima – warum ist in Kopenhagen nichts rausgekommen? Weil es ja eben auch ein Wirtschaftsgipfel gewesen ist, und es für Länder wie China noch am Mittel, der adäquaten Technologie, fehlt. - Und bei uns braucht´s für´s jenseitige Ufer des Brückenbilds eine Steigerung unseres Ökostromanteils um 150%.

„Wir würden doch liebend gerne auf andere Technologien zugreifen, wenn es sie denn gäbe.“ sagten Sie schon als Umweltministerin einmal.

Ich frage mich nur, wie sich dieses gestalte. Da hat beispielsweise die Bundeswehr-Uni ein Wassertriebwerk ohne Staustufe für das Potenzial der Flachlandflüsse, und auch für das Meer, getestet, und die TU Darmstadt Berechnungen zertifiziert, aber nichts wird daraus gemacht. UniBw: „Mit der durchgeführten Untersuchung wurde die grundsätzliche Funktion des Transverpello bestätigt, die von seiner Pendelfrequenz abhängige Leistung gemessen und sein Wirkungsgrad überschlägig ermittelt.“ Die vier Bundesministerien für Umwelt, für Wirtschaft, für Entwicklung und für Forschung reagieren nicht auf die Ergebnisse der schließlich staatlich getragenen Universitäten, fühlen sich nicht zuständig oder in der Pflicht.
Das BMZ erkennt im genannten Fall zwar den Belang, kann indes nichts tun: „Ich komme immer mehr zu dem Schluss, dass es doch ein international agierendes Unternehmen geben müsste, das gerne Ihr Partner würde in der Vermarktung dieser Technologie.“ „.. wird dieser Neuheit in der Zukunft sicherlich angemessene Aufmerksamkeit in der Entwicklungsarbeit gewidmet.“ Natürlich gäbe es da international agierende Unternehmen, aber keine deutschen, die den Bau einer ja notwendigen Pilotanlage anböten. Anders der japanische Großkonzern Marubeni: „We are very interested in your developed new technology ´Transverpello´, and we are thinking to establish pre-commercial plant in Tokyo with some potential customer.“

MP3 lässt grüßen! „Es darf niemals mehr passieren ...“ hatten Sie vor drei Jahren zum Thema gesagt.

Hier jetzt meine Frage: Was hat sich seither geändert? Oder müssen weiter manch viel versprechende deutsche Entwicklungen den Weg über das Ausland nehmen?

Im Exempel warten Botschaften verschiedener Länder Afrikas auf eine Referenzanlage; aber die Initiatoren selbst können sie finanziell nicht stemmen, weil sie eben kein Großunternehmen sind. Basale Neuheiten kommen nicht von Großfirmen. Warum sind Förderprogramme, indem sie da einen hohen Eigenanteil von meist 70% verlangen, dann auf sie zugeschnitten? „Nil“-Geist?

Und sollten Einrichtungen wie das Forschungszentrum Jülich energietechnische Innovationen im Land denn nicht willkommen heißen? Was sagen Sie als Physikerin dazu, dass man dort zu der “Erkenntniss“ gekommen war: „Das Wasser hat somit die Möglichkeit, entsprechend der ihm ´angeborenen´ Eigenschaft, den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen, das Transverpello zu umgehen.“ Somit auch der Wind die Möglichkeit hat, das Windrad rechts, links, oben und unten zu umgehen...

Mit freundlichen Grüßen

Lucian Priebs

Antwort
im Auftrag der Bundeskanzlerin am 22. April 2010
Angela Merkel

Sehr geehrter Herr Priebs,

vielen Dank für Ihre Zuschrift, die wir im Auftrag der Bundeskanzlerin beantworten.

Eine ausreichende Energieversorgung ist in der Tat eine zentrale Voraussetzung für wirtschaftliche Entwicklung. Die Nutzung erneuerbarer Energien kann entscheidend dazu beitragen, diese Voraussetzung zu erfüllen – auch und gerade in Entwicklungsländern. Zwischen mangelhafter Energieversorgung und Armut besteht ein direkter Zusammenhang.

Deshalb fördert das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zurzeit in über 40 Partnerländern Vorhaben, die der Verbreitung erneuerbarer Energien dienen. Denn erneuerbare Energien können auch ohne eine optimale Infrastruktur, wie es häufig in Entwicklungsländern der Fall ist, eingesetzt werden.

>> Mehr Informationen:
http://www.bmz.de/de/themen/energie/erneuerbare_energien/...
Was das Thema Innovationen in Deutschland und deren Vermarktung im Ausland angeht, so gehört Deutschland gemeinsam mit Schweden, Finnland, Dänemark und dem Vereinigten Königreich zu den innovativsten Ländern in der EU. Das ist das Ergebnis einer Studie, die die EU-Kommission im März d.J. vorgestellt hat.

>> Mehr Informationen zum Studienergebnis:
http://www.bmwi.de/BMWi/Navigation/Presse/pressemitteilun...

Die Bundesregierung fördert diesen technischen Fortschritt. Oberstes Ziel ist dabei, bestmögliche Voraussetzungen für die Entwicklung und Anwendung neuer Technologien und Dienstleistungen zu schaffen.

>> Förderbereiche in der Technologiepolitik
http://www.bmwi.de/BMWi/Navigation/Technologie-und-Innova...

Deutsche Unternehmen sind dank ihrer innovativen Produkte auf dem Weltmarkt erfolgreich: Sie sind beispielsweise seit 2003 führend im Handel mit Umweltschutzgütern. Deutschland hat in vielen Bereichen bis zu 30 Prozent weltweite Marktanteile.

Wir setzen allen Ehrgeiz daran, diese Anteile zu halten und auszubauen. Deshalb unterstützt die Bundesregierung deutsche Unternehmen dabei, Auslandsmärkte zu erschließen und ihre führenden Positionen im internationalen Wettbewerb weiter auszubauen. Das geschieht u.a. durch Exportkredite oder auch im Rahmen von Exportinitiativen der Bundesregierung.

So sind die Exportinitiativen Erneuerbare Energien und Energieeffizienz außerordentlich erfolgreich. Etwa 60 Prozent der geförderten Unternehmen finden Geschäftspartner im Ausland. Ihre Exportquote erhöhte sich im Schnitt um 50 Prozent. Durch die Fördermaßnahmen der Exportinitiative Erneuerbare Energien erzielten deutsche Unternehmer bislang rund 5 Milliarden Euro Umsatz im Ausland.

>> Mehr zur Förderung der Außenwirtschaft
http://www.bmwi.de/BMWi/Navigation/Aussenwirtschaft/ausse...

Die letzte UN-Klimakonferenz in Kopenhagen im vergangenen Dezember ist mit einer Vereinbarung zu Ende gegangen, dem Copenhagen Accord. Darauf hat sich eine Gruppe von etwa 30 Staaten verständigt, darunter die USA, die Europäische Union sowie die vier größten Schwellenländer China, Indien, Brasilien und Südafrika. Inhalt dieser Vereinbarung ist es beispielsweise darauf hinzuwirken, den globalen Temperaturanstieg auf unter 2 Grad zu begrenzen. Auch bekennen sich die Industrieländer dazu, für die Zeit von 2010 bis 2012 bis zu 30 Milliarden US-Dollar für Klimaschutz in Entwicklungsländern zur Verfügung zu stellen. Allein die EU erklärte sich bereit, 10,6 Milliarden US-Dollar aufzubringen.

Zwischenzeitlich haben sich dem Copenhagen Accord über hundert Länder angeschlossen. Zusammen sind sie für mehr als 80 Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Dennoch braucht die Staatengemeinschaft dringend ein umfassendes und verbindliches internationales Abkommen, um eine gefährliche Störung des Weltklimas zu vermeiden. Das wird das zentrale Thema auf der nächsten Klimakonferenz kommenden Dezember im mexikanischen Cancún sein.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr
Presse- und Informationsamt der Bundesregierung