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Beantwortet
Autor Jörg Pauls am 04. Januar 2016
5808 Leser · 12 Kommentare

Wirtschaft

Keine Arbeitskräfte trotz hoher Arbeitslosenzahlen

Sehr geehrte Frau Merkel,
es würde mich wahnsinnig interessieren, warum wir in Deutschland 3.428.756 Arbeitslose haben, die Jobbörse / das Arbeitsamt mir nicht einen einzigen Monteur vermitteln kann?

Es scheitert am Anforderungsprofil wurde mir gesagt, da Vorraussetzung zur Anstellung:
a) handwerkliches Geschick (er sollte wissen wo am Schraubendreher vorne und hinten ist und
b) deutsch in Wort und Schrift

Hier ist die Arbeitsagentur gnadenlos überfordert, einen arbeitswilligen Monteur zu vermitteln, der nicht einmal aus der Branche sein muss.
Vielleicht sollten Sie diesem Volk welches sich in der sozialen Hängematte sonnt zu Leibe rücken, denn dann hätten die Handwerksbetriebe nicht solche akute Personalnot.
Ich durfte mehrfach Aussagen wie:
"Wie 8 Stunden arbeiten, das ist dann wohl nichts für mich" ... oder ... "dann sehe ich ja nicht wie meine Kinder groß werden" ... anhören.
Von ca. 150 aufgeforderten angeblich arbeitssuchenden Menschen haben sich 2 gemeldet, aber eigentlich wollten die nur einen Stempel für das Arbeitsamt von uns.

Es wäre toll, wenn Sie mir diesen einen, dringend benötigten, Monteur vermitteln könnten.

Aufgrund dieser Sozialpolitik möchte niemand mehr im Handwerk tätig sein.

Vielen Dank, ich erwarte sehnsüchtig ihre Vorschläge für arbeitswillige Bewerber!

Mit freundlichem Gruß
Jörg Pauls
PS-Rohrreinigung

Antwort
im Auftrag der Bundeskanzlerin am 22. Januar 2016
Angela Merkel

Sehr geehrter Herr Pauls,

vielen Dank für Ihre Frage, die wir im Auftrag der Bundeskanzlerin beantworten.

Es ist für kleinere Betriebe in Ihrer Branche oft nicht einfach, gut ausgebildete Fachkräfte zu finden. Es gibt aber auch gute Beispiele dafür, dass die Arbeitsagenturen Betriebe und Arbeitsuchende erfolgreich zusammenbringen:

http://faktor-a.arbeitsagentur.de/arbeitgeber-service/

Bitte bedenken Sie, dass von den zuletzt knapp 2,7 Millionen Arbeitslosen (Dezember 2015) etwas über eine Million langzeitarbeitslos sind. Von ihnen ist fast die Hälfte länger als vier Jahre arbeitslos. Es ist aus verschiedenen Gründen schwierig, solche Menschen in Arbeit zu vermitteln: Sie sind oft gering qualifiziert, alleinerziehend oder über 55 Jahre alt. Hinzu kommen häufig auch gesundheitliche und psychische Probleme. Kommen mehrere dieser Faktoren und womöglich noch Sprachdefizite zusammen, verfestigt sich Langzeitarbeitslosigkeit.

Daher helfen nur spezifische Ansätze, um einen lange Arbeitslosen in Arbeit zu bringen. Jobcenter und Arbeitsagenturen bemühen sich, passgenauer zu fördern und differenzierte Hilfestellungen anzubieten. Hier setzt das Konzept des Bundesarbeitsministeriums an:

http://www.bmas.de/DE/Schwerpunkte/Neustart-in-Deutschlan...

Betriebe können zum Beispiel in Absprache mit der Arbeitsagentur arbeitsuchende Bewerber für maximal sechs Wochen „testen“ und feststellen, ob der- oder diejenige für die Tätigkeit geeignet ist. Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung

https://www.arbeitsagentur.de/web/content/DE/Buergerinnen...

Unternehmen, die Langzeitarbeitslose einstellen, können finanzielle Unterstützung erhalten. Lohnkostenzuschüsse sollen eine geringere Leistungsfähigkeit ausgleichen. Bei Bedarf sind zusätzlich arbeitsplatzbezogene Qualifizierungen förderfähig.

http://www.bmas.de/DE/Themen/Arbeitsmarkt/Modellprogramme...

Bei sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen können bis zu 100 Prozent des Arbeitsentgelts bezuschusst werden. Eine gezielte Beratung und Begleitung durch die Jobcenter und Arbeitsagenturen ist die Basis dafür.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Kommentare (12)Schließen

  1. Autor Viktor Briken
    am 06. Januar 2016
    1.

    Das Problem haben fast alle Handwerker. Das ist doch eine komplette Scheinwelt die da abläuft. Ich kenne Personen die sind in 1 € Jobs um mit ausländischen ???? Kaffee trinken zu gehen. Sie sind nicht mehr in der Statistik.

  2. Autor Ralf Schumann
    am 07. Januar 2016
    2.

    Ich arbeite in einem Jobcenter und betreue etwa 200 ausgesuchte Arbeitslose, die jung, gesund und sofort einsetzbar sind. Im Einzelfall müsste der Eine oder Andere qualifiziert werden.
    Aus Erfahrung kann ich mir gut vorstellen, dass Sie "nur" den Mindestlohn, also ca. 1.400 € monatlich zahlen, da Sie keine hohen Anforderungen stellen. Davon muss der Angestellte Steuern, Kranken-, Arbeitslosen-, Renten- und Pflegeversicherung und ggf. Kindesunterhalt sowie die GEZ-Gebühren zahlen, was bei Hartz 4-Empängern nicht der Fall ist. Der erhält ca. 900 € monatlich, sofern er allein lebt. Fährt er 12 Stunden im Monat als Pizzafahrer für 100 €, darf er die behalten. Für Bewerbungsaktivitäten erhält er zudem noch weitere 25 € im Monat.
    Ich nehme mal pauschal die Worte eines typischen Hartz 4-Empängers in den Mund und sage: Sie erwarten nicht ernsthaft Begeisterung für einen Job als Helfer für stinkende Rohrreinigungen?
    Tut mir leid, wir sind nicht überfordert, sondern Sie müssen sich den Gegebenheiten anpassen und wenigstens 2.500 € zahlen. Dann können wir auch zeitnah vermitteln.

  3. Autor ines schreiber
    am 09. Januar 2016
    3.

    Eine meiner Freundinnen hat einen Imbiss , dort kommen sehr , sehr viele , und wollen nur einen Stempel , den sie aus Mangel an Bewerbung ablehnt ! Auch gibt es viele die Jobs ablehnen , weil sie dann weniger haben , als vom Amt ! Beispiel , Arzt , mit Frau , 3 Kinder , Iraker mit Asyl Status , weigert sich eine Stellung anzunehmen ! Ich kriege so mehr Geld , als wenn ich arbeiten gehe ! Das sind leider keine Einzelfälle ! Und es wird kaum was unternommen , ich denke weil viele dieser Menschen gleich einen Riesen Aufstand machen ! Hier ist auch die Politik gefordert !

  4. Autor I. Schramm
    am 09. Januar 2016
    4.

    Ja leider wollen auch immer mehr Jugendliche ein Studium beginnen statt einen Lehrberuf zu wählen. Bei uns in Rheinland-Pfalz wurde sogar die Hauptschule abgeschafft. Mit dem Resultat, dass immer mehr Eltern ihre Kinder auf das Gymnasium statt auf die Realschule plus zu schicken. Das führt zu einem erheblichen Niveauverlustes des Abiturs, die Abiturientenquote steigt der Anspruch sinkt. Wir sind immer noch eines der Bundesländer die kein Zentralabitur haben und keine verpflichtend Schullaufbahnempfehlung. Seit neustem hat die SPD/Grünen Regierung noch die Schreibschrift abgeschafft und die Grundschüler Lernern in den ersten Klasse keine Rechtschreibung sondern schreiben wie sie wollen. Also wir zukünftig bei uns noch die Anzahl der Legastheniker steigen. Wie soll man da vernünftige Auszubildende finden?
    Übrigens da wir keine Studiengebühren haben liegt die Abbrecherquote bei den Studierenden bei ca. 1/3 . Und das Studium wird selten in der Regelstudienzeit beendet. Früher ging man teilweise mit 14 oder 15 in eine Lehre und hat mit Vollendung des Rentenalters 50 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt, das schafft heute keiner mehr mit fatalen Folgen für unser Rentensystem.

  5. Autor Jörg Pauls
    am 11. Januar 2016
    5.

    Sehr geehrter Herr Schumann,
    wenn Sie wirklich in einem Jobcenter arbeiten, dann sind Sie dort völlig fehl am Platze. Sie wollen mir allen ernstes erzählen, dass die soziale Hängematte für Sie völlig in Ordnung ist? Fern ab davon dass ich über dem Mindestlohn zahle sollte dies auch völlig irrelevant sein, denn das wäre erstmal eine Arbeit. Wenn aber "Jobvermittler" der "Kundschaft" vermitteln "hey mein Freund, Du musst nicht arbeiten, läuft ja auch so", dann wundert mich hier in Deutschland rein gar nichts mehr.
    Und ich müsste mindestens 2500 Euro zahlen, ist ewas lächerlich, Sie sind ja fernab jeglicher Realität, reden Sie doch mal mit mittelständischen Unternehemen wie es wirklich draußen aussieht. Sie sind ein Träumer, halt fast Beamtenstatus, kluge Reden kann ich auch schwingen.
    Von mir aus könnte jeder Monteur bei mir 5000,- Euro im Monat oder mehr verdienen, nur der Markt gibt das doch gar nicht her.
    Gerade die Ämter drücken die Preise in den Keller, die die nach fairer Bezahllung schreien! So sieht die Realität aus und dann kommen Sie als Jobvermittler um die Ecke und fordern mindestens 2500,- Euro im Monat, ansonsten können sie nicht helfen ... unglaublich ... ohne Worte !
    Mit ihrer hier getätigten Aussage wundert mich rein gar nichts mehr !!!

  6. Autor I. Schramm
    am 11. Januar 2016
    6.

    Den Lohn zu erhöhen ist nur ein Anreiz in Arbeit zu gehen. Ein anderer wäre die Hilfe zu kürzen.
    In Amerika ist die Zeit die man unterstützt wird begrenzt, danach gibt es keinen Cent mehr. Das stürzt viele Leute in tiefste Armut, zwingt sie aber auch jede Arbeit anzunehmen. Ich bevorzuge da eher einen Mittelweg.

  7. Autor Daniel Böck
    am 16. Januar 2016
    7.

    Ich stimme Ihnen völlig zu Herr Pauls, was die Aussage an Herr Schumann angeht!
    Des weiteren würde ich auch dafür plädieren, die Unterstützung zu begrenzen und somit den Anreiz für die soziale Hängematte zu nehmen.

  8. Autor Ralf Schumann
    Kommentar zu Kommentar 5 am 17. Januar 2016
    8.

    Sie wissen hoffentlich, dass die "Hartz 4-Regelungen" keine Erfindung der Jobcenter ist. Wir wenden die Sozialgesetze nur an. Es ist so, als würden Sie den Postboten erschlagen, nur weil er Ihnen einen schlechten Brief bringt.
    Diese Gehaltsforderungen in etwa kommen von den Arbeitslosen selbst. Angebot und Nachfrage.
    Ich bringe gern Leute in Arbeit, aber das geht nur mit Hilfe eines motivierten Arbeitslosen und einem fairen Arbeitgeberangebot. "Stinkende Jobs" wie Rohrreinigungen müssen nun einmal mehr Gehalt bringen. Das ist auch bei den Pflegeberufen so. Warum sonst gibt es Ihrer Meinung nach keine Pflegekräfte?
    Was sollen die Jobcenter machen? Ein Arbeitsloser geht schnell mal zum Anwalt und lässt über ihn mitteilen, dass die angebotene Arbeit unzumutbar für ihn sei. Immerhin ist er kostenlos für ihn. Nun muss das Jobcenter beweisen, dass das nicht so ist, sonst lässt sich keine Sanktion umsetzen. Neulich hatte ich ein Argument: Der Klient fühlt sich nach so langer Arbeitslosigkeit mit einer Vollzeittätigkeit psychisch und physisch überfordert.

  9. Autor Jörg Pauls
    Kommentar zu Kommentar 8 am 18. Januar 2016
    9.

    Sehr geehrter Herr Schumann,
    offensichtlich haben Sie keine Ahnung von der Wirtschaftslage kleiner mittelständischer Betriebe.
    Sie schreiben: "als würden Sie den Postboten erschlagen, nur weil er Ihnen einen schlechten Brief bringt." Sorry, aber das ist ja völlig am Thema vorbei.
    IHRE Aufgabe ist, Menschen ohne Arbeit wieder in Arbeit zu bringen.
    Hierbei ist es völlig irrelevant ob ein finanzieller Anreiz für diesen "Arbeitslosen" vorliegt oder nicht, denn so liegt er DEM STEUERZAHLER komplett auf der Tasche und dem sollten auch Sie Rechnung tragen. Also ist Ihre Einstellung zu Vermittlungsversuchen und Anreizen völlig aus anderen Spähren geholt.
    Wir reden hier über einen Menschen den ich suche, der in seinem Leben keine Ausbildung abgeschlossen haben muss und von mir und anderen Handwerksbetrieben eine faire Chance erhält, im berufsleben Fuß zu fassen.
    Der Job des Rohrreinigers entspricht laut der Jobbörse dem Rang eines Hilfsarbeiters und Sie fordern mindestens 2500 Euro???
    Das erklären Sie mal einer Verkäuferin, die zeigen Sie mir mal, welche Verkäuferin 2500,- Euro im Monat verdient?
    "Stinkende Jobs" oder wie Sie sie nennen, sind nicht alle Jobs irgendwo mit Nachteilen und Gerüchen behaftet?
    Eine Schuhverkäuferin hat auch Leder- und Gummigerüche den lieben langen Tag, oder ein Fischverkäufer, verdienen die mehr Geld weil es im Laden riecht?
    Ein Kurierfahrer, der den halben Tag in Berlin im Stau steht, verdient der annähernd ihr gefordertes Gehalt?
    Ich könnte hier jetzt noch hunderte Jobs auflisten und alle verdienen nicht annähernd soviel wie Sie da fordern.

  10. Autor Jörg Pauls
    Kommentar zu Kommentar 8 am 18. Januar 2016
    10.

    Es freut mich, dass Sie einen Duftbaum in ihr Büro hinhängen können und es so riecht wie Sie gerne möchten, nur leider ist uns allen nicht dieses Glück gegeben.
    Dann Beispiele von Ihnen wie: "Der Klient fühlt sich nach so langer Arbeitslosigkeit mit einer Vollzeittätigkeit psychisch und physisch überfordert." und einen solchen Menschen stellt dann ein kleiner Handwerksbetrieb für 2500,- Euro ein? Da ist die Frage wann in diesem Betrieb die Lichter ausgehen werden sehr schnell beantwortet.
    Wenn ein Anwalt so einen Brief schreibt, dann ist dieser Mensch doch kein Arbeitssuchender mehr, sondern definitiv unvermittelbar.
    Eine echte Frechheit, einen solchen Menschen weiterhin auf dem Arbeitsmarkt anzubieten. Die Zeche zahlt der kleine Handwerksbetrieb, der eh schon ums Überleben kämpft.
    Aber schön wenn Sie ca. 200 junge, gesunde Arbeitssuchende in ihrer Kartei haben und die sich dennoch zu Hause weiterhin sonnen können, während wir für diese "armen Menschen" mitschuften dürfen.
    Also das Angebot ist nicht lukrativ genug, aber um die Hand Monat für Monat aufzuhalten, auch Geld von den Menschen zu nehmen, die in stinkenden Jobs artig ihre Steuern zahlen, das empfinden Sie offensichtlich als völlig ok!

  11. Autor Yan Suveyzdis
    am 18. Januar 2016
    11.

    "Der Klient fühlt sich nach so langer Arbeitslosigkeit mit einer Vollzeittätigkeit psychisch und physisch überfordert."
    ---
    Wahnsinn und Psychose....

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