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Ihr Moderationsteam

Beantwortet
Autor Martina Pritsch am 29. April 2010
6476 Leser · 0 Kommentare

Wirtschaft

Kernfusionsforschung

Sehr geehrte Frau Dr. Merkel,

über Ihren Standpunkt in Bezug auf die Kernfusionsforschung bin ich doch etwas erstaunt und möchte Ihnen deshalb folgende Fragen stellen:
- Warum wollen Sie „die Art, wie die Sonne Energie
gewinnt, auf die Erde holen“?
Mit der Sonne haben wir doch bereits eine unendliche
Energiequelle, die wir auch schon nutzen können und die
überall verfügbar ist (auch in Form von Wind, Wasser,
Erdwärme und Biomasse).
Wenn meine Informationen korrekt sind gibt es auch
eine McKinsey-Studie, die besagt, dass
„100% erneuerbare Energien bis 2050 in Europa möglich
und realistisch sind“.
- Warum wird so viel Geld in die Fusionsforschung gesteckt,
statt in die Weiterentwicklung der bereits bestehenden
alternativen Energietechnologien (z.B. Steigerung des
Wirkungsgrades von Solarzellen, organische Solarzellen,
Speichertechnologien für Erneuerbarer Energien).
- Ist Ihnen evtl. daran gelegen, eine dezentrale Energie-
versorgung (die sicherlich nicht im Interesse der großen
Energieversorgungsunternehmen liegt) zu verhindern und
uns „von der Atomkraft zur Atomfusion zu führen“?
- Auch die Kernkraft wurde anfangs gefeiert – doch
inzwischen ist vielen Menschen klar, dass es hier
ungelöste Probleme gibt (Beispiel: Atommüll) und es sich
um eine Risikotechnologie handelt. Steht uns das evtl.
auch bei der Kernfusionstechnologie bevor?
(Falls sie überhaupt jemals zum Einsatz kommt…)

Ich habe ja nichts gegen Forschung, aber in Zeiten leerer Staatskassen (in denen man immer wieder hört, dass wir sparen müssen), frage ich mich schon, woher das Geld für die doch offensichtlich unnötige Kernfusionsforschung herkommt. Alternativen zur Atom- und Kohlekraft sind doch längst vorhanden - sie müssen nur verbessert, bzw. weiterentwickelt werden. Das bedeutet, dafür müsste das Geld dann sinnvollerweise verwendet werden.
Für eine kurze Stellungnahme bedanke ich mich im Voraus.

Mit freundlichen Grüßen
Martina Pritsch

Antwort
im Auftrag der Bundeskanzlerin am 30. Mai 2010
Angela Merkel

Sehr geehrte Frau Pritsch,

vielen Dank für Ihre Zuschrift, die wir im Auftrag der Bundeskanzlerin beantworten.

Auf der Kernfusionsforschung ruhen große Erwartungen. Denn wenn es gelingen würde, den Fusionsprozess kontrolliert und wirtschaftlich in einem Reaktor ablaufen zu lassen, wären damit alle Energieprobleme gelöst – umweltfreundlich und zeitlich unbegrenzt. Weltweit forschen daher Staaten wie China, Russland, Indien, die USA und natürlich Europa gemeinsam daran, Kernfusion wirtschaftlich nutzbar zu machen. Zwar befindet sich dieser Forschungszweig derzeit noch in der Grundlagenforschung ohne Gewissheit auf Erfolg. Es wäre aber verhängnisvoll, die Möglichkeiten nicht weiter zu erkunden.

Bei der Kernfusion verschmelzen leichte Atomkerne – vor allem Wasserstoff in Form von Deuterium und Tritium – zu Heliumkernen. Dabei entsteht Wärmeenergie, die sich in Strom umwandeln lässt. Zudem fallen keine radioaktiven Stoffe (wie bei Kernkraftwerken) oder schädliche Abfälle an. Auch wird kein klimaschädliches CO2 produziert. Bis allerdings der erste Reaktor wirtschaftlich arbeitet, können noch Jahrzehnte vergehen.

Investitionen in die Forschung sind für die Bundesregierung besonders wichtig. Deshalb hat sie den Forschungshaushalt auch in diesem Jahr erhöht. Für die gesamte Legislaturperiode sind zwölf Milliarden Euro mehr für Bildung und Forschung vorgesehen. Mit diesen Mitteln wird selbstverständlich auch die Weiterentwicklung alternativer Energietechnologien gefördert und vorangetrieben.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr
Presse- und Informationsamt der Bundesregierung