Liebe Besucherinnen und Besucher,

seit 2006 beantwortete das Bundespresseamt Ihre Fragen auf dieser Plattform im Auftrag der deutschen Bundeskanzlerin. Im Zuge einer Neustrukturierung entwickelt das Bundespresseamt sein originäres Angebot weiter im Sinne eines Bürgerservices mit Dialogmöglichkeiten. Auf dieser Plattform wurden am Montag, den 30. April 2018, die letzten drei Fragen beantwortet. Neue Beiträge und Kommentare werden nicht mehr veröffentlicht.

Wir danken Ihnen für Ihre rege Teilnahme auf www.direktzurkanzlerin.de.

Ihr Moderationsteam

Abstimmungszeit beendet
Autor Martin Haspelmath am 26. Juni 2008
11890 Leser · 0 Kommentare

Außenpolitik

Kompromiss in Afghanistan?

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

Warum setzt sich die Bundesregierung nicht energisch für einen Kompromiss im Afghanistan-Konflikt ein?

Alle unabhängigen Kommentatoren stimmen überein, dass keine der beiden Bürgerkriegsparteien den Krieg gewinnen kann: Weder die Taliban-Opposition, noch die von der NATO unterstützte Karsai-Regierung. Laut General Dan McNeill, dem früheren ISAF-Oberbefehlshaber, bräuchte die Karsai-NATO-Partei mindestens 400 000 Soldaten statt der vorhandenen 100 000, um eine entscheidende Wende gegenüber der Opposition herbeizuführen. Dafür aber sind die Voraussetzungen in keinem Fall gegeben.

Es gibt also nur zwei realistische Alternativen:

(1.) Fortführung des Krieges wie bisher, mit tausenden von Toten jedes Jahr, auf unabsehbare Dauer.

(2.) Ein Kompromiss, der mit einer Regierungsbeteiligung der jetzigen Opposition enden würde.

In der zivilisierten Welt ist die zweite Lösung von Bürgerkriegen die normale -- so hat es in Bosnien und im Kongo funktioniert, und so kann es natürlich auch in Afghanistan funktionieren, wenn der Wille da ist.

Warum verfolgt die Bundesregierung nicht energisch diesen zweiten Weg, sondern eskaliert einen ungewinnbaren Krieg weiter (1000 weitere deutsche Soldaten sind gerade beschlossen worden)?

Bitte antworten Sie mir ehrlich (Sie können ruhig zugeben, dass die Bundesregierung sich US-amerikanischem Druck beugen muss, wenn das die Begründung sein sollte).

Mit herzlichem Dank und besten Grüßen,
Ihr
Prof. Dr. Martin Haspelmath