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Ihr Moderationsteam

Beantwortet
Autor Mirko Mieland am 16. November 2007
11209 Leser · 1 Kommentar

Bildung

Legasthenie - LRS - Dyskalkulie

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

laut Forschungen geht man davon aus, dass ca. 4 % aller Schüler und Schülerinnen von einer Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) oder Legasthenie betroffen sind.

Doch leider wird darauf im schulischen Bereich nur wenig bis gar nicht eingegangen. Lehrer werden während ihrem Studium zu dieser Thematik nicht genügend ausgebildet und sind oftmals überfordert, wenn sie auf Schüler mit Problemen im Schreiben, Rechnen und Lesen treffen. Da die schulische Förderung oftmals keine genügende Förderung gewährleisten kann, ist es für viele Betroffene notwendig, außerschulische Angebote (die oftmals sehr teuer sind) in Anspruch zu nehmen.

Da ich als Erzieher und Legasthenietrainer (und Vorstandsmitglied im Dachverband Legasthenie Deutschland e.V.) mit Betroffenen arbeite, hätte ich einige Fragen bzw. Anregungen:

- Einsatz von Legasthenietrainern an Schulen - Diese Trainer sind speziell ausgebildet und es sollte ein Budget für Schulen bereit stehen, um diese Trainer in Schulen einzusetzen.

- Eine Anerkennung von staatl. Seite würde Legasthenietrainern eine gute Basis geben. Wieso ist es nicht möglich, eine Anerkennung zu erhalten - denn diese Ausbildung ist ist EFQM (European Foundation for Quality Management) zertifiziert und
akkreditiert und genießt europaweite Anerkennung, das Fernstudium wird nach den Richtlinien der European Dyslexia Association
durchgeführt usw.

- Warum werden Trainer nicht in schulischen Bereichen eingesetzt, um Betroffene und Lehrer zu beraten und Förderung anzubieten?

- Warum werden Fachleute bzw. der Dachverband Legasthenie bei Ausarbeitungen von Legasthenieerlässen nicht angehört? Denn diese haben das Know - How und können eine gute Mitarbeit gewährleisten.

- Warum müssen Betroffene zig Stellen ablaufen, um eine Bescheinigung zu erhalten, dass eine Legasthenie vorliegt? Ein Trainer kann das im pädagogischen Bereich sehr gut feststellen und vermittelt bei Bedarf an andere Fachkräfte, wenn sekundäre Probleme auftreten.

- Warum werden Kinder meist zum Schulpsychologen geschickt? Es ist m.M. nach eine pädagogisch - methodische Sache, wenn keine sekundären Probleme wie Schulverweigerung o.ä. auftreten

Es ist schon Schade, dass man als ausgebildete Fachkraft sehr um seine Anerkennung kämpfen muss, da Richtlinien nicht gegeben sind. Viele Trainer aus Deutschland kämpfen z.B. um eine Anerkennung als Leistungsanbieter beim Jugendamt und werden abgeschmettert. Warum muss das sein? Diese Trainer erweisen in der täglichen Arbeit, dass Sie Betroffenen Unterstützung geben können.

Eine weitere Frage meinerseits: Warum sind die Legasthenie - Erlässe immer nur "Kann - Bestimmungen"? Leider sind diese sehr schwammig und halten eben diese Kann Bestimmung offen. Das heißt dann natürlich, das Schule an Jugendamt verweist und Jugendamt sagt, es wäre primär Aufgabe der Schule. (Verschwendete Zeit und Kraft, wenn einheitl. Regelungen vorhanden wären)

Sehen wir die Chance in der Bildungspolitik, auch Menschen die Probleme im Lesen - Schreiben - Rechnen haben, eine gute Schulbildung und Ausbildung zu gewähren.

Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie sich im Dienste legasthener Menschen engagieren und uns unterstützen! Im Januar werde ich zusammen mit meinem Kollegen eine Coaching - Agentur eröffnen, da wir sehen, dass der Bedarf an Aufklärung und Förderung vorhanden ist. Vielleicht können Sie uns dahingegen unterstützen?

Mit freundlichem Gruß

M.Mieland

Antwort
im Auftrag der Bundeskanzlerin am 27. Dezember 2007
Angela Merkel

Sehr geehrter Herr Mieland,


vielen Dank für Ihre Anfrage, die wir im Auftrag der Bundeskanzlerin beantworten.

Bildung ist für die Bundeskanzlerin ein ganz besonders wichtiges Thema. Die Bundesregierung hat daher eine Nationale Qualifizierungsinitiative gestartet. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung wird im Januar kommenden Jahres ein Konzept vorlegen, das ab Herbst 2008 mit den Ministerpräsidenten der Länder verwirklicht werden soll.

Im Vordergrund der umfangreichen Bildungsoffensive stehen Verbesserungen des gesamten Bildungssystems. Ziel ist es, den Menschen optimale Bildungschancen zu geben.

Es wird unter anderem auch angestrebt, die Zahl junger Menschen ohne Schulabschluss zu halbieren. Dieses Ziel ist nur mit individueller Förderung jeder Schülerin und jedes Schülers zu erreichen. Davon werden – wie auch von dem Ganztagsschulenprogramm - gerade auch Kinder mit Lese- und Rechtschreibschwächen unmittelbar profitieren.

Auf die Umsetzung der Positionen, die Sie und Ihr Verband vertreten, kann die Bundesregierung keinen direkten Einfluss nehmen. Denn für die Schulpolitik und den Schulunterricht sind in Deutschland ausschließlich die Länder zuständig.

Die Länder sind hier aber ihrer Verantwortung nachgekommen. Sie haben – zuletzt durch Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 15.11.2007 - die "Grundsätze zur Förderung von Schülerinnen und Schülern mit besonderen Schwierigkeiten im Lesen und Rechtschreiben oder im Rechnen" verabschiedet (www.kmk.org).

Fragen, wie die Länder dies im einzelnen umsetzen, bitten wir direkt
mit den zuständigen Ministerien der Länder zu klären. Die Kontaktdaten sind

unter www.kmk.org/aufg-org/adrmin.htm abrufbar.

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Kommentare (1)Schließen

  1. Autor gabriele roß
    am 16. November 2007
    1.

    Bild von gabriele roß gabriele roß (31 Minuten alt)

    Sehr geehrter Herr Mieland,
    ich danke für Ihre Nachricht. Gesetzt genau über meinem Beitrag ;-) Seit über ein Jahr kämpfe ich um meinen Sohn mit einer RAin aus Bad Homburg um einen Internatsaufenthalt. Wir sind alle entsetzt wie Schule und das Jugendamt mit uns umgeht. Mir wurde ganz deutlich gesagt Internat bezahlen sie nicht sie hätten mehr Geld und das Jugendamt hat noch nie einen Fall verloren. Die 3 Psychologen haben alles versucht und haben mittlerweile keine Gedult mehr für unsere Probleme. Ich weiß Christian hat eine schwere Störung und ADS und er leidet selbst stark darunter (normale IQ 120) lt. Gutachten. Es ist schon soweit das alle auf das Hauptverfahren warten weil das JA alle Gespräche abwürgt und uns nur ihre Stellung klar machen will. Gestern haben sie sich z.B. zu einem Hausbesuch angemeldet um einiges Klar zu stellen. Ich hatte einen Freund (Polizist) gebeten mir beizustehen und so sind die Damen dann wieder gegangen, weil er ihnen klar machte, dass sie keinen Rechtsanspruch haben. Ich weiß es wird jetzt wieder eine fürchterliche Reaktion kommen.
    Viele Grüße
    Gabriele Roß

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