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Abstimmungszeit beendet
Autor Will Arbeit am 09. Dezember 2009
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Arbeitsmarkt

Leiharbeit + Arbeitslosigkeit

Ich selbst habe einen Job, ich werde angemessen gut bezahlt und könnte sagen „Hauptsache mir geht’s gut“ – aber: Ich habe eine maßlose Wut wenn ich mit dem Thema Leiharbeit konfrontiert werde. Leiharbeitnehmer haben keine Lobby in diesem Land und ich finde es eine Schande was hier in den letzten Jahren „passiert“ ist. Leiharbeitnehmer verdienen ca. 1/2 im Vergleich zu den direkt vom Unternehmen beschäftigten Arbeitnehmern. Noch nie in der Geschichte Deutschlands gab es so viele Menschen, die trotz Vollzeitjob nicht von ihrer Arbeit leben können. Und wenn sie dann nach 1-2 Jahren auf der Straße stehen werden sie noch durch ein geringes Arbeitslosengeld weiter bestraft. Kommen sie ihrer Verpflichtung nach und bewerben sich durch Initiativbewerbungen bei Firmen bekommen sie von der Agentur für Arbeit einen Drohbrief, dass sie sich vorwiegend bei Verleihfirmen bewerben müssen, da sonst das Arbeitslosengeld gekürzt wird. (Unglaublich aber wahr - einer Bekannten, die ich bei ihren Arbeitssucheaktivitäten unterstütze wurde nun nachträglich für 2 Wochen das Arbeitslosengeld gestrichen, da sie dieser Aufforderung nicht nachgekommen ist und statt dessen ihre Bewerbungen auf dem freien Arbeitsmarkt tätigte.) Einen Job im weniger qualifizierten Bereich ist dank ihrer Politik mittlerweile kaum noch ohne Leiharbeit zu finden. Diese Menschen, die trotz Job noch vom Staat abhängig sind können niemals eine Rente erwirtschaften, von der sie leben können, geschweige denn fürs Alter vorzusorgen. Die meisten müssen sogar Schulden machen, weil vom Leiharbeitnehmerlohn kaum einer leben kann.
Ich bin wütend auf diese Politik, dass für noch im letzten Jahr 800.000 Leiharbeitnehmer nicht gerechte Verhältnisse geschaffen werden. Wir sind die Weltmeister im Gesetze machen, welche die da lauten „gleiches Geld für gleiche Arbeit“ und gleichzeitig die gesetzlichen Grundlagen schaffen, diese Gesetze zu umgehen indem Zeitarbeitsfirmen eigene Tarifverträge abschließen und damit dieses Gesetz umgehen dürfen. Nimmt man die aktuellen Leiharbeitnehmer, die aktuellen Arbeitslosen, die durch die geltenden Gesetze in Leiharbeit gezwungen werden und beachtet wie viel Familienangehörige davon noch betroffen sind kommen schnell ein paar Millionen Bundesbürger zusammen und ich frage mich „wie lange lassen die sich das noch gefallen bzw. wie lange dauert das noch bis wir hier eine Katastrophe erleben? Leiharbeit wurde einst geschaffen um Kapazitätsspitzen auszugleichen, hierfür ein gutes Mittel wie auch ich eingestehen muss. Aber: Leiharbeit sollte für Firmen teurer sein als eigene Arbeitnehmer, wie dies auch in anderen europäischen Ländern z.B. Frankreich praktiziert wird. Das wäre die Lösung des Problems, dann würden die Firmen wieder bevorzugt von der Möglichkeit befristete Verträge abzuschließen Gebrauch machen, anstatt Stammpersonal zu entlassen oder durch Leiharbeitnehmer zu ersetzen.
Ich würde mir wünschen, dass die Bundesregierung dieses Problem löst und nicht abwartet bis das Europäische Parlament hier für gerechte Bedingungen sorgt bzw. bis bei der nächsten Wahl die Linken 40 % der Stimmen erhalten.
Diesen Brief habe ich übrigens schon vor kurzem an mehrere Parteien gerichtet. Nur von den Linken (zu denen ich mich noch nicht zähle) bekam ich eine Antwort.
Danke für Ihre Aufmerksamkeit und viele Grüße