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Ihr Moderationsteam

Beantwortet
Autor Y. G. am 28. September 2009
34074 Leser · 0 Kommentare

Soziales

Mein persönliches Anliegen an die Regierung

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

ich würde Ihnen gerne eine Frage stellen.

Nachdem ich in der ZDF-Serie ´´Abenteuer Forschung`` über das Thema ´´Im Wettlauf mit der Zeit´´ über den momentanen Standpunkt
des Menschen in der modernen Welt informert wurde, war ich regelrecht schockiert. Nämlich sind genau die in der Serie angesprochenen Probleme hauptsächlich Grund dafür, weshalb ich und viele Menschen in der heutigen Zeit unter tierischen (Zeit-)Druck
leiden.
Der Punkt ist, dass der Mensch ja immer mehr Zeit für die Gesellschaft opfern muss, wozu ja wahrscheinlich jeder prinzipiell auch bereit ist, wodurch aber auch irgendwann eine menschliche Grenze erreicht worden ist. Viele normale Bürger wie ich, finden kaum noch Zeit für die Familie und den Menschen denen man wichtig ist, geschweige denn genügend Zeit zur körperlichen Erholung. Klar erfordern harte Zeiten viel Engagement der Bevölkerung um den negativen Konsequenzen zu trotzen, allerdings sind nicht mehr alle voll dazu fähig, ihren Körper und ihren Geist noch weiter zu strapazieren.
Das bereitet Anlass zur Sorge, denn in immer mehreren Teilbereichen des Lebens fängt es an zu bröckeln.
Die Entfremdung führt doch zu keinem guten Ausblick für die Zukunft dieses Landes und der Menschheit allgemein. Ein erholter Staat ist meiner Meinung nach ein leistungsfähigerer und stärkerer Staat.

Meine Frage an Sie ist:

Könnte man, schon wie in der Serie von Prof. Harald Lesch angesprochen, den Schutz vor solchen zeitlichen Druck, so skurril wie dies auch klingen möge, irgendwie gesetzlich als Menschenrecht annerkennen? In wiefern wäre dies durchsetzbar/tragbar?

Über eine baldige Antwort würde ich mich freuen.

Mit freundlichen Grüßen

Antwort
im Auftrag der Bundeskanzlerin am 05. November 2009
Angela Merkel

Sehr geehrter Herr G., vielen Dank für Ihre Frage, die wir im Auftrag der Bundeskanzlerin beantworten.

Zeitdruck, der auch als Stress empfunden wird, scheint heutzutage in der Tat immer mehr zuzunehmen. Nicht zuletzt befördern die weitverbreiteten neuen elektronischen Kommunikationsmittel ein solches Gefühl. Der richtige Umgang mit ihnen will allerdings gelernt sein.

Das bedarf jedoch keiner neuen verfassungsrechtlichen Regelung. Indirekt ist der Schutz vor zeitlichem Druck im Grundgesetz nämlich bereits enthalten.

Artikel 2 des Grundgesetzes bestimmt unter anderem: „Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit.“

Konkret heißt dies am Beispiel der Arbeitswelt: Hier ist Zeitdruck einer der Stressfaktoren, der zu vermeidbaren gesundheitlichen Beschwerden der betroffenen Beschäftigten führen kann. Das ist zum einen für die Beschäftigten selbst schlimm, zum anderen kostet es Unternehmen und Staat Milliardensummen. Deswegen gibt es verschiedene arbeitsrechtliche Regelungen bzw. Regelungen zum Arbeitsschutz, die hiergegen wirken sollen. Sie geben vor, wie Beschäftigte nicht zuletzt auch zeitlich einzusetzen beziehungsweise in Anspruch zu nehmen sind.

Als Handlungshilfe gegen Stress am Arbeitsplatz hat die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin im Übrigen eine Broschüre herausgegeben (http://www.baua.de/nn_28098/de/Publikationen/Broschueren/...)

Darin ist auch der Ansatz zur individuellen Stressbewältigung enthalten, der ebenso für die privat verbrachte Zeit anwendbar ist. Sich Ziele zu setzen und seine Zeit danach auszurichten, sind dabei erste Schritte hin zu mehr Zeit.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

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