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Beantwortet
Autor Sebastian Rittner am 25. Juli 2011
11441 Leser · 6 Kommentare

Kultur, Gesellschaft und Medien

Nach Norwegen Killerspiel-Verbot?

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

ist nach der aktuellen Katastrophe in Norwegen ein Killerspiel-Verbot geplant? Wie könnte ein solches Verbot konkret durchgesetzt werden?

Spiele, bei denen der Spieler andere Menschen systematisch und realitätsnah ermordet, entsprechen nicht der Menschenwürde. Realität und virtuelle Umgebung verschmelzen immer mehr miteinander. Die Altersbeschränkung von Killerspielen keine Lösung, wenn aus virtueller Gewalt tatsächliche Gewalt wird.

Oder anders gefragt: Wieviele reale Tote pro Jahr sind dem Staat die praktizierte "grenzenlose Freiheit" wert?

Mit freundlichem Gruß
Sebastian Rittner

Antwort
im Auftrag der Bundeskanzlerin am 02. September 2011
Angela Merkel

Sehr geehrter Herr Rittner,

vielen Dank für Ihre Frage, die wir im Auftrag der Bundeskanzlerin beantworten. Nach Ereignissen wie dem schrecklichen Terroranschlag eines Einzeltäters in Norwegen fragen viele Menschen nach den Ursachen solcher Taten und haben Vorschläge, um sie zu vermeiden. Dazu gehört auch ein Verbot gewaltverherrlichender Computerspiele, sogenannter „Killerspiele“.

Gewaltdarstellung ist in Deutschland nach § 131 des Strafgesetzbuches strafbar. Auch im Internet; es ist kein rechtsfreier Raum. Es gibt - in einem abgestuften System - ein umfassendes Herstellungs- und Verbreitungsverbot für gewaltverherrlichende oder -verharmlosende Spiele.

Gerichte oder Strafverfolgungsbehörden prüfen, ob ein Computerspiel gegen diese Norm verstößt. Die Bundesregierung prüft das nicht im Einzelfall – nach unserem klaren System der Gewaltenteilung sind für diese Überprüfung die Strafverfolgungsbehörden zuständig.

Computerspiele sind längst Teil unserer Alltagskultur und nehmen besonders bei Jugendlichen und Kindern viel Raum im Freizeitverhalten ein. Um Junge Leute besser vor medialen Gewaltdarstellungen zu schützen, ist 2003 ein neues Jugendschutzgesetz in Kraft getreten. 2008 ist es noch einmal verschärft worden – unter anderem durch genauere und erweiterte Beurteilungskriterien, um die Werbung für und Abgabe von jugendgefährdenden Spielen leichter verbieten zu können.

Gesetzliche Regelungen und Verbote allein genügen aber nicht, um Jugendliche vor dem Konsum medialer Gewalt zu schützen. Da Kinder und Jugendliche massiv mit den Angeboten verschiedener Medien konfrontiert werden, müssen sie lernen, damit umzugehen. Deshalb bemüht sich die Bundesregierung mit verschiedenen Initiativen, die Medienkompetenz junger Menschen zu stärken.

2003 startete die Initiative "Schau hin! Was Deine Kinder machen!" Sie soll die Öffentlichkeit für das Thema Kinder und Medien sensibilisieren. Um die Filmkompetenz von Kindern und Jugendlichen zu stärken, hat die Bundesregierung 2005 die Vision Kino GmbH ins Leben gerufen. In den „SchulKinoWochen“ werden Kinofilme im Unterricht aufgearbeitet. Das "Netz für Kinder" bietet einen geschützten Surfraum im Internet und umfasst wichtige Kinderseiten in Deutschland.

Alle staatlichen Maßnahmen ändern allerdings nichts an der besonderen Verantwortung der Eltern für das Wohl ihrer Kinder. So sollten gerade Erziehungsberechtigte die Mindestalterangaben für Filme und Computerspiele ernst nehmen und den Mut haben, auch einmal „Nein“ zu sagen.

Details finden Sie hier

Strafgesetzbuch http://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__131.html.

Jugendschutzgesetz http://www.gesetze-im-internet.de/juschg/__14.html

Jugendmedienschutz: http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/Service/Archiv/16-legislatur,...

Die Initiative „Schau hin!“ http://schau-hin.info/

SchulKinoWochen http://www.visionkino.de/WebObjects/VisionKino.woa/wa/CMS...

Die Initiative „Netz für Kinder“ http://www.ein-netz-fuer-kinder.de/gemeinsame_initiative/...

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Kommentare (6)Schließen

  1. Autor Fiete Hahn
    am 27. Juli 2011
    1.

    Es sind vorher schon genug Amokläufe passiert, wo die Täter auch mit Killerspielen in Verbindung gebracht wurden. Auch da wurde nichts grundlegendes bzgl. solcher Spiele geändert, weshalb sollte es diesmal anders sein?

  2. Autor c. heß
    am 01. August 2011
    2.

    ich denke , es muss erst hier etwas passieren , bevor überhaupt etwas passiert und das ist schlimm. Ich unterstütze soetwas auch , das solche Spiele aus dem verkehr gezogen werden müssen , genau so wie Waffen brauch kein Mesch zu hause und somit sollte man gleich solche Vereine schliessen . Kurz und Schmerzlos . Ihr werd sehen , in paar Wochen spricht kein Mesch merh darüber was in Norwegen passiert ist , oder spricht jemand über die Flutwelle wo die Reaktoren ausgelaufen sind und eine ganzen Land verseucht wurde?? Nein , da unterhält man sich hier in Deutschland darüber ob man sie abstellt oder nicht und man sagt , 2021 stellt man sie ab , obwohl bekannt ist das wir auf einem Pulverfass sitzen , somit sehen ich es schwarz, das hier eine Veränderung passiert.

  3. Autor c. heß
    am 02. August 2011
    3.

    ich weiss nicht , warum man darüber reden muss , soetwas muss sofort von den bildschirmen sowie aus dem internet . damit muss dann die industrie klar kommen und sollte sinnvolle spiele entwickeln zum beispiel wie geht man mit menschen um , da das hier alle auf dieser welt verlernt haben . hier geht es nur nich um macht und geld , was anderes spielt auf dieser welt keine rolle . es ist schlimm mit anzusehen , was menschen untereinander machen .

  4. Autor Bea Schmidt
    am 21. August 2011
    4.

    Es sind ja nicht nur die "Killerspiele" - wenn ich sehe, was täglich an Mord, Totschlag, Horror und Blutbad im Fernsehen läuft, so frage ich mich auch, wieso solche Filme überhaupt gedreht werden müssen?
    Ein Blick auf die Quickliste in meinem TV - und untereinander stehen Titel wie: "Mord im..." "Der Tod..." "Das Grauen..." "Kein Entrinnen..." - es gibt Tage, da greift man sich nur noch an den Kopf! Wenn die Menschen derart mit Gewalt gefüttert werden und schon Kinder in der Schulklasse meines Sohnes (Klasse 5) sich tatsächlich solche Filme anschauen dürfen, die ab 16 oder 18 sind - und das TV seinen Bildungsauftrag anscheinend vergessen hat, dann wundert mich so etwas wirklich nicht mehr...

  5. Autor Mirko Peters
    am 21. August 2011
    5.

    Es sind nicht die Killerspiele, die Menschen töten sondern Waffen. diese werden als drittgrößter Exportweltmeister aber von Deutschland verkauft. Ich selbst bin Familienvater und spiele oft sogenannte Killerspiele, mit den Pixeln habe ich noch niemanden getötet, mit echten Waffen geht das schon.
    Diejenigen, die ein Verbot von Killerspielen fordern, sollten lieber ein Verbot von Waffenexporten fordern, das verhindert Tote im realen Leben.
    Gerne würde ich mich über die Partei auslassen, die diese Exporte fördert, aber ich weiß nicht, ob daß dann noch gedruckt wird.

  6. Autor Marcel Mattern
    am 27. August 2011
    6.

    Was für Killerspiele? Diese Spiele existieren gar nicht, korrekt heißen die Ego-S., Kriegssimulationen usw.. Wer verbietet dann Autos, Küchenbesteck usw.? Die können auch zum Töten animieren.
    Selbst die Waffen, die Deutschland für andere Länder produziert, dran verdient und an besagte Länder verkauft müssten dann auch noch verboten werden. Die Hysterie um solche Spiele ist ein netter Kindergarten ohne Sinn und Logik!

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