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Beantwortet
Autor Georg Penzkofer am 13. Juli 2009
19284 Leser · 0 Kommentare

Wirtschaft

Nachhaltige Entwicklung durch verantwortungsbewusste Geldanlage

Sehr geehrte Frau Dr. Merkel,

seit dem Brundtland-Bericht (1987) versteht man unter nachhaltiger Entwicklung:
"Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die die Lebensqualität der gegenwärtigen Generation sichert und gleichzeitig zukünftigen Generationen die Wahlmöglichkeit zur Gestaltung ihres Lebens erhält."

Nachhaltige Entwicklung hat Hochkonjunktur: In dem „Fortschrittsbericht 2008 zur nationalen Nachhaltigkeitsstrategie“ werden auf 224 Seiten alle Aktivitäten, Strategien und Erfolge der letzten Jahre aufgezählt. Über Strategien zu einer nachhaltigen Entwicklung in der Finanzwelt wird nichts berichtet.

Im GG Art.14 (2) steht: Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen. Das heißt doch z.B.: Geldvermögen soll zu einer nachhaltigen Entwicklung im Sinne des Brundtland-Berichts beitragen.

Die Leute, die in der Lage sind Geld anzulegen, wollen Gewinne erzielen. Sie beabsichtigen nicht, dass mit der Geldanlage die Lebensqualität anderer beeinträchtigt wird. Im Normalfall wollen die Bürgern ihr Geld so anlegen, dass es Gewinn bringt und dem Wohle der Allgemeinheit dient, wie es das GG in Art.14(2) verlangt.

Der Zusammenhang zwischen hohen Renditen und negativen Auswirkungen einer konkreten Geldanlage auf die Umwelt und auf die Lebensqualität von Menschen ist für einen Laien nicht durchschaubar. Es wäre m.E. Aufgabe der „Forschung für Nachhaltigkeit“ diese Zusammenhänge sichtbar zu machen.

Im Bundesministerium für Bildung und Forschung läuft das Projekt „Forschung für Nachhaltigkeit“. Sind Sie auch der Meinung, dass in diesem Projekt Kriterien entwickelt werden sollen, mit denen bewertet werden kann, ob und wie stark das in einer konkreten Geldanlage (z.B. Bundesschatzbriefe oder Shell-Aktien) investierte Kapital dazu beiträgt, die Lebensqualität der gegenwärtigen Generation zu sichern und zukünftigen Generationen die Wahlmöglichkeit zur Gestaltung ihres Lebens zu erhalten?

Mit diesen Kriterien sollte jede auf dem Finanzmarkt angebotene Möglichkeit Geld gewinnbringend anzulegen mit einem Brundtland-Maß bewertet werden. z.B. Brun(0) bis Brun(10) oder Brun(-5) bis Brun(+5)

So ein Brundtland-Maß wäre Richtschnur für verantwortungsbewusste Anleger. Es hülfe bei der Auswahl der Aktie und bei der Ausübung des Stimmrechts in der Hauptversammlung. Die Steigerung des Brundtland-Maßes der Aktie könnte z.B. die Zahlung von Boni begründen.
Neben dem Gewinn würde die nachhaltige Entwicklung der Unternehmen immer wichtiger.

Sehr geehrte Frau Dr. Merkel, werden Sie sich als Vorsitzende der CDU für die Entwicklung der Kriterien zur Bewertung der Geldanlagen mit diesem Brundtland-Maß einsetzen?

Mit freundlichen Grüßen
G. Penzkofer

PS.: Als Antwort reicht ein klares Ja oder Nein, mit zwei begründenden Sätzen. Danke!

Antwort
im Auftrag der Bundeskanzlerin am 17. August 2009
Angela Merkel

Sehr geehrter Herr Penzkofer,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die wir im Auftrag von Bundeskanzlerin Angela Merkel beantworten.
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) entwickelt im Rahmen der Forschungsstrategie „Forschung für Nachhaltigkeit“ Kriterien für Geldanlagen: im Förderschwerpunkt "Wirtschaftswissenschaften für Nachhaltigkeit". Ökonominnen und Ökonomen arbeiten mit Praktikern aus Wirtschaft, Verwaltung, Zivilgesellschaft und Medien zusammen. Gemeinsam entwickeln sie Handlungsstrategien, wie die Wirtschaftswissenschaften zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen können. Geldanlagen sind dabei eines von zahlreichen Themen.

Erfreulich ist, dass sich immer mehr Menschen bei Geldanlagen nicht nur für die höchste Rendite interessieren. Anlagemöglichkeiten, die soziale, ethische und ökologische Kriterien berücksichtigen, gewinnen an Attraktivität. Sie reichen von den klassischen Anlageformen wie dem Sparbuch und Rentenpapieren über Aktien und Investmentfonds bis hin zu direkten Unternehmensbeteiligungen.

Inzwischen gibt es auch Aktienindizes, die sich mit nachhaltigen Anlagen beschäftigen. Sie weisen Unternehmen aus, die unter ökologischen und sozialen Gesichtspunkten vorbildlich agieren.

Wir bitten um Verständnis, dass das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung grundsätzlich keine Informationen oder Bewertungen zu den Wahlprogrammen der Parteien gibt. Bitte wenden Sie sich bei Fragen zu Parteiprogrammen unmittelbar an die jeweilige Bundes- oder Landesgeschäftsstelle.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr
Presse- und Informationsamt der Bundesregierung