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Abstimmungszeit beendet
Autor Stephan Herbst am 25. Februar 2009
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Wirtschaft

Opel oder Schaeffler, warum rettet man ein US Unternehmen?

Sehr geehrte Frau Merkel,

warum werden so große Anstrengungen unternommen um Opel zu retten, wenn doch ein viel größeres Unternehmen aus Deutschland, die Schaeffler KG, auf den Spiel steht?

Bei Opel ist das Problem schon immer in den USA gelegen. Man entzieht GM Europe und seinen Töcherunternehmen ständig das Eigenkapital um die Katastrophe der Pleite in den USA abzuwenden. Dabei stehen die Betriebe immer ohne Entwicklungskapital da und in Deutschland hilft der Staat (Bund und Länder) für neue Entwicklungen und Produktionslinien. Das spiel läuft so schon seit Jahren. Jetzt wird das Spiel durch die Kapitalmarktkrise noch so verschärft, dass es nur noch Sieg über Staatshilfen geben kann.

Bei Schaeffler ist ein Familienunternehmen, dass hier in Deutschland entstanden ist und seine Produktion und sehr vielen Branchen hat, durch die einmalige Übernahme von Continental ins Schlittern geraten. Das Management hat nicht mit der Schieflage von Banken gerechnet und hat sich ausgerechnet bei Banken Kredite geliehen, die kurz vor den Bankrott stehen Geld geliehen ( Commerzbank, Royal Bank of England, usw.). Jetzt sieht es bald so aus als wollten diese Banken einen Konkurs und die Filetstückchen meistenbringend verkaufen. Schaeffler kann den Kredit zwar abbezahlen, doch durch die Absatzkrise in der Automobilzuliefersparte werden bald die laufenden Zinsen wahrscheinlich nicht mehr bedient. Die Banken haben vor der Finanzkrise (die sie selbst verursacht haben) bei Übernahmen mit solchen Szenarien die Zinsen ausgesetzt und später verrechnet. Das können sie sich selbst nicht mehr leisten.

Jetzt ist die Sache: Was will die Bundesregierung?
Opel hat 26000 Beschäftigte. Bei einer Pleite würde das ca. 52000 Arbeitslose (einschließlich den Beschäftigten aus Zulieferbetrieben) geben.
Schaeffler hat 210000 Beschäftige. Bei einer Pleite würde das ca. 420000 Arbeitslose (einschließlich den Beschäftigten aus Zulieferbetrieben) geben. Allerdings ständen damit alle Automobilunternehmen, Windkraftunternehmen, Rotorenbauer und Robotorhersteller (auch Opel) mit den Rücken an der Wand und müssten schnellstmöglich die Zulieferproduktionen aus der Insolvenzmasse abkaufen, um nicht einen Produktionsstopp zu bekommen. (Ich wäre gespannt, ob dieser Schlag dann für Opel auf von der Regierung übernommen wird. Da Opel die meisten Teile von Bosch und Continental bekommt.) Das würde den Banken zu Gute kommen. Jetzt hat ja schon Herr Steinbrück gesagt eine Pleite von Schaeffler würde ungefähr so ablaufen, wie die Pleite von Babcock Borsig und wäre damit eine Option. Das hieße also, das ungefähr 50% der Produktion ohne Stopp nur unter neuen Namen weiterlaufen würde. Dabei würde ausländische Investoren den Hauptteil übernehmen. Das wären immernoch 210000 Arbeitslose, die man abfangen müsste.

Also sind das bei Schaeffler deutlich höhere Belastungen für den Staat, als bei Opel. Durch einer Pleite von Opel hätte Schaeffler sicherlich auch ein Prolblem, das sich aber leichter fangen lässt, als umgekehrt.

Ich bin zwar aus Thüringen, frage mich aber warum wir ausländische Unternehmen im großen Stiel retten (die Hypo Real Estate gehört auch zum größten Teil ausländischen Investoren) und unsere Familienunternehmen Stück für Stück ins Ausland verkaufen. Wird da nicht falsch angesetzt? Familienunternehmen wurden von der Regierung immer als Grundpfeiler unserer Wirtschaft gesehen! Was machen sie da jetzt mit der Pfeiler?

Mit freundlichen Grüßen

S. Herbst