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Ihr Moderationsteam

Beantwortet
Autor Claudia Schmieder am 07. September 2010
6656 Leser · 0 Kommentare

Arbeitsmarkt

Pflegekräfte/Hartz IV

Sehr geehrte Frau Dr. Merkel,

auch ich würde Ihnen gerne eine Frage stellen bzw. einen Denkanstoß geben.?!

Kurz zu den Rahmenbingungen: Ich, weibl. 46 Jahre alt, Mitarbeiterin d. Personalentwicklung eines Automobilzulieferes, mein Mann, 47 Jahre alt,seit mehr als 25 Jahre in der Pflege tätig , meine Tochter 21 Jahre alt z.Zt. i.d. Ausbildung zur Altenpflegerin.

Sie sehen wir haben in unsererer Familie eine interessante
Konstellation. Mein Mann und auch meine Tochter üben Ihren Beruf aus Überzeugung, mit Nächstenliebe und mit medizinischer und qualitativer Bildung an pflegebdürftigen
Menschen aus.
Sie und auch ich wünschen uns später von so ausgebildeteten und fürsorglichen Menschen gepflegt zu werden, oder?

Es ist für mich schwer zu begreifen, dass Sie in der Öffentlichkeit diesen, doch sehr besonderen Beruf, herunterqualifzieren indem jeder Hartz IV Bezieher in der Pflege tätig sein könnte. Ich denke mit diesen Aussage macht man die Bereitschaft in diesem Beruf zu arbeiten nicht attraktiver. Wenngleich ich nicht unterstellen möchte, dass es Bereitschaft gibt von Menschen,die in die Arbeitslosigkeit geraten sind, und für die eine Umschlung zur Altenpger/in vorstellbar ist, aber doch immer unter der Prämisse fachlich und menschlich in der Lage dazu zu sein.

Ich würde mich freuen, wenn ich dazu eine Stellungnahme bekommen würde,

Claudia Schmieder

Antwort
im Auftrag der Bundeskanzlerin am 07. Oktober 2010
Angela Merkel

Sehr geehrte Frau Schmieder,

vielen Dank für Ihre E-Mail, die wir im Auftrag der Bundeskanzlerin beantworten.

Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt, und so steigt in Deutschland auch der Bedarf an Pflegerinnen und Pflegern. Derzeit sind in Deutschland rund 2,1 Millionen Menschen pflegebedürftig. Bis 2030 werden über drei Millionen Menschen pflegebedürftig sein.

Die Bundesregierung misst den Pflegeberufen einen hohen Stellenwert bei. Ein Beispiel ist das „Servicenetzwerk Altenpflegeausbildung“. Das Projekt des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend richtet sich an Altenpflegeeinrichtungen und ihre Träger. Es hat von 2007 bis 2010 ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen in allen Fragen der Altenpflegeausbildung beraten.

Unter folgendem Link finden Sie hierzu weitere Informationen: http://www.altenpflegeausbildung.net/snaa/erste.

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) unterstützt Weiterbildungen zu staatlich geprüften Altenpflegern. Arbeitslose, die diese Ausbildung absolvieren, müssen die gleichen Anforderungen wie alle anderen Altenpfleger erfüllen. Sie bestehen die gleichen Prüfungen und sind danach genauso qualifiziert. Der Beruf ist bundesweit einheitlich geregelt.

Weiterhin fördert die BA Weiterbildungen zu Altenpflegehelfern und Alltagsbegleitern in der Demenzpflege. Altenpflegehelfer helfen den Altenpflegern dabei, ältere Menschen zu betreuen. Sie unterstützen die Senioren zum Beispiel bei der Körperpflege oder organisieren Spielnachmittage. Verwaltung, Pflegeplanung und medizinische Betreuung übernehmen vor allem die Altenpfleger. Die Ausbildung von Altenpflegehelfern dauert in der Regel ein Jahr. In Hamburg sind es zwei Jahre.

Arbeitslose, die schon in der Pflege vorgebildet sind, können Alltagsbegleiter in der Demenzpflege werden. Der Kurs dauert rund 100 Stunden. Die Alltagsbegleiter übernehmen keine pflegerischen Aufgaben, sondern helfen den Patienten in ihrem Alltag.

Auch geringqualifizierte Pflegekräfte, die schon in Altenpflegeeinrichtungen arbeiten, haben die Möglichkeit, sich weiterzubilden. Mit dem Programm „WeGebAu“ (Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter älterer Arbeitnehmer in Unternehmen) können sie sich zu Altenpflegehelfern und teilweise zu Altenpflegern ausbilden lassen.

Die Bundesregierung legt bei allen Ausbildungen oder Qualifizierungen Wert darauf, dass Menschen eine Pflege bekommen, die medizinisch und pflegerisch notwendig ist. Doch auch die Freizeitgestaltung und das Gefühl, umsorgt zu sein, sind für Pflegebedürftige wichtig. Hier können Pflegehelfer und Alltagsbegleiter viel Unterstützung leisten.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

Presse- und Informationsamt der Bundesregierung