Liebe Besucherinnen und Besucher,

seit 2006 beantwortete das Bundespresseamt Ihre Fragen auf dieser Plattform im Auftrag der deutschen Bundeskanzlerin. Im Zuge einer Neustrukturierung entwickelt das Bundespresseamt sein originäres Angebot weiter im Sinne eines Bürgerservices mit Dialogmöglichkeiten. Auf dieser Plattform wurden am Montag, den 30. April 2018, die letzten drei Fragen beantwortet. Neue Beiträge und Kommentare werden nicht mehr veröffentlicht.

Wir danken Ihnen für Ihre rege Teilnahme auf www.direktzurkanzlerin.de.

Ihr Moderationsteam

Beantwortet
Autor Anneliese Weber am 17. Juni 2016
6415 Leser · 15 Kommentare

Die Kanzlerin direkt

Plakatserie der BzgA Liebesleben

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Dr. Merkel,

als dreifache Mutter und auch als Großmutter möchte ich Ihnen meine Sorgen wegen der Kampagne "Liebesleben" der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung mitteilen.
Mit provokanten Motiven wird damit Werbung für die Nutzung von Kondomen gemacht.

Auch Familien aus meinem Bekanntenkreis sind sehr empört, dass z. B. ausgerechnet in der Nähe von Grundschulen und Bushaltestellen, an denen Kinder auf ihren Bus warten, diese Plakate hängen. Diese Darstellungen von Sex als zu konsumierender Spaß - ein Beispiel für Kinder und Jugendliche? Oder für Flüchtlinge? Denn auch in der Nähe von Flüchtlingsunterkünften hängen diese Plakate.
Solche Bilder regen evtl. die Fantasie der Kinder zum Nachspielen an. Oder bei sehr sensiblen Kindern könnte das natürlich angelegte Schamgefühl verletzt werden.
Diese Aktion hat keine Akzeptanz bei der Mehrheit der Bürger, wie ich in meinem Umfeld feststellen konnte.

In meiner Nähe gibt es eine Psychologische Praxis, in der Kinder therapiert werden die durch einen verfehlten Sexualkundeunterricht traumatisiert sind.
Kann man Kinder nicht auf dem Schulweg mit Erwachsenen-Sexualität in Ruhe lassen?

Frau Bundeskanzlerin, Sie haben mein Vertrauen! Im Namen vieler Familien möchte ich Sie fragen: Können Sie die sicher gut gemeinte Aktion stoppen?

Vielen Dank!

Mit freundlichen Grüßen

Anneliese Weber
Initiative “Schützt unsere Kinder”

Antwort
im Auftrag der Bundeskanzlerin am 18. Juli 2016
Angela Merkel

Sehr geehrter Frau Weber,

vielen Dank für Ihre Frage, die wir im Auftrag der Bundeskanzlerin beantworten.

In Deutschland steigt – wie in vielen Ländern Europas – die Zahl der sexuell übertragbaren Infektionen. Gleichzeitig ist das Wissen über sexuell übertragbare Krankheiten gering. Das ergab eine Repräsentativuntersuchung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: „AIDS im öffentlichen Bewusstsein“.

Basiswissen, wie man sich vor HIV/Aids schützen kann, ist nahezu in der gesamten Bevölkerung vorhanden. Die Neuinfektionszahlen sind auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Dennoch infizieren sich jedes Jahr etwa 3.200 Menschen neu mit HIV. Das bedeutet: Die HIV-Prävention bleibt wichtig.

Symptome und Therapiermöglichkeiten anderer sexuell übertragbarer Infektionen sind dagegen wenig bekannt. Zum Beispiel erkranken viele an der Chlamydien-Infektion, aber nur 54 Prozent der über 16-jährigen Frauen und 38 Prozent der gleichaltrigen Männer kennen diese Krankheit. Infektionen mit Humanen Papillomviren (HPV) sind noch weniger bekannt. Sie können bei Frauen Gebärmutterhalskrebs auslösen. Eine Impfung kann Frauen schützen.

Wer nicht um Krankheiten weiß, nicht für deren Symptome sensibilisiert ist, kann sich nicht schützen. Genau hier setzt die Kampagne LIEBESLEBEN an. Sie löst die erfolgreiche Kampagne „Gib AIDS keine Chance“ ab, die vor dreißig Jahren startete. LIEBESLEBEN hat alle sexuell übertragbaren Infektionen im Blick. Sie informiert über HIV und andere sexuell übertragbaren Infektionen, wie beispielsweise zu Chlamydien, HPV, Syphilis oder Hepatitis.

Sexuell übertragbare Infektionen sind nicht harmlos. Unbehandelt können sie übertragen werden und vielfältige Beschwerden verursachen – zum Teil schwere Gesundheitsschäden wie Unfruchtbarkeit, Zeugungsunfähigkeit oder Krebs. LIEBESLEBEN informiert auch im Internet und ermöglicht persönliche Beratung.

Die Kampagnen-Motive sind vor der Veröffentlichung in der Bevölkerung getestet worden und fanden bei der überwiegenden Mehrheit der Befragten eine hohe Akzeptanz. Die Motive wurden als geeignet eingeschätzt, mehr Menschen dazu zu bringen, sich beim Sex vor einer möglichen Ansteckung zu schützen und bei Verdacht auf eine Infektion zum Arzt zu gehen.

Um sexuell übertagbare Krankheiten einzudämmen, hat die Bundesregierung eine Strategie entwickelt. Das Kabinett hat sie am 6. April 2016 beschlossen, sie ist hier nachzulesen: http://www.bmg.bund.de/fileadmin/dateien/Publikationen/Pr...

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Kommentare (15)Schließen

  1. Autor Felizitas Stückemann
    am 17. Juni 2016
    1.

    Frau Weber: Volle Zustimmung! das geht zu weit.

  2. Autor Anneliese Weber
    Kommentar zu Kommentar 1 am 17. Juni 2016
    2.

    Danke Frau Stückemann!

  3. Autor Erhard Jakob
    am 17. Juni 2016
    3.

    Ich schließe mich der Weltanschauung von Felizitas Stückemann
    und Anneliese Weber uneingeschrängt an. Leider gibt es auch
    viele *GRÜNE*, die das anders sehen. Mit dem überzogenen
    Sexualkundeunterricht kann man auch leicht das Gegen-
    teil errreichen, was die Regierung sicher
    erreichen will.
    .
    Solche Plakate nützen den Kindern (Menschen) nicht!
    Im Gegenteil! Sie richten eher noch Schaden an!

  4. Autor Bea Schmidt
    am 18. Juni 2016
    4.

    Da schließe ich mich an. Bereits in der ersten Klasse musste mein Sohn am Aufklärungsunterricht teilnehmen; da in unserer Schule damals 1 - 3 Klasse als Eingangsstufe gemeinsam unterrichtet wurden, war das für die damals 5 jährigen (Ja, in Berlin musste man mit 5 eingeschult werden) eine einzige Tortur, weil eben viele Kinder noch ein natürliches Schamgefühl besitzen. Ich persönlich habe diese Sexualisierung der Gesellschaft so satt und die meisten Menschen, die ich kenne, mögen dies auch nicht. Für mich sind *GRÜNE* mit ihrer überzogenen Ansicht zu diesem Thema nur noch unwählbar; scheinbar muss alles heute an die Öffentlichkeit gezerrt werden, was doch eigentlich ureigenste Privatsache ist. Der Sexualkundeunterricht jedenfalls hat einigen Kindern geschadet, was auch von Seiten der Lehrerin zugegeben wurde. Ich habe mir gerade einmal ein paar der Plakate über das Internet angesehen. In einer privaten Broschüre für Jugendliche ist das okay, aber nicht an Bushaltestellen. Mit "eine Zensur findet nicht statt" wird offenbar heute jeder gute Geschmack geopfert. Dass es auch Menschen gibt, die damit nicht konfrontiert werden möchten, das bleibt außen vor. Toleranz wird heute als Einbahnstraße verstanden - diejenigen, die am lautesten Toleranz einfordern, haben oft wenig Toleranz für die Menschen übrig, die bestimmte Dinge in ihrem Leben eben nicht wollen und schon gar nicht unfreiwillig sehen möchten. Ich schließe mich Ihrer Ansicht 100%ig an.

  5. Autor Anneliese Weber
    Kommentar zu Kommentar 4 am 20. Juni 2016
    5.

    Vielen Dank Frau Schmidt für Ihren wertvollen Kommentar! Es tut mir sehr leid das Kinder in jungen Jahren einen Sexualkundeunterricht aushalten müssen, der Ihnen schadet. Und es wäre sehr hilfreich, wenn Lehrer, denen ja vom Kultusministerium der Lehrplan aufgezwungen wird, sowie Eltern noch mehr in der Öffentlichkeit darüber berichten könnten. Im Grundgesetz steht dass Eltern das alleinige Erziehungsrecht haben, das ihnen vom Staat genommen wird, indem er darüber entscheidet, was für eine Art von Sexualerziehung unsere Kinder bekommen sollen. Gerade bei einem so sensiblen Thema. Vielen Dank nochmals.

  6. Autor Felizitas Stückemann
    am 22. Juni 2016
    6.

    Die 2 x Minus-Votings verstehe ich nicht: Wer gerne Sex-
    Abbildungen betrachtet, kann sich solches mit nach Hause
    nehmen. Das steht jedem frei. In die Öffentlichkeit, auf dem
    täglichen Schulweg der Kinder, hat das nichts zu suchen !

  7. Autor Felizitas Stückemann
    am 22. Juni 2016
    7.

    Korr.: "In der Öffentlichkeit..."
    Ergänzung.: Wenn die jungen männlichen Füchtlinge dies
    in der Öffentlichkeit wahrnehmen, kann der Gedanke entstehen:
    Na, wenn das hier so ist, können wir ja loslegen....

  8. Autor Erhard Jakob
    am 30. Juni 2016
    8.

    Felizitas,
    die 7 x Minus Votings haben ganz sicher nichts
    mit dem sehr guten Beitrag zu tun. Böse
    Menschen gibt es immer
    und überall.
    .
    Deshalb spreche ich mich seit Jahren für eine
    namentliche Abstimmung aus. In diesem Fall
    könnte man sehen, wer mit Plus und
    mit Minus abgestimmt hat.
    .
    Auch spreche ich mich dafür aus, dass man
    hier nur mit dem richtigen und vollständigen
    Namen posten dürfen sollte.
    .
    Viele verstecken sich feige hinter einer Maske.
    Diese feigen Menschen sollten hier
    nicht posten dürfen.

  9. Autor Felizitas Stückemann
    am 01. Juli 2016
    9.

    Erhard zu 8.: Stimme voll zu !

  10. Autor Chris Stamitz
    am 04. Juli 2016
    10.

    Der Staat hat sich in solche Fragen nicht einzumischen.

  11. Autor Norbert Stamm
    am 07. Juli 2016
    11.

    Schulpflichtige Kinder habe ich nicht mehr, bin jedoch der Meinung, dass angemessener Sexualkundeunterricht (in einer Form, die die kindliche Psyche und den jeweiligen Reifegrad der Schüler berücksichtigt, was man Pädagogen zutrauen sollte) erforderlich ist. Auch bei den Kleinen, die über die Gefahr von Missbrauch aufzuklären sind.
    Da ich auf dem Land wohne, habe ich nicht viele dieser Plakate gesehen; nur mal eines im Vorbeifahren, auf dem nicht viel zu sehen war. Man soll aber nicht die Illusion haben, dass man Kinder - und erst gar Jugendliche! - vor Sexualität „schützen“ könnte, die nun mal Bestandteil des Lebens ist. Aber man muss sie über die dabei bestehenden Gefahren aufklären. Und Kondome spielen nun mal eine wichtige Rolle für Schutz vor Ansteckung mit Geschlechtskrankheiten sowie ungewollter Schwangerschaft.
    Deshalb finde ich dieses Thema - unabhängig von der Weltanschauung, allein schon aus lebenspraktischen Gründen - wichtig und bin für die Beantwortung der Frage durch die Bundeskanzlerin. Also stimme ich mit +.

  12. Autor Erhard Jakob
    am 07. Juli 2016
    12.

    Zu 10.
    Wenn es um die Gesundheit und das Wohlbefinden
    der Menschen >auch der kleinen Menschen<
    geht, ist die Regierung bzw. der Staat
    schon zuständig.

  13. Autor Felizitas Stückemann
    am 08. Juli 2016
    13.

    Zu 12.: ganz genau Erhard. Außerdem handelt es sich
    bei den Verantwortlichen ja gerade um die staatlich
    angeschlossene "Bundeszentrale für gesundheitliche
    Aufklärung" also eben nicht um eine Untrenehmens-
    Reklame !

  14. Autor Norbert Stamm
    am 08. Juli 2016
    14.

    Zu 12: Aufklärung und Erziehung zu verantwortlichem Verhalten auch auf dem Gebiet der Sexualität sollen der Gesundheit der Menschen dienen. Aber natürlich gibt es für dieses Ziel noch wichtigeres: Das ganze Gesundheitswesen sollte dem Staat wesentlich mehr wert sein und nicht privatisiert werden, dass es zum Geschäft (Profitmaximierung!) für Investoren wird.

  15. Autor Erhard Jakob
    am 09. Juli 2016
    15.

    Felizitas,
    in Kenntnis dieses Sachverhaltes, empfinde ich
    die Werbe-Aktion besonders befremdlich.

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