Liebe Besucherinnen und Besucher,

seit 2006 beantwortete das Bundespresseamt Ihre Fragen auf dieser Plattform im Auftrag der deutschen Bundeskanzlerin. Im Zuge einer Neustrukturierung entwickelt das Bundespresseamt sein originäres Angebot weiter im Sinne eines Bürgerservices mit Dialogmöglichkeiten. Auf dieser Plattform wurden am Montag, den 30. April 2018, die letzten drei Fragen beantwortet. Neue Beiträge und Kommentare werden nicht mehr veröffentlicht.

Wir danken Ihnen für Ihre rege Teilnahme auf www.direktzurkanzlerin.de.

Ihr Moderationsteam

Abstimmungszeit beendet
Autor Sarah Jabri am 19. Juni 2013
6102 Leser · 9 Kommentare

Die Kanzlerin direkt

Sklaverei in Deutschland

Sehr geehrte Frau Kanzlerin,
Ich möchte ein Problem ansprechen was viele hier bedrückt,
Anfang des Jahres hieß es, dass der Mindestlohn für Leiharbeiter aufgestockt werden soll auf 8,29€. Mein Mann z.b. Arbeitet immer noch für 8,19€.
Wann soll das ganze endlich ein Ende haben?
Leiharbeiter sind wie Sklaven.
Ich werde ihn ein Beispiel meines Mannes nennen:
Mein Mann arbeitet 140 Stunden im Monat für 8,19€ bekommt dafür ungefähr 1000€ netto raus. Vom diesen 1000€ netto muss er noch Fahrtkosten bezahlen. Je nach Einsatzort was der Arbeitgeber sich aussuchen darf fast jeden Tag wo anders bezahlt mein Mann fast 350€ Fahrtkosten aus eigener Tasche. Die Strecken sind so weit dass er 3 Zonen zahlt. Er würde sich gerne eine Monats Karte kaufen aber da er jedes mal wo anders arbeitet ist das nicht möglich. Er arbeitet also 8 Stunden am Tag für 650€. Überstunden werden nicht bezahlt. Eine Familie kann mein Mann nicht ernähren. Zu den 8 Stunden arbeitet kommen 3 Stunden fahrt dazu. Ist das noch gerecht was hier läuft? Mein Mann darf sich Ende des Monats auf 650€ freuen.

Bitte, es muss endlich was passieren!
Mit freundlichen Grüßen
Sarah Jabri

Bitte sprechen sie mal mit ein paar Menschen die Leiharbeiter sind die werden ihnen bestimmt die Verhältnisse schildern können

Kommentare (9)Schließen

  1. Autor Alexander Guckenheimer
    am 19. Juni 2013
    1.

    Hallo Frau Jabri,

    wenn Ihr Mann 145 Stunden zu je 8,19€/h arbeitet, dann gehe ich davon aus, dass er ca. 1200€ Brutto im Monat verdient. Würde er in eine Gewerkschaft eintreten, müsste er 1% vom Brutto Mitgliedsbeitrag leisten. Dies wären 12€.

    Arbeitsbedingungen, Tarifverträge, Urlaubsansprüche und ähnliches handeln die Gewerkschaften für uns Arbeiter aus. Sie üben Druck auch auf die Politik aus. Solange den Gewerkschaften die Mitglieder davon laufen um sich den 1% Brutto zu sparen, solange werden auch die Leihfirmen die Mitarbeiter ausbeuten.

    Wenn Ihr Mann einer Gewerkschaft beitritt, dann enthält der Beitrag auch gleichzeitig den Anspruch auf Rechtschutz durch einen Anwalt gegenüber dem Arbeitgeber. Er erhält die Möglichkeit sich durch Kurse der Gewerkschaft weiterzubilden, um eben eine qualitativ höherwertigere Arbeit auszuführen und dafür mehr Lohn verlangen zu können. Nicht zuletzt unterstützt er den Kampf gegen die Krake "Leihfirma".

    Wenn Ihr Mann von den 1200€ noch 350€ fürs fahren ausgeben muss, dann bleiben ihm Brutto 5,86€/h übrig. Solange er dafür bereit ist zu arbeiten, wird die Firma ihm auch nicht mehr bezahlen. Entweder führt er den Kampf alleine und weigert sich für dieses Geld zu arbeiten, oder er bezahlt 12€ im Monat und lässt andere für sich kämpfen.

    In Deutschland herrscht Tarifautonomie, die Politik darf gesetzlich nicht tatsächlich in Ihr Leid eingreifen. Es können nur Arbeitnehmervertreter machen.

  2. Autor Ralf Schumann
    am 19. Juni 2013
    2.

    Ich stimme Ihnen voll zu.
    Das sollte mal gesetzlich geklärt werden:
    1. Fahrzeit von der Leihfirma zum Arbeitsort ist eine Dienstreise und die muss nicht nur als solche vergütet, sondern die Fahrkosten müssen erstattet werden.
    2. Bereitschaftszeiten müssen voll vergütet werden.
    3. Zuschläge bei Einsätzen über 4 Wochen in gleichen Firmen bis zum Tarif dort.
    Es darf nicht für Firmen rentabel sein, sich dauerhaft Arbeitskräfte auszuleihen.

    Übrigens, Frau Jabri, auch wenn es wenig tröstet: Sie können Hartz 4 beantragen, was Sie sicherlich schon tun mussten und die Fahrkosten als Werbungskosten angeben.

  3. Autor Ralf Schumann
    am 19. Juni 2013
    3.

    Da stimme ich Ihnen voll zu.
    Ich verstehe nicht, weshalb unsere Politiker kein Verständnis für Leiharbeiter haben. Warum kann nicht festgelegt werden, dass die Leiharbeitsfirma der Arbeitsort ist und ab dort eine Dienstreise beginnt. Somit sind die Arbeitszeit und die Reisekosten Sache der Leiharbeitsfirma. In allen Firmen ist das so und stellt bei Leiharbeitern eine deutliche Benachteiligung dar. Auch das Prinzip "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" wird hier verletzt, da die Leiharbeiter dieselbe Arbeit erledigen wie die festangestellten. Ich finde, eine Übergangsphase von vielleicht 4 Wochen angemessen, aber dann sollte niemand benachteiligt werden.
    Der Auftraggeber hat doch schon den Vorteil, den Arbeitnehmer nicht kündigen zu müssen, wenn er ihn nicht braucht.
    Auch Bereitschaftszeiten wegen Beschäftigungsmangel sind eine Ausnutzung der Leiharbeiter. Da müssen die Mitarbeiter Teilzeitverträge von z.B. 20 Stunden hinnehmen, aber 20 weitere Überstunden pro Woche leisten und somit Vollzeit arbeiten, damit sie bei Auftragsmangel die Stunden nehmen müssen. In großen Firmen gibt es dafür Überstundenzuschläge, aber hier nicht.
    Von einem halben Arbeitsplatz kann niemand leben und so muss wieder mit Hartz 4 aufgestockt werden.
    Was für eine Irrsinn!!!

  4. Autor Sarah Jabri
    am 20. Juni 2013
    4.

    Ja das soll heißen von dem wenigen Geld noch mehr zu bezahlen für eine Gewerkschaft.man ist froh die 12€ für sich selbst zu haben, und hart 4 bekommt man nur wenn man nicht über dem Satz liegt.

  5. Autor Sarah Jabri
    am 20. Juni 2013
    5.

    Leiharbeiter müssen härter arbeiten, als normale Angestellte. Und wenn dann einer sagt dass er für die gleiche Arbeit 12 brutto bekommt als der andere, verletzt das schon die Menschenwürde,

  6. Autor Sarah Jabri
    am 20. Juni 2013
    6.

    Es wäre wirklich sinnvoll die von Ihnen o.g. Punkte mal zu klären.
    Vor allem die gleitkonten sollten abgeschafft werden. Das Überstunde sollten ausbezahlt werden.

  7. Autor Ralf Schumann
    am 20. Juni 2013
    7.

    Warum sollte sich ein Leiharbeiter für eine Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft entscheiden? Die Gewerkschaft, die sich für ihn einsetzen könnte, ist viel zu schwach. Deshalb sind die Tarifverträge auch so schlecht. Gewerkschaftsmitgliedschaften lohnen sich nur für Mitarbeiter, die in größeren Firmen arbeiten. Leiharbeiter haben meistens nur kurze Arbeitsverhältnisse und in jeder Firma sind andere Gewerkschaften vertreten. Die hilft dann dem Mitglied nicht, weil immer nur die eine zuständig ist.
    Leiharbeiter werden nicht selten nach ein paar Monaten wieder kurz entlassen, weil man sie nicht mehr braucht. Evtl. werden sie irgendwann später wieder kurz eingestellt. Glauben Sie allen Ernstes, Herr Guckenheim, dass ein Arbeitgeber, der verklagt wird, so einen Arbeitnehmer jemals wieder einstellt? Warum sollte er vor Gericht überhaupt Erfolg haben? Die Tarifverträge und die Gesetze halten die Leiharbeitsfirmen ja in der Regel ein.
    Außerdem entscheidet die Gewerkschaft, ob sich ein Rechtstreit lohnt. Aus Geldmangel wird deshalb nicht selten eine Kostenübernahme abgelehnt. Das habe ich in meinem Job schon mehrfach bei Arbeitnehmern erlebt. Ich rate deshalb lieber eine Familien-Rechtschutzversicherung abzuschließen, denn die ist billiger und bietet unabhängigen und umfangreicheren Schutz. Hartz4-Empfänger brauchen das gar nicht, da sie kostenlosen Rechtschutz haben.
    Über kurz oder lang wird es keine Gewerkschaften mehr geben, da es immer mehr befristete Beschäftigte und Leiharbeiter in den großen Firmen gibt, deren Interessen die Gewerkschaften nicht vertreten bzw. vertreten dürfen.
    Streiken dürfen z.B. Leiharbeiter nicht bei den Auftraggebern, da sie nicht zum Personal gehören. Schlecht für Gewerkschaften, wenn ein Streik des kleinen Stammpersonals gar nicht mehr auffällt und somit seine Wirkung verfehlt. Und wäre das anders, wenn der Leiharbeiter in der Gewerkschaft wäre? Nein! Er darf nicht streiken und von den Tarifverträgen des Auftraggebers hätte er auch gar nichts. Es gibt nämlich längst zwei Arbeitnehmerklassen: Stammpersonal und Zeitkräfte.

  8. Autor Alexander Guckenheimer
    Kommentar zu Kommentar 7 am 21. Juni 2013
    8.

    Wenn sich jeder einzelne organisieren würde, dann wären die Gewerkschaften der Leiharbeiter nicht so klein und schwach. Wenn sich jeder wehrt und nicht stillhält, dann hat der Arbeitgeber auch nicht die Auswahl zwischen derer die alles mit sich machen lassen und denen die auf ihr Recht bestehen.

    Bei meinem letzten Arbeitgeber war weder eine Mitgliedschaft im Arbeitgeberverband, noch ein Betriebsrat vorhanden. Ich sprach mit ca. 20 Mitarbeitern darüber einen Betriebsrat zu gründen. 10 Kollegen war es egal, noch einer war dafür und die restlichen 9 Kollegen waren dagegen! Sie sagten der Chef ist gut zu uns und wir wollen es nicht verscherzen. Dann kam die Kurzarbeit, die Entlassungen ohne Sozialplan, Lohnkürzungen, Wegfall des Weihnachtsgeldes und von Sonderzahlungen.

    Wenn es einer Gesellschaft gut geht, dann schwindet wohl der Wunsch nach einer "Schutzkraft". Wenn es dann abwärts geht, dann ist die Politik und die Gewerkschaft schuld und sie sollen es richten.

    Wir, die Fach- und Führungskräfte, bedurften zu keinem Zeitpunkt weder Gewerkschaften noch die Politiker. Wenn Sie also keine Möglichkeit sehen aus den gering qualifizierten Arbeitnehmer lauter Meister, Techniker und Ingenieure zu machen, wie können Sie dann so reden, dass alle auf den Zug aufspringen können von wegen "wer braucht die Gewerkschaften, die können eh nicht helfen". Damit schwächen Sie nur mit Ihren Reden die Position der Arbeitnehmer.

    Was beim Maschinen- und Automobilbau das Problem mit den Leiharbeitern ist doch das folgende:

    Wenn ich in meine Abteilung früher 3 Männer ohne Ausbildung und Qualifikation bekomme, was soll ich den mit denen außer für Arbeiten einzuteilen für die man keine Ausbildung braucht. Diese Tätigkeiten hätte auch eine Maschine übernehmen können, aber solange diese Menschen nichts anderes können, dann lasse ich die teure Maschine stehen und geb den Jungs eine Möglichkeit Geld zu verdienen.

  9. Autor Alexander Guckenheimer
    Kommentar zu Kommentar 7 am 21. Juni 2013
    9.

    Jeder von meinen Leiharbeitern hatte früher einen Bewerbungskurs, aber einen Kurs in dem man lernt wie man eine Fräsmaschine bedient hatte die Arge nur wohl bei jedem hundertsten bewilligt. Jetzt schreiben sie mir schöne Bewerbungen in denen steht, dass sie nichts können. Da wäre es doch der Punkt an dem man den Hebel ansetzen muss. QUALIFIKATION!

    Nicht zuletzt, jeder Leiharbeiter macht mit dem Sklaventreiber (Leihfirma) einen eigenen Vertrag aus. Mein Kumpel und ich hatten die gleiche Ausbildung und schafften bei der gleichen Leihfirma. Ich bekamm 12,50€ und er 10€. Als ich meinen damaligen Chef drauf ansprach sagte er mir, dass er für uns beide an die Leihfirma den gleichen Satz zahlt. Es liegt nur an uns wie wir mit dem Leihfirmen sprechen. Auch hier gilt wieder, ohne Vertreter einer Gruppe geht es den Starken gut und den schwächeren eben nicht.

    PS: Mein Kumpel arbeitet mittlerweile für 17€/h und immer noch bei der Leihfirma. Dazu hat ihm kein Gesetz, sondern konsequente Weiterbildung gebracht.

    Übrigens: Leiharbeiter dürfen die Leihfirma bestreiken, die ist es doch die ihn schlecht bezahlt. Leiharbeiter müssen während eines Streikes im Entleihbetrieb nicht arbeiten.

    http://netkey40.igmetall.de/homepages/vst_hamburg/hochgel...

  10. Um einen Kommentar schreiben zu können, müssen Sie angemeldet sein.