Liebe Besucherinnen und Besucher,

seit 2006 beantwortete das Bundespresseamt Ihre Fragen auf dieser Plattform im Auftrag der deutschen Bundeskanzlerin. Im Zuge einer Neustrukturierung entwickelt das Bundespresseamt sein originäres Angebot weiter im Sinne eines Bürgerservices mit Dialogmöglichkeiten. Auf dieser Plattform wurden am Montag, den 30. April 2018, die letzten drei Fragen beantwortet. Neue Beiträge und Kommentare werden nicht mehr veröffentlicht.

Wir danken Ihnen für Ihre rege Teilnahme auf www.direktzurkanzlerin.de.

Ihr Moderationsteam

Abstimmungszeit beendet
Autor Benjamin Stein am 05. Februar 2008
4494 Leser · 0 Kommentare

Familienpolitik

Theorie und Praxis

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, sehr geehrte Frau Dr. Merkel,

zunächst möchte ich Sie zu der couragierten Familienpolitik der Frau Ministerin von der Leyen beglückwünschen.
Insbesondere ihr Engagement in der gesetzgeberischen Not im Bereich der Jugendhilfe und vor allem insbesondere der Probleme in Fragen, die das Kindeswohl berühren, bin ich - ich sage es ehrlich - überrascht von dem Tempo, in dem hier Wesentliches geleistet wurde.
Allerdings kommt in der Praxis die Botschaft nicht an. Überforderte Kommunen gewähren nicht die Mittel, die die dort im Geiste der Überarbeitungen erlassenen Ausführungsvorschriften erforderten: In der Justiz bei den Familiengerichten fehlt es vor allem an Fortbildung, in den Behörden (Jugendhilfe) an Personal. Ein junges Beispiel ist gerade aus dem Bezirk gemeldet worden, in dem ich ansässig bin. Die hier im Bezirk Neukölln zuständige Politikerin Frau Vogelsang (CDU) klagt öffentlich die Politik der Mittelvergabe diesbezüglich an, und sie weiß, wovon sie spricht. Wörtlich ärgert sie sich über eine "Alibi-Politik" des Senats von Berlin. Und als betroffener Bürger, der im Verfahren um das Wohl seiner Tochter schlimmste Befürchtungen hegen muss, weil eben die gerade beschlossenen AV nicht die geringste Chance einer Befolgung - hier durch das zuständige Jugendamt Kreuzberg - erfahren, muss ich zusätzlich leider konzidieren, dass dazu eine heftige Portion Ignoranz herrscht, die, so scheint es, nur mit Personalwechsel überwunden werden kann.

Wann endlich ist uns das Wohl unserer Kinder auch so viel Wert, dass Möglichkeiten aufgebaut werden, offensichtliches Versagen im Dienst in der Jugendhilfe zu sanktionieren? Wo bleibt die öffentliche Kontrolle bezüglich fahrlässiger Dienstwahrnehmung?
Der Spielraum der tätigen, oft minderqualifizierten Mitarbeiter insbesondere bei den Jugendämtern, ist wahrlich erschreckend. Da gilt es praxisnahe Instrumente einzuführen, die Kontrolle ermöglichen und, nach Möglichkeit, weitgehende Teilhabe der - und zwar aller! - betroffener Parteien. In diesem Zusammenhang finden sich die meisten Väter objektiv ausgegrenzt.

Es würde mich freuen, wenn Sie diese Eingabe auch an Frau von der Leyen weitergeben würden, ich bin mir sicher: dieser Punkt ist ihrer Aufmerksamkeit keineswegs entgangen, und vielleicht arbeitet sie auch hier bereits unter Hochdruck an einer Lösung?

Auf dem eingeschlagenen Weg wünsche ich Ihnen und unseren Kindern durchgreifende Erfolge,

mit herzlichen Grüßen

Benjamin Stein