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Ihr Moderationsteam

Beantwortet
Autor Razia Malik am 12. Januar 2012
7454 Leser · 2 Kommentare

Bildung

Trennung der Geschlechter in technik- und naturwissenschaftlichen Studiengängen

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin!

Möge dieser Brief Sie bei bester Gesundheit erreichen.
Die Studienverhältnisse der Naturwissenschaften erlauben es nicht, sich als Frau so gut wie möglich zu entfalten. Die Männerdominanz bewirkt eine Reduzierung des Selbstwertgefühls innerhalb einer koedukativen Gruppe und die ständige Bezugnahme auf die eigene Rolle sowie das Verhalten.

Dabei sind Frauen ja nicht dümmer oder schwächer angesichts ihrer geistigen und moralischen Anstrengungen, die sie unternehmen. Zugleich wollen sie ihre geschlechtliche Entwicklung nicht vernachlässigen.

Eine Resolution des Deutschen Akademikerinnenbundes zur Koedukation vom 20./21. Mai 1995 bezeichnet uns als „soziales Schmiermittel“ in Bezug auf die zusätzlichen Leistungen wie freiwilliger Beiträge im Unterricht, was nicht gerecht entschädigt wird. Einem Jungen wird meistens eine höhere Begabung unterstellt, was sich förderlich auf die Förderung auswirkt, und mehr sowohl positive als auch negative Aufmerksamkeit geschenkt.

Zu Störfaktoren vor allem im Schulsystem gehört deren verbale als auch körperliche Aggression, die Mädchen einschüchtert. Wir Frauen, besonders muslimische, wollen unsere Talente nicht verlieren, indem wir an der Männerdomäne scheitern, wollen einen positiven Beitrag zu unserem Land leisten, absolute Loyalität wahren und nach Wissen streben.

Der DAB schlägt eine Trennung und Quotierung der Geschlechter in technik- und naturwissenschaftlichen Studiengängen vor, die er auf wissenschaftliche Befunde stützt, auch wenn die Umsetzung schwer erscheint und Quoten primär auf die Quantität statt Qualität zielen.

Auf eine Antwort würde ich mich freuen.

Mit freundlichen Grüßen

Antwort
im Auftrag der Bundeskanzlerin am 21. Februar 2012
Angela Merkel

Sehr geehrte Frau Malik,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die wir im Auftrag der Bundeskanzlerin beantworten.

An den Hochschulen und in der Wissenschaft ist der Frauenanteil in den Studiengängen und Berufen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik in den letzten Jahren deutlich gestiegen.

Weiterführende Informationen finden Sie hierzu beim Statistischen Bundesamt unter http://tinyurl.com/7n6vvvr und im Bundesministerium für Bildung und Forschung unter www.bmbf.de.

Diese positive Tendenz setzt sich auch bei der Zahl der Absolventinnen fort. Der Frauenanteil in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern ist 2011 auf 41 Prozent angewachsen.

Inzwischen schlägt der höhere Anteil von Studentinnen und Absolventinnen in den sogenannten MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) auch auf das Hochschul- und Wissenschaftssystem durch. An Deutschlands Hochschulen ist der Frauenanteil unter den Professuren auf einen neuen Höchststand gestiegen. 2009 lehrten und forschten nach den Daten des Statistischen Bundesamtes rund 7.300 Professorinnen. Der Anteil der Lehrstuhlinhaberinnen stieg seit 1995 von acht auf rund 18 Prozent.

Damit zeigen wichtige Förderprogramme wie das Professorinnenprogramm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung genauso Wirkung wie der Nationale Pakt für Frauen in MINT-Berufen. Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Sozialpartner, Verbände und Medien haben sich darin verpflichtet, mehr Frauen für duale und akademische Berufe in diesen Bereichen zu gewinnen.

Weitere Informationen dazu finden Sie unter: http://www.komm-mach-mint.de/

Eine wichtige Rolle kommt auch dem Kompetenzzentrum Frauen in Wissenschaft und Forschung - Center of Excellence Women and Science (CEWS) zu. Es ist eine nationale Plattform zur Verwirklichung der Chancengleichheit von Frauen und Männern in Wissenschaft und Forschung in Deutschland.

Objektive Gründe für eine Trennung und Quotierung der Geschlechter in technik- und naturwissenschaftlichen Studiengängen und Ausbildungen gibt es daher nicht. So eine Trennung ist auch kaum mit dem Grundsatz akademischer Freiheit und Lehre vereinbar. Gesamtgesellschaftliches Ziel ist vielmehr, den Frauenanteil in den MINT-Studienfächern weiter zu erhöhen.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Kommentare (2)Schließen

  1. Autor Thomas Tellhauser
    am 12. Januar 2012
    1.

    Genau! Und dann trennen wir noch nach Religion und Fleischessern und nach Einkommensklasse!

  2. Autor Karl Eduard Schmidt
    am 04. Februar 2012
    2.

    Und am Ende begründet man jede Selektion der Gesellschaft oder Politik mit den 11 September. Keiner untersucht noch heute die Ursachen da verschiedene Situationen nahe dem Widerstandsrecht nach dem Grundgesetz sich später untereinander bekriegen aus Triebhaftigkeit. Eine Opposition aus dem Volk ohne krankhafte Ideologie gibt es nicht als feste Einheit.

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