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Ihr Moderationsteam

Beantwortet
Autor Udo Behr am 24. Mai 2011
7824 Leser · 1 Kommentar

Wirtschaft

Was kostet uns der Strom demnächst?

Sehr geehrte Frau Merkel,

zu der derzeitigen Diskussion um den Atomausstieg hab ich da mal einige Fragen, die derzeit nicht oder nicht ausreichend besprochen werden.

Die Grundfrage ist, woher bekomme ich meinen Strom in 8 oder 10 Jahren und was wird er kosten?

Das Problem der Erzeugung, mit Wind und Solar ist ja weitgehendst durchgekaut und lösbar, aber was kostet das?

Das erste Problem sind die Leitungen, wie wollen Sie es erreichen, dass in 8-10 Jahren die min. 3000km neu gebaut werden können? Die wenigen 100km die im Genehmigungsverfahren sind werden von Protesten und Prozessen begleitet.

Das größere Problem ist aber; was passiert bei Windstille? Soll ja gelegentlich deutschlandweit vorkommen.

Nachfolgend habe ich meine Fantasien/Vorschläge völlig ungewichtet aufgelistet:

1. Atomstrom aus Frankreich kaufen.
2. Neue Kohlekraftwerke bereithalten, die bei einer drohenden Windstille angeworfen werden.
3. Vermehrt auf Blockheizkraftwerke setzen.
4. In den Alpen 100 neue Pumpspeicherwerke bauen.
5. Neue unterirdische Druckluftspeicherung.
6. Höchstspannungsleitungen nach Schweden, Norwegen oder Österreich legen um dort den Strom in Pumpspeicheranlagen zu parken.
7. Den Strom aus der Wüste nutzen.
8. Stromsparen. Bisher wurden alle Sparefeckte durch steigenden Wohlstand überdeckt.
9. Verbote. Werbebeleuchtung, Fernseher > 60W Stromverbrauch, PC Nutzung in Privathaushalten von mehr als 1Std täglich, Klimaanlagen bei <27 Grad, Elektrogeräte älter als 10 Jahre.
10. Zwangsabschaltung bei Windflaute: Fernseher, Private PC´s Waschmaschinen, Spülmaschinen, Klimaanlagen.

Mit freundlichen Grüßen
Udo Behr

Ich bin auch gegen Atomstrom, aber möchte trotzdem wissen, was das kostet.

Antwort
im Auftrag der Bundeskanzlerin am 24. Juni 2011
Angela Merkel

Sehr geehrter Herr Behr,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die wir im Auftrag der Bundeskanzlerin beantworten. Besten Dank auch für Ihre Anregungen zum Stromsparen und zur Gewinnung alternativer Energie! Auch wenn wir in Einzelpunkten eine andere Meinung haben, so entnehmen wir Ihrem Schreiben doch eine grundsätzliche Übereinstimmung zur Energiewende, die von der Bundesregierung eingeleitet wurde.

Das Energiekonzept der Bundesregierung zeigt den Weg zu einer zuverlässigen, umweltschonenden und bezahlbaren Energieversorgung. Der schnellere Ausstieg aus der Kernenergie wird voraussichtlich nur begrenzte Auswirkungen auf den Strompreis haben. Vergleichen Sie bitte nachfolgende Modellrechnung des DIW Berlin: http://www.diw.de/de/diw_01.c.368320.de/themen_nachrichte...

Wie hoch der Preis in zehn Jahren exakt sein wird, lässt sich heute noch nicht präzise beziffern. Er setzt sich aus mehreren Bestandteilen zusammen: die Strombeschaffungskosten (Großhandelspreise), die Entwicklung des Stromangebots anderer Länder sowie der Ausbau der erneuerbaren Energien und der Netze.

Dass die finanziellen Belastungen für die privaten Haushalte und Unternehmen in Grenzen bleiben, ist der Bundesregierung ein wichtiges Anliegen. Die Umlage, die jeder Stromverbraucher für die erneuerbaren Energien zahlt, soll unverändert die Größenordnung von 3,5 Cent pro Kilowattstunde nicht überschreiten.

Wind, Sonne, Wasser und Biomasse verringern die Abhängigkeit von teuren Energie-Importen, und die Kosten ihres Einsatzes lassen sich durch technischen Fortschritt noch deutlich senken. Auch mehr Wettbewerb auf dem Strommarkt wirkt kostensenkend.

Die Bauplanung für Leitungsnetze soll nicht mehr zehn, sondern künftig vier Jahre dauern. Die Planungen geschehen nicht über die Köpfe der Menschen hinweg. Deswegen setzt die Bundesregierung auf einen intensiven Dialog mit der Bevölkerung. Sie ist anzuhören, bevor neue Stromtrassen entstehen. Das Gesetz dazu sieht das ausdrücklich vor. Alle sollen verstehen, warum wir neue Stromleitungen brauchen. Auch bei Abstands- und Höhenbegrenzungen suchen wir nach verträglichen Lösungen für den Einzelfall. Klar ist: Man kann nicht immer nur "Nein" sagen – mehr erneuerbare Energien im Netz sind ohne einen Netzausbau eben nicht machbar. Wer A sagt, muss auch B sagen. Weitere Informationen zum Energiekonzept finden Sie unter: http://www.bundesregierung.de/Webs/Breg/DE/Energiekonzept... http://www.pik-potsdam.de/aktuelles

http://www.bmwi.de/BMWi/Navigation/Service/publikationen,...

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Kommentare (1)Schließen

  1. Autor Sven Woinke
    am 06. Juni 2011
    1.

    Hallo Herr Behr,

    die Frage nach den Kosten ist Berechtigt, aber was auch immer es Kostet, es kann nur günstiger sein als Atomenergie, die durch den Steuerzahler extrem hoch Subventioniert wird.

    Eine Kilowattstunde Atomstrom liegt bei ca. 3 €, da fast alle kosten mit Steuergeldern bezahlt werden.

    Wenn man also diese Unsummen nicht mehr in den Rachen der Bonzen wirft und die Konzerne auf ihren Problemen (Endlagerung, Rückbau etc.) sitzen läßt, ist sicher mehr als genug Geld da um das ganze für den Bürger kostenneutral zu gestalten.

    Wind und Sonne gibts ja für lau :)

    Zum Thema BHKWs werde ich noch einen eigenen Artikel schreiben,
    da diese in neuen Wohnsiedlungen eigendlich Pflicht sein müßten.

    Auch wenn mich Mehrkosten in der Energiewende weniger stören als erhöte Kinderkrebsraten um AKWs, bekommt ihr Beitrag von mir eine dicke Dafürstimme.

    Es kann schließlich nicht sein das die selben Schmarotzer die uns Jahrelang die Taschen geleert und unser Land vergiftet haben wieder ungeschoren davon kommen.

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