Liebe Besucherinnen und Besucher,

seit 2006 beantwortete das Bundespresseamt Ihre Fragen auf dieser Plattform im Auftrag der deutschen Bundeskanzlerin. Im Zuge einer Neustrukturierung entwickelt das Bundespresseamt sein originäres Angebot weiter im Sinne eines Bürgerservices mit Dialogmöglichkeiten. Auf dieser Plattform wurden am Montag, den 30. April 2018, die letzten drei Fragen beantwortet. Neue Beiträge und Kommentare werden nicht mehr veröffentlicht.

Wir danken Ihnen für Ihre rege Teilnahme auf www.direktzurkanzlerin.de.

Ihr Moderationsteam

Beantwortet
Autor Michael Grossmann am 02. November 2011
4222 Leser · 0 Kommentare

Die Kanzlerin direkt

Weitere Rettungsschirme in Planung?

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

ich möchte Ihnen gerne folgende Frage stellen.

Man hört in den Medien immer nur Griechenland, Eurorettungsschirm für Griechenland etc.
Das Thema Griechenland zieht sich jetzt schon über
Monate / Jahre und es ist noch kein Ende in Sicht.

Aber wie wir ja alle Wissen sind noch andere Euroländer hiervon betroffen bzw. stehen kurz davor.

Müssen wir uns darauf einstellen in den nächsten Jahren nur noch mir Eurorettungsschirmen bombadiert zu werden oder hat das auch mal ein Ende?

Vielen Dank

Antwort
im Auftrag der Bundeskanzlerin am 08. Dezember 2011
Angela Merkel

Sehr geehrter Herr Grossmann,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die wir im Auftrag von Bundeskanzlerin Angela Merkel beantworten.

Deutschland profitiert noch mehr als andere Europäer von der Währungsunion und vom gemeinsamen Binnenmarkt. Unsere Wirtschaft ist stärker in die internationale und europäische Arbeitsteilung eingebunden als die aller anderen vergleichbaren Länder. Fast zwei Drittel unserer Exporte gehen in die Länder der Europäischen Union, allein 40 Prozent davon in die Eurozone.

Ohne die gemeinsame Währung wären diese Exporterfolge nicht möglich gewesen. Der Euro hat Deutschland vor krisenhaften Wechselkursschwankungen bewahrt.

Dabei ist die Stabilität des Euro von überragender Bedeutung. Der äußere wie der innere Wert der europäischen Gemeinschaftswährung ist, auch wegen der Stabilisierungsmaßnahmen, beeindruckend stabil.

Der potentielle Ausfall eines staatlichen Schuldners wie Griechenland stellt sofort die Frage nach den wirtschaftlichen Folgen für seine Gläubiger innerhalb und außerhalb Europas. Sinkendes Vertrauen auf den Weltfinanzmärkten in den Euro führt zu höheren Refinanzierungskosten auch für Deutschland.

Eine gemeinsame Währung kommt nicht ohne Solidarität der Mitglieder aus. Solidarität, die an klare Regeln gebunden sein muss und die sich nicht auf eine Beistandsverpflichtung beschränkt. Sie muss genauso darauf gerichtet sein, die Ursachen der Probleme zu beseitigen.

Ursachen zu beseitigen heißt: Länder mit hohen Schulden und Defiziten müssen ihre Haushalte konsolidieren und ihre strukturellen Wachstumshindernisse beseitigen. Damit die Reformen wirken, brauchen die Länder Zeit. Zeit, die die Finanzmärkte diesen Ländern nicht geben, und die ihnen deshalb die Staaten Europas durch finanzielle Hilfen verschaffen. Die Hilfen sind an strikte Konditionen gebunden.

Wie strikt diese Konditionen sind, können Sie daran ablesen, wie lange sich Euroländer mit Problemen (Irland, Portugal) gegen eine Aufnahme unter den Europäischen Rettungsschirm gewehrt haben. Sie mussten angesichts der systemischen Ansteckungsgefahr, also der Gefahr für die Funktions- und Leistungsfähigkeit des Finanzsystems als Ganzes, und der Gefahr für die Stabilität der gesamten Eurozone fast schon gedrängt werden.

Griechenland muss sehr harte Konditionen erfüllen. Das Land hat schon schmerzhafte Einschnitte vorgenommen und muss noch mehr tun.

Einzelheiten siehe

http://tinyurl.com/6t6nu8a http://tinyurl.com/7o7u7gl

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Presse- und Informationsamt der Bundesregierung