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Ihr Moderationsteam

Beantwortet
Autor B G am 28. Januar 2010
4924 Leser · 0 Kommentare

Soziales

Weniger Netto vom Brutto?

Sehr geehrte Bundeskanzlerin,
leider musste ich feststellen, dass ich bei meinem Bruttoverdienst von 1078€ aufgrund erhöhter Lohnsteuer ab Januar statt knapp 834€ nur noch 830€ netto erhalte.
Hieß der Wahlspruch nicht "mehr Netto vom Brutto"?
4€ sind zwar nicht viel, aber wenn man ohnehin schon sehr wenig Geld hat, ärgert man sich doch sehr über diese Umstände, noch weniger zu bekommen.
Wie kommt es also, dass ein befreundeter Ingenieur mit etwa 48.000€ brutto p.a. entlastet wird, während Geringverdiener wie ich weiter belastet werden?
Mehrverdiener sind doch die Leute, die das Geld eher anlegen, während Geringverdiener das Geld ausgeben würden.
Wenn ich 20 oder 30€ mehr im Monat zur Verfügung hätte, würde ich diese gerne ausgeben, um meinen Lebensstandard erhöhen zu können. Ein Sparen würde sich nicht groß lohnen.
Das Geld, was den einen gegeben wird, dient also höchstwahrscheinlich nicht dazu, mehr MwSt einzubringen, sondern wird eher "gebunkert".
Wird hier nicht die falsche Seite bevorteilt und die hilfebedürftige Seite benachteiligt?
Ich frage mich allen ernstes, ob Sie und viele Ihrer Politikerkollegen den Bezug zur Realität verloren haben und sich überhaupt versuchen vorzustellen, was es heisst, eine Familie unter diesen Bedingungen gründen und unterhalten zu können.
Meine Frau und ich würden gerne Kinder haben, die Finanzierung dessen und die Angst, wie es weiterhin in der Zukunft aussehen wird, lassen uns aber arg zurückschrecken.
Das Vertrauen in die Regierung ist weg und die Furcht vor einer noch schlimmeren 2-Klassen-Gesellschaft wächst stetig an.
Als sehr besonnerer Mensch laufe sogar ich in den letzten Tagen mit Wut im Bauch herum, wenn ich mir so ansehe, wer alles mehr verdient, während ich noch weniger bekomme.
Denken Sie an die Leute, die den Großteil der Bevölkerung bilden, sprich an die Mittelschicht.
Heisse Luft aus Wahlversprechen und soziale Kälte treffen aufeinander. Im Physikunterricht haben wir gelernt, was daraus entsteht. Wind....oder Sturm.
Ich jedenfalls würde mich über mehr Gerechtigkeit freuen und brenne auch nicht darauf, in Deutschland Zustände wie in Frankreich oder Griechenland zu haben, die langfristig mit solche einer Politik meines Erachtens drohen anzubrechen.
Mit nachdenklichen Grüßen aus Köln und der Hoffnung, zum Nachdenken angeregt zu haben,
B. Goeden

Antwort
im Auftrag der Bundeskanzlerin am 08. März 2010
Angela Merkel

Sehr geehrter Herr Goeden,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die wir im Auftrag der Bundeskanzlerin beantworten.

Infolge des Bürgerentlastungsgesetzes erhöht sich in der Steuerklasse III zwar der Lohnsteuerabzug in diesem Jahr geringfügig. Mehr Netto bekommen dafür aber berufstätige Ehepartner mit der Steuerklasse V (jetzt eigene Vorsorgepauschale) - bis zu 200 Euro monatlich. Wenn beide berufstätig sind, ergibt sich also per Saldo eine deutliche Entlastung. Bitte wenden Sie sich an Ihr Finanzamt für eine Beratung, die Ihre persönliche Situation berücksichtigt.

Entgegen Ihrem Eindruck fördert die Politik der Bundesregierung keineswegs eine „zwei-Klassen-Gesellschaft“. Das Motto „Mehr Netto vom Brutto“ gilt weiterhin. Die Bundesregierung hat gleich zu Beginn ihrer Amtszeit dafür gesorgt, dass gerade Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen mehr Netto behalten. Denn gerade sie brauchen mehr Kaufkraft, da haben Sie völlig Recht. Dafür gibt es das Bürgerentlastungs- und das Wachstumsbeschleunigungsgesetz.

Lesen Sie hier mehr:

http://www.bundesregierung.de/nn_774/Content/DE/Artikel/2...

Die Koalition will außerdem die Steuern einfacher, niedriger und gerechter gestalten. Die Bundesregierung plant so möglichst ab 2011 eine weitere Steuerentlastung vor allem für die unteren und mittleren Einkommen. Dank der seit dem 1. Januar geltenden Einkommensteuersenkungen bleiben einem Ehepaar (beide berufstätig, ohne Kinder) mit einem Jahresbruttolohn von 15.000 Euro in diesem Jahr 140 Euro mehr in der Tasche. Die abgezogene Lohnsteuer wird nämlich am Jahresende wieder ausgeglichen. Im Ergebnis zahlen sie also keine Lohnsteuer.

Dass die Entlastung mit höherem Einkommen steigt, entspricht umgekehrt der höheren Steuerlast. Ein Ehepaar mit einem Jahresbruttolohn von 50.000 Euro wird zwar um 930 Euro entlastet. Sie zahlen aber insgesamt 6.274,00 Euro Lohnsteuer.

Entlastungsrechner 2010

http://www.bundesfinanzministerium.de/nn_54/DE/Buergerinn...

Gerade Familien entlastet die Bundesregierung deutlich. Mit dem Wachstumsbeschleunigungsgesetz hat sie wie schon 2009 im Januar das Kindergeld und die Kinderfreibeträge erhöht. 2009 haben vor allem Familien mit niedrigen bis mittleren Erwerbseinkommen von den finanziellen Verbesserungen profitiert. Dazu haben neben dem Ausbau des Kinderzuschlags und des Wohngeldes auch die höheren Regelleistungen für Kinder in der Grundsicherung, die Einführung des Schulbedarfspakets sowie die Einmalzahlung des "Kinderbonus" beigetragen.

Der Bund gibt zudem erhebliche Mittel für den Ausbau der Betreuung der Kinder unter drei Jahren. Auch das Elterngeld ist eine Erfolgsgeschichte und wird bei jungen Vätern immer beliebter.

Weitere Informationen:

http://www.bundesregierung.de/nn_774/Content/DE/Artikel/2...

Familienpolitik ist Zukunftspolitik

http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/familie.html

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

Presse- und Informationsamt der Bundesregierung