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Ihr Moderationsteam

Beantwortet
Autor H. Ahlers am 04. April 2012
7009 Leser · 1 Kommentar

Wirtschaft

Wie die Soziale Marktwirtschaft neu entdecken?

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

die Soziale Marktwirtschaft wird zumeist nur von einer Seite der Medaille gesehen: Was kann der Sozialstaat für uns in Alter, Krankheit, Arbeitslosigkeit und Pflege tun? Viele Wissenschaftler und Politiker sehen, wenn es um die Finanzierung über Beiträge geht, nur die Nachteile der Lohnnebenkosten.

Was sind die überwiegenden Vorteile? "Alles, was wir als Bevölkerung wegen der Beiträge nicht sparen können, können die Banken auch nicht zu Schulden machen." Das ist Ihnen im Rahmen der Diskussion der Staatsschulden sicherlich klar geworden:

Zu viele Schulden sind das Hauptproblem der Wirtschaft. Wir Menschen neigen dazu, das Geld zu lieben und die Schulden zu hassen. Leider zu wenige Menschen wissen, was "Soll und Haben" ist. Alle Politiker sollten wissen: Wenn wir als Volk 3,5 Billionen € Geldersparnisse haben, muss es auch irgendwo 3,5 Billionen € Schulden geben.

Sie wissen von den gut 2 Billionen € deutscher Staatsschulden. Manche sagen: Das ist eine Belastung zukünftiger Generationen. Viele Kinder wissen aber schon: Zinsen müssen in jedem Quartal bezahlt werden. Meine direkte Frage an Sie: Wann bitten Sie die deutsche Bevölkerung, weniger Geldsicherheit anzusparen?

Die derzeitige Sparquote ist mit 11 % zu hoch. Optimal wäre eine Sparquote von 6 %. Das bedeutet nämlich eine Geldausgabequote von 94 %. Das hätte viele Vorteile für Investitionen und Arbeitsplätze. Die Schuldenbremse kommt. Wenn unser Staat sich nicht mehr verschulden darf? Wer muss sich dann verschulden? Besprechen Sie das bitte im Kabinett, damit auch die Medien darüber berichten müssen. Aufklärung über Geld=Schulden ist dringend notwendig.

Antwort
im Auftrag der Bundeskanzlerin am 07. Mai 2012
Angela Merkel

Sehr geehrter Herr Ahlers ,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die wir im Auftrag der Bundeskanzlerin beantworten.

Es ist und bleibt das Ziel der Bundesregierung, die Summe der Sozialbeiträge unter 40 Prozent zu halten. Denn niedrige Lohnnebenkosten stärken – neben der hohen Produktqualität – die internationale Konkurrenzfähigkeit deutscher Unternehmen und sichern Arbeitsplätze in Deutschland.

Die Senkung der Lohnnebenkosten führt zu einer Reduzierung der Arbeitskosten und damit zu günstigeren Herstellungskosten, die zum Teil auch an die Verbraucher weitergegeben werden dürften.

Steigende Lohnnebenkosten würden die Arbeit in Deutschland verteuern und wären Gift für (neue) Arbeitsplätze.

Arbeitskosten, Beschäftigung und die Solidität der Sozialversicherungen müssen in einer Balance gehalten werden.

Die Sparquote ist in Deutschland sicher höher als in einigen anderen Staaten. Bürgerinnen und Bürger halten sich beim Konsum zurück. In Deutschland geben die Menschen eher das Geld aus, wenn sie den Eindruck haben, die Staatsfinanzen kommen wieder in das richtige Fahrwasser. Deshalb baut die Bundesregierung für eine sichere Zukunft die Haushaltsdefizite ab. Dafür ist die Schuldenbremse notwendig. Sie garantiert eine nachhaltige Finanzpolitik und verhindert, dass die finanzielle Last heutiger Vorhaben auf künftige Generationen abgewälzt werden kann.

Außerdem bedeuten weniger Schulden auch weniger Zinsen, die den Haushalt dauerhaft belasten.

Weitere Einzelheiten finden Sie hier: http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Interview/2011/0... http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Interview/2010/0... http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Interview/2010/0... http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2010/12/... http://www.bundeskanzlerin.de/Content/DE/Interview/2010/0... http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2012/04/...

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Kommentare (1)Schließen

  1. Autor Hans-Jürgen Ahlers
    am 21. April 2012
    1.

    Noch kein Kommentar, da muss ich mir doch wohl selbst einen schreiben. Ludwig Erhard, der Vater unseres Wirtschaftswunders, hat sein Wunder niemals verstanden. Er hatte nämlich als VWL-Professor keine Ahnung von der Sparquote. Wenn man die von 100 % abzieht, bleibt Geldausgabequote übrig, eine Erfindung von mir. Das klingt besser als Konsumquote. Seitdem es die Grünen gibt, ist Konsum etwas Böses.

    Denkt doch bitte einmal nach. Ihr müsst doch nicht dumm bleiben. Wer eine Aktie kauft, ist das Konsum? 1950 betrug die Sparquote 3,2 %, weil die Konsumquote 96,8 % betrug, weil nach Hitlers Krieg für die meisten Menschen nach dem Bezahlen von Miete, Lebensmitteln und Kohlen nichts mehr zum Sparen übrig blieb.

    Meine Mutter erbte ein Teil des Hauses ihres Großvaters. Deshalb konnten wir uns einen grünen Gebraucht-Käfer kaufen und 1956 Urlaub in Italien machen. 1973 war das Wirtschaftswunder wegen der sehr niedrigen Sparquote zu Ende. Denn niedrige Sparquote bedeutet hohe Gewinne für die Arbeitgeber. Ab 1974 gabe es wegen der deutschen Sparkrankheit mehr Arbeitslose als offene Arbeitsstellen. Kanzler Helmut Kohl, Doktor der Geschichte, hat das nicht interessiert. VWL-Professor Karl Schiller und SPD-Kanzler Helmut Schmidt auch nicht.

    Die gehörten ja sowieso zu den oberen 1 %. Wir haben zwar schon lange Demokratie. Das heißt aber noch lange nicht, dass unsere Oberpoltiker Politik für die unteren 99 % machen. Vielleicht benötigen wir dafür doch noch eine neue Partei?

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