Liebe Besucherinnen und Besucher,

seit 2006 beantwortete das Bundespresseamt Ihre Fragen auf dieser Plattform im Auftrag der deutschen Bundeskanzlerin. Im Zuge einer Neustrukturierung entwickelt das Bundespresseamt sein originäres Angebot weiter im Sinne eines Bürgerservices mit Dialogmöglichkeiten. Auf dieser Plattform wurden am Montag, den 30. April 2018, die letzten drei Fragen beantwortet. Neue Beiträge und Kommentare werden nicht mehr veröffentlicht.

Wir danken Ihnen für Ihre rege Teilnahme auf www.direktzurkanzlerin.de.

Ihr Moderationsteam

Beantwortet
Autor Michael Friede am 28. Juli 2009
34808 Leser · 0 Kommentare

Wirtschaft

Wieviel ist unser Geld noch wert ?

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,
ich gewinne immer wieder den Eindruck, dass unsere Politiker zu weit weg von der Realität des kleinen Mannes sind. Insbesondere scheint es vielen Politikern nicht klar zu sein, wie weit weg die tatsächliche Verteuerung dessen, was man ständig kaufen, nutzen oder verzehren will von der offiziellen Statistk über die Inflationrate ist.

Ich will Ihnen dazu ein paar Beispiele geben:
die letzte Kugel Eis kostete in DM 0,80 - heute kostet die gleiche Kugel Eis € 0,80 ! Gehe ich ins Kino kostet eine Karte zwischen 5 und 9 Euro. Der letzte teuerste Kinobesuch in DM 8,00 !
Kaufe ich mir im Restaurant eine Flasche Bier zahle ich teilweise auch hier schon mehr in Euro als vorher in DM zahlenmäßig.
Ich weiß natürlich auch, dass manches günstiger geworden ist, Computer, Milch, manche Lebensmittel - aber ich beobachte bei meinem eigenen Verhalten und wie sich die Menschen im Bekanntenkreis verhalten, dass insbesondere die Dinge weniger genutzt werden, die man entbehren kann, weil es eben soviel teurer geworden ist. Weitere Besispiele: Beim Bäcker zahle ich für einen Berliner € 1,00 bis € 1,40. Der Berliner kostete zum Schluss in DM 1,00 !
Wir haben uns immer wieder gefragt, warum insbesondere die Preise im Bäckereien und in der Gastronomie so stark gestiegen sind. Aber auch viele andere Dinge sind sehr viel teurer als die Inflationsrate weiß machen will. Und ich verdiene heute ganze 150 € mehr als im Jahre 2000 !

Diese Tatsachen vergessen die Politiker, wenn die darüber klagen, dass die Wirtschaft so schlecht dasteht. Es ist nicht mehr genug übrig, um die Wirtschaft anzukurbeln bei unserem Gehältern !

Mit freundlichen Grüßen

Michael Friede

Antwort
im Auftrag der Bundeskanzlerin am 04. September 2009
Angela Merkel

Sehr geehrter Herr Friede,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die wir im Auftrag der Bundeskanzlerin beantworten.

Wie Sie haben viele Verbraucherinnen und Verbraucher das Gefühl, dass durch die Einführung des Euro das Leben in Deutschland teurer geworden wäre. Zahlreiche Studien kommen jedoch zu dem Schluss, dass die Preise insgesamt nur moderat gestiegen sind.

Der Unterschied zwischen den Preisstatistiken und dem Gefühl der Konsumenten lässt sich erklären:

Hinter dem statistischen Wert (durchschnittliche Preisentwicklung) stehen höchst unterschiedliche Entwicklungen bei einzelnen Waren und Dienstleistungen.

Richtig ist, dass die Verbraucher für Nahrungsmittel, aber auch für viele einzelne Dienstleistungen im Jahr 2002 teilweise deutlich mehr bezahlen mussten als im Jahr zuvor. Diese Verteuerungen haben jedoch überwiegend andere Ursachen als die Umstellung auf den Euro. Bei einigen Alltagsgütern kam es in der Zeit der Euro-Einführung zu Sonderentwicklungen, die nichts mit der Umstellung zu tun hatten: Benzin verteuerte sich aufgrund eines höheren Rohölpreises, Fleisch aufgrund von Tierseuchen, Gemüse wegen ungünstiger Witterungsbedingungen in Südeuropa.

Zudem fällt die Preisentwicklung bei Dingen und Dienstleitungen des täglichen Bedarfs den Verbrauchern stärker ins Auge. Preissenkungen, die häufig bei langlebigen Gütern festzustellen sind, werden nicht im gleichen Maße empfunden und gegengerechnet.

Richtig ist allerdings auch: Einige Unternehmen und Dienstleister haben die Einführung des Euro genutzt, um ihre Preise über die reine Umrechnung hinaus anzuheben.

Die Einflussmöglichkeiten der Politik und des Gesetzgebers auf die Preisbildung der Unternehmen sind jedoch sehr begrenzt. Es gibt keine staatliche Institution, die Preise festlegt oder genehmigt. Unternehmen sind in ihrer Preisgestaltung frei. In einer Marktwirtschaft entstehen Preise aus dem freien Spiel von Angebot und Nachfrage. Das Konsumverhalten der Menschen ist daher ein mächtiger Steuerungsmechanismus, um die Preisgestaltung zu beeinflussen.

Und so gibt es immer wieder auch Phasen sinkender Preise, so etwa im Lebensmittelsektor, den Sie ansprechen. Wenn Sie in den letzten Wochen die Medienberichterstattung dazu verfolgt haben, werden Sie gehört haben, dass im Moment eher von einem „Preisrutsch bei Lebensmitteln“ die Rede ist (vgl. Süddeutsche Zeitung vom 21. August 2009 - http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/617/485048/text/ ).

Informationen zur aktuellen Preisentwicklung:
http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis...

Informationen zur Ermittlung der durchschnittlichen Verbraucherpreise:
http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis...

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

Presse- und Informationsamt der Bundesregierung