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Abstimmungszeit beendet
Autor Sebastian Mayr am 09. Dezember 2008
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Wirtschaft

'Wir brauchen mehr Konsum' - Irrsinniges Krisenmanagement

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

Ich beziehe mich auf die Ausagen sogenannter Topmanager, wie sie im kürzlich erschienenen Spiegelartikel "Top-Manager fordern drastische Maßnahmen gegen die Krise" veröffentlicht wurden.
Diese fordern - wie immer - staatliche Maßnahmen, die den Verkauf Ihrer Produkte fördern. Zwar ist eine Entlastung kleinerer und mittlerer Einkommen sicher eine gute Idee - aber der Wunsch dahinter, den Konsum zu vermehren, ist an der Realität vorbei.
Stellen Sie sich die Menschen mal als Heuschrecken vor, die auf einem keinen Planeten hausen. Und eine Oberheuschrecke sagt "Ihr müßt mehr fressen!" - was ist das für eine Zukunftsstrategie und wo soll sie irgendwann enden?
Wir leben in einem Staat, der sowohl genügend Nahrungsmittel für jeden produzieren kann, als auch genügend Luxus um jede freie Minute mehr oder weniger sinnvoll bis sinnlos zu gestalten.
Was soll denn noch produziert und konsumiert werden? Müllberge? Bei immer knapper werdenden Ressourcen?

Ein Staat MUSS FUNKTIONIEREN, wenn der Konsum KONSTANT UND AUF EINEM VERNÜNFTIGEN MASS ist. Irgendwann reicht die menschliche Produktionskraft aus, um alles zu erschaffen, was der Mensch braucht und alles was ein normaler Mensch will. Dann stagniert die Wirtschaft und der Konsum - daran kann keine noch so gestaltete Maßnahme etwas ändern.
Die Werbung versucht zwar zu suggerieren, daß man mindestens 3 Fernseher und 2 Autos braucht, am Besten alle 2 Jahre neu, aber auch das ändert nichts daran, dass sich die NACHFRAGE AUF EIN KONSTANTES MAß EINPENDELT.
Wenn die Firmen nicht immer mehr Sachen produzieren würden, die innerhalb kürzester Zeit (nach der Garantiezeit) ihr Funktionieren einstellen, hätten wir dieses Maß schon vor Jahren erreicht. Das Wirtschaftswachstum erreicht einfach mal das Ende der Fahnenstange. Auf diesem Wert wird es dann bleiben, mal ein Jahr ein bischen darüber, ein Anderes ein bischen darunter (KRISEEE! Oh je oh je, die Firmen brauchen unsere Steuergelder...)

Also ist es IHRE AUFGABE, dafür zu sorgen, daß bei einer Nachfrage, wie sie im auch im Moment gegeben ist, der STAAT FUNKTIONIERT.
Sprich, genügend Arbeitsplätze und genügend Steuergelder für die Bedürfnisse aller vorhanden sind.
Das bedeutet zum Einen, dass die für ein konstantes Maß an Produktion benötigte ARBEIT (dank zunehmendem Maß an Technisierung wird diese übrigens immer WENIGER im Laufe der Zeit), auf alle Arbeitnehmer des Landes verteilt wird (sonst Arbeitslosigkeit, Unmut und soziale Ungerechtigkeit - und irgendwann eine richtig schöne blutige Revolution).
Zum Anderen, dass der Staat aus dem GEWINN durch die PRODUKTION genügend STEUERGELDER gewinnen muss, um alle seine Aufgaben erfüllen zu können. Da die Arbeit für die Produktion immer weniger wird ('Vollautomatisierung'), muss er sich da was einfallen lassen - MEHRWERTSTEUER RAUF, EINKOMMENSSTEUER RUNTER wäre eine Idee (sicher nicht die Beste und sehr verallgemeinert aber wenigstens ein Ansatz) um einen Anteil des Staates an der Produktion trotz weniger werdender menschlicher Arbeitsleistung zu sichern.
Das würde zwar weniger Renditen für einige Anlieger und damit ein paar Ausichtsratposten für die Politiker bedeuten, die das umsetzen - hätte aber ZUKUNFT.

Was sind denn Ihre Gedanken zu der Zukunft (jenseits der Wahlen, so für die nächsten 20 Jahre) und wie wollen sie diese gestalten (wollen Sie das denn)? Wie soll der Staat bei einer konstanten Produktion und knappen Ressourcen (und ohne Unterdrückung der dritten Welt vielleicht) funktionieren? Ich würde mich freuen, wenn ein Politiker auch mal über so was nachdenkt und nicht nur darüber, ob das Grundgesetz deutsch genug ist.

MfG
Sebastian Mayr