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Ihr Moderationsteam

Beantwortet
Autor Heidi Stein am 01. Oktober 2008
14179 Leser · 0 Kommentare

Soziales

Wo ist Dirk?

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

ich bin eine Mutter aus Ostdeutschland, deren Sohn Dirk vor 29 Jahren unter ziemlich mysteriösen Umständen in der DDR verschwunden ist – lange bevor die Mauer fiel. Mein Sohn konnte bis heute nicht gefunden werden.

Da es mehrere solcher Fälle gibt - bis heute ungelöst - ist nun meine Frage, warum es von Seiten der Regierung hier nicht politische Einflussmöglichkeiten gibt. Wurde die Birthlerbehörde (früher: Gauckbehörde) nicht eingerichtet, um Stasiopfern bei der Aufklärung zu helfen? Warum wird die gleiche Argumentation nicht auch im Falle von - mutmaßlich durch die Stasi - entführten Kindern bemüht?

Zur Verdeutlichung meines Anliegens möchte ich Ihnen gerne meine persönliche Situation schildern:

Da es so viele Anzeichen dafür gibt, dass der ostdeutsche Geheimdienst (“Stasi”) an der Entführung meines Kinds beteiligt war, hat die Geschichte in Westdeutschland bisher viel Medienaufmerksamkeit erhalten. Die meisten Journalisten vermuten dasselbe: nämlich dass die Stasi meinen Sohn entführt hat, möglicherweise für Zwecke der medizinischen Forschung, da er zwei Fontanellen auf dem Kopf hatte, was eine extreme medizinische Seltenheit ist.

Meine zahlreichen Bitten – erst an die ostdeutschen Behörden und seit Mauerfall 1989 auch an die westdeutschen Ermittlungs- und Regierungsbehörden, im ungelösten Fall des Verschwindens meines Sohns zu ermitteln, bzw. den Fall neu aufzunehmen, blieben ergebnislos, obwohl es Hinweise darauf gibt, dass mein Sohn heute noch am Leben ist und irgendwo (vermutlich in Europa) unter einer anderen Identität lebt, offensichtlich, ohne seine wahre Identität zu kennen.

Wir versuchen zurzeit, Computererstellte Bilder zu bekommen, wie er heute auf der Grundlage seiner Babyfotos, die vor seiner Entführung gemacht wurden, aussehen würde. Wenn wir diese Computerfotos über das Internet als Teil unserer heutigen Suche nach Dirk veröffentlichen und verteilen können, besteht eine realistische Chance, dass irgendjemand meinen Sohn kennen oder ihm schon mal begegnet sein könnte und uns Informationen über sein Schicksal oder Aufenthaltsort geben könnte.

Wenn Sie uns Informationen darüber, wie wir an solche Computerbilder/-software (die den natürlichen Alterungsprozess eines menschlichen Gesichts abbilden kann) herankommen können, oder wenn Sie Interesse daran haben, den Fall Dirk aufzuzeigen (zu veröffentlichen), dann kontaktieren Sie mich bitte unter meiner Webseite, die auch weitere interessante Fakten über die frühere DDR und Stasi-Aktivitäten enthält.

Wir sind für jegliche Unterstützung, die Sie gewähren können, äußerst dankbar.

Stasiopfer Heidi Stein

Antwort
im Auftrag der Bundeskanzlerin am 31. Oktober 2008
Angela Merkel

Sehr geehrte Frau Stein,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die wir im Auftrag der Bundeskanzlerin beantworten.

Sie schildern darin den Fall Ihres vor 29 Jahren unter ungeklärten Umständen verschwundenen Sohnes Dirk. Die von Ihnen bereits eingeschalteten Ermittlungsbehörden haben bisher die Gründe des Verschwindens Ihres Sohnes bedauerlicherweise nicht ermitteln können.

Sie haben außerdem nach einer Software gefragt, die den natürlichen Alterungsprozess eines menschlichen Gesichts abbilden kann. Wir haben dazu für Sie beim Bundeskriminalamt nachgefragt. Das Bundeskriminalamt verfügt leider über keine solche Software, die in dem von Ihnen geschilderten Fall Erfolg versprechen würde. Die Alterung ist generell ein individueller Vorgang und das mittels Computerunterstützung erstellte Bild eine Hypothese. Alterungs-Effekte sind in verschiedenen Altersgruppen unterschiedlich ausgeprägt. Die stärksten regulären Veränderungen finden auf dem Weg vom Säuglings-/Kindesalter zum Erwachsenwerden statt.

Uns ist leider nicht bekannt, ob überhaupt bzw. welche Einrichtungen oder Unternehmen sich mit der Materie der automatisierten Gesichtsalterung beschäftigen oder entsprechende Software entwickelt haben. Der Eindruck einer Alterung kann jedoch in einigen Bildbearbeitungsprogrammen durch bestimmte Änderungsfunktionen erreicht werden; manche davon sind sogar auf diesen Effekt spezialisiert. Der englische Fachbegriff dafür ist Morphing. Programme finden Sie, wenn Sie im Internet Begriffe wie z.B. face, age, morphing in eine Suchmaschine eingeben.

Wir hoffen, dass Ihnen diese Informationen weiter helfen.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

Presse- und Informationsamt der Bundesregierung