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Beantwortet
Autor Katrin Behr am 02. November 2007
6696 Leser · 232 Stimmen (-15 / +217)

Gesetzgebungsverfahren

Adoptionsaufhebung

Sehr geehrter Herr Bundestagspräsident,

ich wurde 1972 durch die Stasi der DDR von meiner kompletten Familie getrennt. Es passierten mehrere Traumen innerhalb weniger Monate, die nie hätten passieren dürfen. Ich war damals knapp 5 Jahre alt. Ein Alter wo man sehr in der eigenen Persönlichket geprägt wird. 1975 wurde ich adoptiert, obwohl meine leibliche Mutter nie meine Freigabe zur Adoption unterschrieb. Sie selbst wurde für einige Jahre aus politischen Gründen in Bautzen inhaftiert und schrieb von dort aus sehr oft an das zuständige JA, ohne Erfolg.

Die Gesetzesvorlagen kennen Sie sicherlich gut genug und ich muss diese nicht extra noch erwähnen. Eine Wiedergutmachung für dieses Unrecht an beiden Seiten - Eltern und Kindern kann man nicht nur mit Geld gut machen, wobei die Kinder da gänzlich leer ausgingen.

Unsere Eltern, die in Haft saßen bekommen eine geringe Entschädigung.
Was ist mit uns Kindern? Sind unsere Menschenrechte nicht mißachtet wurden? Was ist mit den Opfern - den vergessenen Kindern und den vergessenen Eltern, wo ein Staat einfach handelte, ohne Rücksicht auf Verluste?

Überall gibt es Hilfen für Unfallopfer, Hungeropfer, Katastrophenopfer Kriegsopfer und v.m.. Müssen die Verletzungen an Menschen immer sichtbar sein, bevor man sich für das Schicksal von vielen Menschen interessiert. Die Narben auf der Seele sind nicht sichtbar und dennoch benötigen sie dringend Heilung.

Im spenden sind wir Deutsche sehr gut, vorallen wenn es um Spenden ins Ausland geht. Lassen Sie uns zusammen vor der eigenen Tür schauen und kämpfen Sie mit uns zusammen, dass man uns endlich erhört.

Ein 1. Schritt einer Rehabilitation wäre eine Gesetzesänderung was die Adoption betrifft. Geben Sie uns bitte die Möglichkeit, dass alte Familien endlich wieder gesetzlich zusammen kommen können. Haben Sie Ihre Wurzeln noch? Ich leider nicht. Meine und von vielen anderen Menschen sind die Wurzeln staatlich entsorgt wurden.

Meine Mutter ist heute 70 Jahre alt und sie würde sich sehr darüber freuen, wenn sie ihre Tochter (mich) endlich wieder zurück bekommen kann. Ich weiß nicht wie viele Jahre sie noch hat. Durch die Gefängniszeit ist sie schwer erkrankt und bekommt schon seit DDR-Zeiten die Rente aus gesundheitlichen Gründen.
Persönlich ließ mich dieses damalige Geschehen auch gesundheitlich (lebenslang) erkranken. Ich bin seit Jahren herzkrank, wie meine leibliche Mutter (hat nichts mit einer Vererbung zu tun). Uns wurde im wahrsten Sinne des Wortes das Herz gebrochen.

Bitte geben Sie den Familien das Recht wieder zurück, dass sie endlich wieder vor dem Gesetz in das ursprüngliche Verwandschaftsverhältnis wechseln können.

http://www.direktzu.de/bundestagspraesident/messages/13499

Ihre Antwort auf diesen Beitrag finde ich persönlich sehr makaber.

Sie geben Stipedien aus, die uns als Betroffene nichts nützen.
Sicherlich wurden die Akteneinsichten umfangreicher, aber vieles wissen wir ja vorher schon.
Ändert das unsere Gesetzeslage als Betroffene was unsere unmenschlichen Adoptionen betrifft? NEIN. Ich will endlich wieder meine Mama haben und dies geht nicht nur mir so. Geben Sie den Eltern die Möglichkeit, dass sie ihre Kinder offiziell zurück bekommen und genauso auch den Kindern die Möglichkeit, dass sie endlich wieder in ihre Ur-sprungsfamilien zurück können. Bitte helfen Sie uns.

Wir danken Ihnen herzlichst im voraus.

K. Behr

+202

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Antwort
aus dem Bundestag am 22. November 2007
Bundestagspräsident

Sehr geehrte Frau Behr,

die Darstellung Ihrer Adoption und der Hintergründe ist menschlich sehr ergreifend. Ideologisch motivierte Zwangsadoptionen gehören in der Tat zu den dunkelsten Kapiteln der SED-Herrschaft.

Ich bitte jedoch in Anbetracht der Rechtslage um Verständnis, wenn ich dem von Ihnen zitierten Antwortbeitrag vom 26. Oktober 2007 (www.direktzu.de/bundestagspraesident/messages/13499) nichts Neues zur Aufhebung von Adoptionen, die in der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik begründet wurden, hinzufügen kann.

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Mutter weiterhin Kraft und hoffe, dass Sie mit Ihrer schweren Vergangenheit den inneren Frieden machen können.

Mit freundlichen Grüßen