Sehr geehrte Damen und Herren,

wie Sie sicher aus den Medien erfahren haben, werde ich am 28. August vom Amt des Ministerpräsidenten zurücktreten. Deshalb wird es mir künftig nicht mehr möglich sein, Ihre Fragen an dieser Stelle zu beantworten. Der Bürgerdialog über das Onlineportal direktzu.de hat in den zurückliegenden Jahren eine Vielzahl von Anliegen und Problemen von Ihnen, den Bürgerinnen und Bürgern, thematisiert. Ich habe mich über die anhaltende Resonanz sehr gefreut. Sie dokumentierte Ihr Interesse am Lebensumfeld, aber auch an politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fragen. Das Portal war für mich wichtiger Anzeiger, welche Sorgen, Probleme oder Anliegen die Menschen im Land bewegen. Es bot die Möglichkeit, politische Bewertungen aus der brandenburgischen Bevölkerung ungefiltert und direkt zu erfahren. Und ebenso offen und geradeheraus habe ich mich stets um Antwort bemüht. Für mich war darüber hinaus entscheidend, dass das Voting-Verfahren den öffentlichen Diskurs bei uns im Land befördert. Fragesteller und auch ich wussten dadurch: Das interessiert Viele!

Ich bedanke mich bei Ihnen für Ihr Vertrauen und die vielen interessanten Fragen und Einschätzungen.

Herzlichst

Ihr

Matthias Platzeck

Beantwortet
Autor Michael Gayck am 04. Juli 2011
4426 Leser · 68 Stimmen (-0 / +68) · 0 Kommentare

Bildung

Bildung als Zukunftsinvestition

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Platzek,
Bildung ist immer wieder ein Thema in den Beiträgen, den Medien und den Wahlprogrammen. Leider wird eine Abwägung zwischen dem Wunsch und dem Finanzierbaren angeführt, wenn es darum geht, fehlende Gelder oder Missstände zu erklären und zu rechtfertigen.
Im Schuljahr 2010/2011 wird durch das Bildungsministerium forciert, dass Einschulklassen von durchschnittlich 25 Schülern gebildet werden. Durchschnittlich bedeutet, dass es kleinere aber auch größere Klassen gibt. Hinzu kommen Wiederholer, neu zugezogene Kinder oder Kinder, die eine Klasse überspringen. Auch die Belastung der Lehrer hat einen Punkt erreicht, der als kritisch anzusehen ist. Dies bestätigte mir auch der ehemalige Minister, Herr Rupprecht, in einem Gespräch.
Es wird immer ein Fachkräftemangel in der Zukunft prognostiziert, eine schlechte Ausbildung durch die PISA-studien bescheinigt und eine Belastung von Lehrern festgestellt. Sollte nicht gerade das Land Brandenburg, welches sich aus meiner Sicht auf einem guten Weg befindet, sich nicht zu einem "Bildungsland" entwickeln? Nur durch das Angebot an gut Ausgebildeten ist es möglich, Firmen und dadurch Investitionen in das Land zu holen.
Jüngsten Untersuchungen nach hat Brandenburg eine hohe Dynamik erreicht. Wenn aber nicht das Fundament, nämlich die Bildung und Ausbildung, weiter deutlich verbessert wird, so wird diese Dynamik erlahmen.
Ich bitte Sie, mehr Einfluss auf die Entscheidungen des Bildungsministeriums zu nehmen und diese auch mit Entscheidungen des Wirtschafts- / Finanzministeriums zu flankieren. Bildung ist teuer, aber ein Standortfaktor, der in der Zukunft dominieren wird und gerade Brandenburg Auftrieb verleihen kann. Ein Konzept und eine durchgängige Förderung - nicht nur als Lippenbekenntnis - von der KiTa, über Schulen mit angepassten Klassengrößen, Ausbildungsförderung bis hin zu Wissenschaftsförderung ist notwendig.
Als Betroffener eines Einschülers in Klassen mit mehr als 25 Schülern bitte ich und wünsche mir eine bessere Bildungslandschaft für meine und die Kinder Brandenburgs. Gewähren Sie den Grundschulen für das Jahr 2010/2011 ff. weitere Grundschulklassen. Jedes Schuljahr mit großen Klassen, schlechter ausgebildeten Schülern, überforderten Lehrern und unzufriedenen Eltern ist ein für Brandenburg verlorenes Jahr, welches sich in der Zukunft auswirken wird.

Mit freundlichem Gruß

+68

Über diesen Beitrag kann nicht mehr abgestimmt werden, da er bereits beantwortet wurde.

Antwort
von Matthias Platzeck am 16. August 2011
Matthias Platzeck

Sehr geehrter Herr Gayck,

vielen Dank für Ihren Beitrag auf meinem Portal. Sie machen sich als Vater Gedanken darüber, dass Ihr Kind für seine Einschulung guten Voraussetzungen vorfindet. Dabei haben Sie zu Recht im Blick, wie wichtig frühe Bildung für die Zukunftschancen sowie für ein selbstbestimmtes Leben von jungen Menschen ist. Ich stimme auch voll Ihrer Einschätzung zu, dass es wichtig für unser Land ist, künftig genügend und vor allem gut ausgebildete Fachkräfte zu haben. Nach wie vor steht die Landesregierung klar dazu, dass Bildung Priorität hat. Dafür spricht, dass mit einem Etat von 1,9 Milliarden Euro Bildung und Wissenschaft nach wie vor die größten Ausgabeposten im Haushalt des Landes ausmachen. Sie stellen ganz richtig fest, dass es immer um eine Abwägung zwischen dem Gewünschten und dem Machbaren geht. Wofür geben wir Geld aus und wofür verschulden wir uns, im Interesse unseres Landes und der Menschen?

Die Finanzpolitik des Landes steht vor großen Herausforderungen. Die Einnahmen stagnieren bzw. sinken bedingt durch den Rückgang der Solidarpaktmittel, der EU-Förderung und aufgrund schwankender Einnahmen aus dem Länderfinanzausgleich. Mit der Einführung der Schuldenbremse ab 2020 können keine zusätzlichen Kredite mehr aufgenommen werden. Das verlangt einen verantwortlichen Umgang mit den Landesfinanzen. Dafür steht meine Landesregierung.

Sehr geehrter Harr Gayck, alle Anstrengungen im Bildungsbereich dienen dem Ziel, den Menschen in unserem Land ein erfülltes Leben mit anspruchsvoller Arbeit und einem guten Auskommen in einer modernen Wirtschaft zu sichern. Eine gute Ausstattung der öffentlichen Schulen gehört dazu. Brandenburg hat eine gute Ausstattung, das belegen bundesweite Vergleichszahlen, zum Beispiel bei der Lehrer-Schüler-Relation oder beim Ausbau der Ganztagsschulen. Sie sorgen sich darum, dass eine Klassengröße von 25 Schülerinnen und Schülern keine optimalen Lernbedingungen für eine Grundschulklasse schaffen könne.

Fakt ist, die öffentlichen Schulen haben einen Grundversorgungsauftrag zu erfüllen. Das heißt: Für alle Kinder muss ein wohnortnahes Angebot bereitgehalten werden. Besonders für die Jüngsten, die Erstklässler ist es wichtig, eine erreichbare Grundschule in der Nähe zu haben. Dafür tragen die staatlichen Schulämter Verantwortung auf einer rechtlichen Grundlage, die aus meiner Sicht vernünftig ist. Grundschulklassen können in einer Bandbreite zwischen 15 und 28 Schülerinnen und Schülern gebildet werden, je nachdem wie stark die Grundschulen angefragt sind. In einem Flächenland wie Brandenburg müssen auch in ländlichen Regionen Kinder eine Grundschule besuchen können. Da hier oft weniger Kinder eingeschult werden, können nur kleinere Klassen in der unteren Bandbreite eingerichtet werden. Die Bildung kleiner Klassen im ländlichen Raum hat Auswirkungen auf die Klassenbildung im städtischen Bereich. Die kleinen Grundschulen müssen die gleiche Unterrichtsversorgung bekommen, wie größere. Das macht den Lehrereinsatz im Verhältnis teurer. In Orten mit vielen Kindern können für den gleichen Unterricht größere Klassen gebildet werden. Damit wird auch ein Ausgleich zwischen Stadt und Land hergestellt.

Sehr geehrter Herr Gayck, eine Klassenfrequenz von 25 Schülern ist auch in der ersten Klasse keine unzumutbare Situation. Brandenburg bewegt sich da im Durchschnitt der Länder. Ich gebe zu bedenken, dass sich Lehr- und Unterrichtsmethoden in der heutigen Grundschule sehr stark verändert haben und eine erfolgreiche Schullaufbahn von verschiedenen Faktoren bestimmt wird. Wissenschaftler haben in Untersuchungen wie der PISA-Auswertung immer wieder bestätigt, dass der Lernerfolg nicht von der Größe der Klassen abhängt. Ich glaube, dass wir in Brandenburg gute und motivierte Lehrerinnen und Lehrer haben, die sich auf die individuellen Bedürfnisse und Talente der Kinder einlassen und sie entsprechend fördern können. In diesem Sinne wünsche ich Ihrem Kind einen guten Start ins Schülerleben, das es mit Neugier, Offenheit und Unterstützung seiner Eltern sicher gut bewältigen wird.

Mit freundlichen Grüßen
Matthias Platzeck