Sehr geehrte Damen und Herren,

wie Sie sicher aus den Medien erfahren haben, werde ich am 28. August vom Amt des Ministerpräsidenten zurücktreten. Deshalb wird es mir künftig nicht mehr möglich sein, Ihre Fragen an dieser Stelle zu beantworten. Der Bürgerdialog über das Onlineportal direktzu.de hat in den zurückliegenden Jahren eine Vielzahl von Anliegen und Problemen von Ihnen, den Bürgerinnen und Bürgern, thematisiert. Ich habe mich über die anhaltende Resonanz sehr gefreut. Sie dokumentierte Ihr Interesse am Lebensumfeld, aber auch an politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fragen. Das Portal war für mich wichtiger Anzeiger, welche Sorgen, Probleme oder Anliegen die Menschen im Land bewegen. Es bot die Möglichkeit, politische Bewertungen aus der brandenburgischen Bevölkerung ungefiltert und direkt zu erfahren. Und ebenso offen und geradeheraus habe ich mich stets um Antwort bemüht. Für mich war darüber hinaus entscheidend, dass das Voting-Verfahren den öffentlichen Diskurs bei uns im Land befördert. Fragesteller und auch ich wussten dadurch: Das interessiert Viele!

Ich bedanke mich bei Ihnen für Ihr Vertrauen und die vielen interessanten Fragen und Einschätzungen.

Herzlichst

Ihr

Matthias Platzeck

Beantwortet
Autor K. Gantze-Halling am 05. April 2011
6337 Leser · 195 Stimmen (-6 / +189) · 4 Kommentare

Umwelt

Flugroutenplanung: Verlegung des Wendepunktes Süd/Nord

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,

ich und mein Mann sind vor 5 Jahren vom Rheinland bzw. Berlin nach Wilhelmshorst gezogen mit der Annahme in diesem beschaulichen Ort einen ruhigen Lebensabend verbringen zu können.

Jetzt haben wir aus der Presse erfahren, dass die DFS plant, den Wendepunkt Süd/Nord über der Gemeinde Michendorf, Caputh und Werder festzulegen. Das würde bedeuten, dass nach Eröffnung des BBI-Schönefeld Flugzeuge im Minutentakt in ca. 1000 m Höhe über unserer Region unterwegs sein können mit entsprechenden negativen Begleiterscheinungen wie Lärmbelästigung und Luftverschmutzung. Die Lebensqualität und unsere Gesundheit würden darunter beträchtlich leiden.

In den letzten Jahren sind viele junge Familien mit Kindern nach Wilhelmshorst gezogen, haben neu gebaut, viel Geld investiert. Sie gingen davon aus, einen ruhigen Hafen gefunden zu haben. Die Orte Caputh, Werder, Ferch bauen auf einen sanften Tourismus und wurden erst vor kurzem zu Luftkurorten gekürt. Sie prosperieren wirtschaftlich durch diese Entwicklung. Sie kennen gewiss die landschaftlichen Reize und Naturparks dieser Region, die Besucher von nah und fern hierher zieht.

All dies soll nun durch die Flugschneise vergiftet und stark beeinträchtigt werden? Wie wird sich das Land Brandenburg und besonders das Berliner Umland in Zukunft auf der Touris-
musbörse präsentieren können? Wie soll Gemüse und Obst dann auf der Grünen Woche vermarktet werden?

Betrachtet man die Flugroutenplanung, so hat man den Eindruck, dass Berlin in Zukunft ein Flugroutenkorsett verpasst bekommt, rundherum. Was passiert dann mit den Naherholungsgebieten der Berliner oder bucht man lieber gleich einen Flug nach nirgendwo? Die Fluggesellschaften werden es danken.

Wir bitten Sie eindringlich, sich als Landesvater für nach-
haltige Lösungen einzusetzen und den ökologischen Aspekt zu berücksichtigen. Die fragwürdige Entscheidung für den Flughafen Schönefeld darf nicht auf dem Rücken der Anrainer ausgetragen werden. Es muss, was die Flugrouten angeht, ein für alle erträglicher Kompromiss gefunden werden. So wäre eine Verlegung des Wendepunktes westlich des AD-Werder über nahezu unbesiedeltem Gebiet eine gute Alter-native entsprechend dem Vorschlag der BI Fluglärmfreie Havelseen.

Mit freundlichem Gruß

Kornelia Gantze-Halling
Horst Halling

+183

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Antwort
von Matthias Platzeck am 07. Juni 2011
Matthias Platzeck

Sehr geehrte Frau Gantze-Halling, sehr geehrter Herr Halling,

dass Ihre Frage so viel Zuspruch auf meinem Portal erhielt, verwundert kaum. Auch zahlreiche andere Bürgerinnen und Bürger aus Brandenburg und auch aus Berlin haben sich zu Fragen der Flugrouten in Briefen oder E-Mails an mich gewandt. Deshalb erst einmal vielen Dank für Ihre Anfrage, gibt sie mir doch die Möglichkeit, einem breiteren Interessentenkreis meine Auffassung darzulegen. Denn wie Sie wissen, wird dieses Thema seit Wochen engagiert diskutiert. Ich selbst habe an zahlreichen Debatten teilgenommen und meine Position auch auf Demonstrationen vertreten.

Ich verstehe, dass Unbehagen und auch Verärgerung entsteht, wenn eine Verschlechterung von Lebensqualität durch Infrastrukturprojekte befürchtet wird. Zunächst weise ich jedoch darauf hin, dass bislang keine Entscheidung in der Sache getroffen ist. Die für die Planung der Flugrouten zuständige Deutsche Flugsicherung hatte im September des vergangenen Jahres einen ersten Vorschlag vorgelegt. Dieser Vorschlag und eine Vielzahl von Änderungswünschen der Gemeinden werden zurzeit sehr sachlich und zielorientiert in der Fluglärmkommission diskutiert.

Diese Kommission hat gegenüber der Deutschen Flugsicherung in der Sitzung am 28. März dieses Jahres eine Empfehlung für Flugrouten in der Startphase ausgesprochen. Für Starts in Richtung Westen empfiehlt die Fluglärmkommission, dass von der Nordbahn geradeaus gestartet und von der Südbahn in einem Winkel von 15 Grad abgeknickt wird. Zur weiteren Routenführung Richtung Westen hat die Fluglärmkommission am 9. Mai vorgeschlagen, den Berliner Südwesten und die dortigen Gemeinden Brandenburgs westlich zu umfliegen. Damit wären die Gemeinden Michendorf mit Wilhelmshorst, Schwielowsee, Nuthetal und Werder größtenteils entlastet. Zusätzlich wurde die DFS aufgefordert alles zu tun, damit von ihrem Flugroutenvorschlag so wenig Menschen wie möglich mit so wenig Lärm wie möglich betroffen sein werden. Nach Abschluss der Beratungen der Fluglärmkommission Anfang Juni prüft die Deutsche Flugsicherung nun, ob sich die Beschlüsse der Kommission umsetzen lassen. Die abschließende Genehmigung der Flugrouten erfolgt durch das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung bis Ende des Jahres. Soweit zu den Fakten.

In der gesamten Debatte hat die Landesregierung von Anfang an immer auf den Schutz der Betroffenen besonderen Wert gelegt. Die zentrale Forderung war und ist: Möglichst wenig Lärmbelästigung für eine möglichst geringe Zahl von Bürgerinnen und Bürgern. Der Landesregierung – und mir persönlich - ist besonders daran gelegen, dass die endgültigen An- und Abflugverfahren für den Flughafen Berlin-Brandenburg International so festgelegt werden, dass die Sicherheit jederzeit gewahrt wird und die Belastungen für die Menschen in beiden Bundesländern gleichermaßen minimiert werden.

Dabei bin ich davon überzeugt, dass die Flugrouten und die dazugehörigen Verfahren erheblich flexibler gestaltet werden können, als es die Vorschläge der Deutschen Flugsicherung von September 2010 vermitteln. Die in der Fluglärmkommission bereits gefundenen ersten Kompromissvorschläge haben das bestätigt. Es ist davon auszugehen, dass eine Lösung gefunden wird, die die Lärmbetroffenheit im Umfeld des BBI so gering wie möglich hält und die hohe Akzeptanz des größten ostdeutschen Infrastrukturprojekts auch bei den Menschen zwischen Werder und Königs Wusterhausen wieder herstellt.

Ich bemühe mich in diesem Prozess um eine intelligente Lärmminimierung. Diese muss sowohl die Flugrouten als auch das Betriebsregime der Flughafengesellschaft zur Nutzung der Start- und Landebahnen und die Lotsenarbeit der DFS für eine möglichst kluge An- und Abflugsituation umfassen.

Mit freundlichen Grüßen


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