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Beantwortet
Autor Markus Kuhn am 20. August 2013
9856 Leser · 8 Kommentare

Arbeitsmarkt

Meisterzwang

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin

Es gibt für die junge Generation keine Motivation eine Lehrstelle anzutreten, da sowieso der Meisterzwang abgeschafft wurde, bei den meisten Gewerken reicht eine kurze Anlernphase um als Helfer eingestellt zu werden. Dadurch wird die Qualität der Arbeiten immer schlechter das hat nichts mehr mit " deutscher Wertarbeit " zu tun. Wird der Meisterzwang wieder eingeführt? In Deutschland und der EU

Mit freundlichen Grüßen

Markus Kuhn

Antwort
im Auftrag der Bundeskanzlerin am 05. September 2013
Angela Merkel

Sehr geehrter Herr Kuhn,

vielen Dank für Ihre Frage, die wir im Auftrag der Bundeskanzlerin beantworten.

Wir konnten bisher nicht feststellen, dass jungen Menschen die Motivation fehlt, eine Ausbildung zu beginnen. Zumal auch die Einsatzmöglichkeiten für angelernte Helfer immer geringer werden und diese Beschäftigten keine dauerhafte berufliche Perspektive haben.

Eine fundierte Ausbildung ist hingegen eine gute Grundlage für den Einstieg ins Berufsleben. Wer hierzulande erfolgreich eine Ausbildung abschließt, kann sich mit Jugendlichen anderer Länder messen, die dort ein Studium absolviert haben. Die Auszubildenden bei uns erhalten zudem ein attraktives Entgelt. Und die Aufstiegschancen bis zur Selbstständigkeit oder zum Studium sind hervorragend.

Die geringe Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland ist zu einem erheblichen Teil dem deutschen Berufsbildungssystem zu verdanken. Die deutsche duale Ausbildung ist weltweit anerkannt; einige Staaten wollen sie einführen.

Auch die Meisterprüfung ist nach wie vor attraktiv, bietet sie doch breitere Karrieremöglichkeiten und den Zugang zum Studium.

Und eine fundierte berufliche Qualifikation ist die Grundlage für den Schritt in die Selbstständigkeit. Allerdings bedeutet das nicht zwangsläufig, dass man eine Meisterprüfung absolvieren muss. Die EU-Kommission hat sie als Wettbewerbshemmnis eingestuft. In der EU gilt Dienstleistungsfreiheit. Deshalb können 53 Handwerksberufe ohne Meisterbrief ausgeübt werden. Sie sind „zulassungsfrei“, das heißt, eine Betriebsgründung setzt keine Meisterprüfung voraus.

Seit 2004 sind nur noch 41 Handwerksberufe „zulassungspflichtig“. In der Regel bedeutet das, dass der Betriebsinhaber einen Meisterbrief haben muss. Und zwar in den Berufen, von deren Ausübung Gefahren für Dritte ausgehen können und die besonders ausbildungsintensiv sind. Allerdings gibt es Ausnahmen: Die sogenannte Altgesellenregelung sieht vor, dass Gesellen mit einer Berufserfahrung von mindestens sechs Jahren bei zulassungspflichtigen Handwerken eine Firma gründen können. Sie müssen aber vier Jahre in einer leitenden Position gearbeitet haben.

Derzeit ist nicht davon auszugehen, dass die generelle Meisterpflicht wieder eingeführt wird.

Weitere Informationen finden Sie hier:

http://www.zdh.de/themen/recht-und-organisation/rechtstex...

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Kommentare (8)Schließen

  1. Autor Elmar Merkmann
    am 21. August 2013
    1.

    Vieles ist schon verloren gegangen! Als Radio und Fernsehmeister ich kann mir nicht vorstellen - wie man das Ganze ins Gang setzt...

  2. Autor Markus Kuhn
    Kommentar zu Kommentar 1 am 21. August 2013
    2.

    Ich könnt mir vorstellen mit einer Kampagne oder einer Demo, kommt natürlich darauf an, was die Bevölkerung davon hält.
    Die Meister aller Gewerke könnten sich zusammenschließen
    Um etwas Druck auszuüben zb. Kein Lehrlinge einstellen bis der Meisterzwang wieder eingeführt wird. Ich bin der Meinung Deutschland ist in der Wellt durch seine Wertarbeit bekannt diese hängt unteranderrm am unserem dualen System die anderen Länder sollten sich da mal ein gutes Beispiel abschauen und es ebenfalls einführen.

    Viele Grüße

    Markus Kuhn
    Parkettlegermeister

  3. Autor Erhard Jakob
    am 22. August 2013
    3.

    Hallo Elmar und hallo Markus,
    ich sehe das genauso wie ihr.
    .
    In einigen Gewerken besteht wohl noch Meisterzwang,
    zumindest wenn man ein Handwerksbebetrieb
    aufmachen will.
    .
    Doch das diesbezügliche Gesetz wieder abschaffen,
    wird wohl kaum möglich sein, weil die Gegenseite
    sicher auch recht stark ist. Denn viele Verbraucher
    sind sicher auch sehr froh, wenn sie für einige
    Dienstleistung nicht die hohen Meister-
    stunden bezahlen müssen.
    .
    Man muss immer eine Medaille
    von zwei Seiten betrachten.

  4. Autor Markus Kuhn
    Kommentar zu Kommentar 3 am 26. August 2013
    4.

    Hallo Erhard,

    Ich bin der Meinung, dass der Markt den Preis regelt,
    Das heißt Meisterstunden Löhne können nicht über das Maß
    Der Dinge abgerechnet werden, mein Stundensatz beträgt
    Zwischen 42.- und 48.-€ pro/h. Ich mache aber sehr wenig
    Stundenlohnarbeiten sondern biete Pauschalsummen an,
    Zb. Parkett Schleifen und versiegeln 30.-€pro-qm.
    Unqualifizierte Betriebe rechnen sehr oft mehr Stunden
    ab als geleistet wurden.

    Viele Grüße
    Markus kuhn

  5. Autor Helmut Krüger
    am 28. August 2013
    5.

    Ich denke, das Ganze hat nicht nur mit dem Markt, sondern immer auch mit einer persönlichen Wertschätzung zu tun, wer für was Geld ausgibt. Sicher kann bei knapper Kasse nicht über Gebühr bezahlt werden, doch grundsätzlich besteht da allgemein schon Spielraum und ist da insgesamt etwas an Umwertung von Werten eingetreten. Mal in die Richtung einer Wertschätzung, mal in eine andere Richtung des - im wahrsten Wortsinne - Werteverfalls.

    Auf die Meister gemünzt: Deutlich muss gesagt werden, dass mit einer Billigheimer-Mentalität Qualität auf Dauer nicht zu halten ist. Das gilt für Fliesen, wo es dann nicht nur darum geht, dass die Fliese halbwegs gerade liegt, sondern eben auch der Untergrund entsprechend bearbeitet ist. Das gilt auch für die Schornsteigermeister, wenn der Schornstein und mit ihm nicht der ganzen Bau leiden soll. Und so ist es auch dem, was wir uns in den Mund stecken: Das gilt auch für Bäcker- und Konditormeister, die anderes Brot und anderen Kuchen backen als diejenigen, die ein 50 %iges-Zucker-Etwas, großindustriell produziert, in Bahnhofspassagen und Einkaufszentren für 1,60 € pro Stück verkaufen. Doch unterhalb eines bestimmten Preis geht es nicht: Für 15 Ct. ist kein Brötchen meisterhaft zu backen, unter 25 Ct. ist das kaum zu schaffen.

    Billig ist kurzfristig billig, langfristig kommt uns die Billigkeit teuer zu stehen. Dazu aber sollten die qualifizierten Arbeiten vom Meister gemacht und abgerechnet werden, die Arbeiten, die weniger Qualifikation erfordern, dann eben nicht.

  6. Autor Erhard Jakob
    am 30. August 2013
    6.

    Helmut,
    du hast Recht!

    Doch H4ler und Geringverdiener müssen notgedrungen
    auf *Schwarzarbeiter zurück greifen, weil sie sich
    keine Meisterarbeit leisten können.

    Hier beißt sich der Hund wieder
    in den Schwanz.

  7. Autor Frank Uwe Stockinger
    am 30. August 2013
    7.

    Ich Grüße Euch alle,

    da ich auch selbständiger Handwerksmeister bin bin ich selbstverständlich auch dafür.

    Nur weiß ich im Moment nicht welche Intension die Bundesregierung oder unsere Handwerkskammer in Bezug auf Sachkunde nachweise hat.

    Auf jeden Fall wird da in letzterer Zeit jede Mengen neu erfunden und zum Beispiel im Kursangebot von der IHK, HWK und Tüv angeboten.

    Und wenn ab 2014 die Gesetzgebung entscheidet für die Handwerker wird das auch Pflicht für verschiedene Bereiche Sachkunde nachweise vorzulegen, dann könnten unter Umständen ganz schnell mehrere Millionen Umsatz gemacht werden, natürlich für die jeweiligen Kursanbieter, deshalb weiß ich nicht wie die Intension der HWK ist.

    Werden wir Handwerker von der Hwk bei der EU Kommission unterstützt oder nicht ?

    Meiner Meinung nach, werden dann die Stundensätze noch weiter künstlich nach oben getrieben, naja der Mehrwerts Steuer Anteil in dem Fall auch. Also wer Provitiert davon ?

    Mit freundlichen Grüßen

    F.Stockinger

  8. Autor Helmut Krüger
    am 30. August 2013
    8.

    Ich finde, es gibt einen positiven und einen negativen Kreislauf des Wirtschaftens und das sehe ich völlig unabhängig politischer Systeme.

    Den negativen Kreislauf, das ist derjenige, wo wir gegenwärtig drin sind: einen Kreislauf der Kosteneinsparung, dass dadurch mehr produziert werden könne, doch nur ein Teil wird sich das als QUALITATIV HOCHWERTIGE Arbeit leisten können. Im Grunde genommen schlägt das der Qualität die Beine weg, je mehr diejenigen werden, die sich das eben nicht mehr leisten können.

    Den positiven Kreislauf will ich als Kreislauf der Wertschätzung nennen. Die Betriebe, die sich spielend leisten können, sind gehalten, dabei anzufangen, anstatt sich der sportiven Übung hinzugeben, gleichermaßen ohne alle Not an der Kostenschraube zu drehen, die menschilches Elend verursacht. So ins Rollen gebracht, werden auch Mittel- und Kleinbetriebe davon gut haben, denn das ist die Kaufkraft hergestellt, an der es jetzt zu einem Teil mangelt.

    Kurzum: Der Kaufkraft fehlt die "gesunde", über möglichst viele Menschen verteilte Basis, die dann auch grundsätzlich meisterliche Leistungen hervorbringen kann.

    Dass sich die Kaufkraft nur ingesamt gesteigert hat, aber die Teilung der Konsumentenschaft voranschreitet, damit ist nichts gewonnen, wenn auf der einen Seite die puren Luxusartikel immer ins Irreale hinein nachgefragter werden, weil das als Status gilt, die anderen wiederum nicht wissen, wie sie die Butter auf dem Brot bezahlen sollen, weil nur Margarine im Budget drin ist.

    Ungerecht ist nicht, wenn der vom negativen Kreislauf Betroffene den Bauern den entsprechende Preis nicht bezahlen kann, also ihm das vorenthält. Ungerecht ist, wenn der Millionär zu ALDI und zu LIDL geht, obwohl er sich spielend anderes leisten kann.

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